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Interview

Wir haben Anja Schneider gefragt, was eine gute Clubnacht ausmacht

Der Mobilée-Chefin sind das Soundsystem und zwischenmenschliche Beziehungen am Wichtigsten.

von Angus Harrison
25 September 2015, 2:10pm

Fotos von Giannis Kokkas.

Anja Schneider ist eine der großen Persönlichkeiten der Musikindustrie. Wenn es sie nicht mehr gäbe, würde das wahrscheinlich eine sehr unangenehme Kettenreaktion auslösen. Mit ihrem Label Mobilée, ihrer unfassbaren Radioshow Dance Under the Blue Moon bei Radio Fritz und ihre einzigartigen DJ-Sets ist sie zu einer der tragenden Stützen des Techno geworden. Und du dachtest, du hast viel zu tun? Aber nicht nur ihre Musik, auch ihre Berliner Mobilée-Partys wie zuletzt im Watergate, geben dem Nachtleben der Partyhauptstadt eine ganz besondere Farbe. Bei Mobilée merken wir, dass zu einer guten Party mehr gehört als nur das Booking. Wir haben Anja mitten im Umzug des Mobilee-Büros getroffen und sie zu Partys, Städten und Lineups befragt.

THUMP: Mit deiner Radioshow und Mobilee hast du so eine massive Auswahl an Talent zur Verfügung—wie weißt du, wen du fürs Lineup nehmen musst?
Anja Schneider: Natürlich ist es nicht einfach, bestimmte Leute auszuwählen. Ich habe so viele talentierte Leute um mich herum. Bei diesem Anlass mit LWE (London Warehouse Events) kamen wir auf die Invites Party, die etwas komplett anderes ist als Mobilée. Ich kenne so viele talentierte Leute , die ich nicht bei Mobilee habe, also war das eine Chance Leute zu nehmen, die nicht bei meinem Label sind.

Wie Citizenn, sein Name ist zur Zeit recht bekannt...
Auf jeden Fall. Er ist jung, ehrgeizig und hat seinen eigenen Stil, was unglaublich interessant ist.

Also ist die Persönlichkeit des DJ sehr wichtig für die Nacht?
Ja! Vor der Party willst du Essen gehen, zusammen lachen. Wenn man sich gegenseitig nicht mag, wird es keine gute Nacht. Du musst miteinander arbeiten können, es muss Harmonie da sein und dann schafft man zusammen eine tolle Atmosphäre. Ich wusste, dass ich Igor und Citizenn zusammenbringen musste, aber sie kennen sich nicht gegenseitig, also werden wir sehen, wie das funktioniert.

Hast du Übungen zum Teamaufbau?
Ich denke wir werden nur Essen gehen. Sie sind beide sehr lustige Menschen und großartige DJs. Es kann mich manchmal etwas nervös machen, mit so guten DJs zu spielen. Sie haben so einen coolen Musikgeschmack und Tracks, die du nirgendwo anders hörst. Es kann eine Herausforderung sein!

Was sind deiner Meinung nach die wichtigsten Elemente, um eine Nacht großartig zu machen?
Das Wichtigste ist ganz bestimmt der Sound. Mit einem schlechten Soundsystem kommt nichts beim Publikum an. Es ist ganz nett, Tänzer und Deko zu haben, aber ich komme aus einer Szene, in der wir in dunkeln Kellern angefangen haben. Wir haben geschwitzt und 20 Stunden gespielt und das hat uns gefallen. Also ist es meiner Meinung nach der Sound.

Foto von Kirstin Zu Pan.

Gibt es Partys an die du dich erinnerst, die du immer als deine Lieblingsnächte beschreibst?
Ich denke definitiv, einer der größten Promoter aller Zeiten war Derren Smart, der traurigerweise kürzlich verstorben ist. Er hat A Night With organisiert, wo er nur einen DJ einlud, welcher dann acht bis zehn Stunden alleine gespielt hat. Ich hab das einmal für ihn in London gemacht. Er hat es zurück zu den Wurzeln gebracht—ein DJ, eine Nacht. Du musst als DJ hart arbeiten, herausfinden wie du die Nacht aufbaust.

Muss anstrengend gewesen sein, so lange zu spielen...
Ich war nur einmal auf Toilette, darauf bin ich sehr stolz.

Erinnerst du dich an die erste Party, die du je geschmissen hast?
Das war damals Teil einer Radioshow. Während der Love Parade in Berlin wollte der Sender, für den ich arbeitete, ein Teil davon sein. Ich hatte die Idee, von einem Boot zu senden und uns neben der Parade her zu bewegen. Wir hatten jede Stunde einen anderen DJ und haben das gesendet. Es hat am Freitag um 6 Uhr angefangen, war draußen und umsonst. Nach zwei Stunden habe ich realisiert, oh scheiße—das wird das größte Ding aller Zeiten. Am Ende waren 60000 Leute da. Die Straßen wurden gesperrt. Danach haben mich alle Clubs gehasst.

Versuchst du manchmal vorherzusagen wie das Publikum in einer bestimmten Stadt ist?
Das coole an Mobilée ist, dass wir immer eine internationale Crowd haben. Auf unserer letzten Party in Barcelone waren mehr Australier und Franzosen da als alles andere. Das könnte auch in Berlin passieren, aber es kommen unmengen an Italienern. Die Locations können anders sein aber wir haben das Glück die Stärke der Mobilée-Marke zu besitzen.

Vielen Dank für das Gespräch!

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