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Dieser Artikel ist vor mehr als fünf Jahren erschienen.
Clubkultur

7 Dinge, die ich an Berliner Clubs hasse

So geil ist es in Berlin nämlich gar nicht.

von Andreas Meixensperger
14 Januar 2015, 8:20pm

Wenn es um Clubkultur geht, will die restliche Welt wie Berlin sein. Es gibt Bücher, die sich mit nichts anderem beschäftigen als der Entwicklung der Techno- und House-Partys hier in Berlin—sogar die Bundeshauptstadt selbst findet sich und ihre Clubs neuerdings mega gut. Aber so wahnsinnig geil ist das alles nicht, meint zumindest Robert Klaschnitz. Lest hier, welche sieben Dinge er an der Berliner Clubkultur hasst.

Drogen-Druffies

Drogen gehören zur Clubkultur. Und weil Berlin die selbsternannte Queen of Clubkultur ist, gibt es hier Drogen ohne Ende. Das ist erstmal natürlich super, weil Dealer damit ihre Miete zahlen können; und sozial ist schließlich, was Arbeit schafft. Das Problem in Berlin ist aber, dass dich auf der Tanzfläche alle beschissenen zehn Minuten irgendwer antippt und fragt, ob du aus Berlin kommst und weißt, wo man hier gutes Kokain bekommen kann. Und sobald du alleine auf einer Couch sitzt, denken alle, dass du ein Dealer bist, der auf Kundschaft wartet. Die Nachfrage nach Drogen ist unmenschlich hoch, weil die Clubs voll mit Party-Touristen sind, die 300,- Euro in die Stadt mitbringen und sich dafür so lange mit sämtlichen verfügbaren Substanzen derart zuballern, dass sie irgendwann alle nur noch durch die Gänge taumeln. Wenn sie Glück haben, kotzen sie dir den Drogenmix irgendwann auf die Schuhe, andernfalls fallen sie einfach irgendwo um und werden vom Personal aufgeräumt ... das heißt, es kommt natürlich auf die Drogen an. Die Freunde von aufputschenden Drogen triffst du so um sieben Uhr in der U-Bahn wieder. Speed und Fitnessstudios formten ihren Geist und Körper. Sie brüllen sich an, machen Klimmzüge und sprechen lauthals davon, endlich irgendjemanden mal so richtig die Fresse einzutreten. Diese Leute müssen endlich damit anfangen, weniger Drogen zu nehmen. Oder wir müssen mehr nehmen, so kann das jedenfalls nicht bleiben.

Touris

Überhaupt, die Touris ... diese Spezies ist hier zurecht noch unbeliebter als Polizisten. Ich will ja nicht sagen, dass das privat vielleicht auch nette Menschen sein können, aber wenn sie Wochenende für Wochenende für ihren Party-Kurzurlaub in die Stadt einfallen, werden sie zu einer Horde zugedröhnter Vollprolls. Das Problem ist, dass der Partybiorhythmus in Spanien, England, Italien, München und anderen fremden Kulturen ein anderer ist. Dort gibt es fast überall die Sperrstunde und du musst zum Beispiel in Großbritannien mit Vollgas sämtliche Substanzen gleichzeitig nehmen (siehe oben), weil um 3 Uhr schon alles vorbei ist. Wenn in Berlin um 4 Uhr dann der Headliner spielt, sind die Touris hier meist schon komplett zugeballert. Ein weiteres weltweites kulturelles Problem bei Touristen ist, dass alles, was sie in dieser ihnen fremden Umgebung sehen, neu und aufregend ist. Manche von ihnen werden für mehrere Monate oder Jahre nicht mehr nach Berlin kommen. Und deshalb ... richtig ... fotografieren sie jeden Scheiß, der ihnen vor ihr güldenes iPhone kommt. Und wenn du ihnen sagst, dass es dich ein bisschen nervt, wenn sie gerade dokumentieren, wie du mit einer dir gerade noch unbekannten Person halbnackt auf dem Boden liegst, finden die das total spießig.

Dumme Moves

Wo wir gerade dabei sind: In der Berliner Clubszene wird so viel gebumst, dass die meisten einfach zu faul geworden sind, einen kreativen Move zu machen. Für die ganze Anmachleier müssen die Player nicht mal mehr ihre müden Augen vom Handydisplay abwenden. Verabredet wird sich bei Grinder oder Tinder, später checkt man mit Mingleton nochmal die unmittelbare Gegend nach was Besserem als dem Date aus. Wozu reden oder lächeln? Geht ja auch so. Aber eigentlich kannst du hier in Berlin froh sein, wenn dich die Leute nicht offline anmachen, weil es im Real Life genau so wenig zu einem echten Gespräch kommen wird wie bei Tinder. Wenn jemand was von dir will, starrt er oder sie dich penetrant an, befummelt dich oder steckt dir gleich ohne Vorwarnung seine Zunge in den Hals.

Underground-Nazis

Was denkst du passiert, wenn im Undergroundclub (und jeder Club in Berlin ist Underground) jemand einen Track aus den Beatport Top 50 spielt? Richtig, sämtliche Gäste ziehen ihre Fäuste aus den Körperöffnungen der jeweiligen Sexualpartner und recken sie drohend dem DJ entgegen. Der DJ wird sein trauriges Leben als Warm-Upper, Bartender oder „Artist-Betreuer" fristen müssen, denn er hat den Underground verraten. Den Underground, den der Mainstream nicht findet, gibt es natürlich nur noch in den Köpfen der Berliner. Im Internet ist sämtliche Musik und jede noch so unbekannte Geheimparty jedem zugänglich, der Resident Advisor buchstabieren kann.

Also müssen die Nazis sich ein paar Underground-Regeln ausdenken. Grundsätzlich fällt zum Beispiel jeder Track durchs Underground-Raster, der mehr als 128 bpm hat (Ausnahme: Veröffentlichungen bei BNR oder Monkeytown), der schon mal irgendwo im Format-Radio (Energy, RTL usw.) gespielt wurde, oder wenn ein schlechtes Saxophonsample im Song vorkommt. Super Regeln eigentlich, jedoch landet auch jeder Produzent für immer auf der Verräterliste, wenn er so eine Sünde früher irgendwann mal probiert hat, oder wenn zusammen mit einem anderen Mainstream-Typen mal gearbeitet oder gezogen hat. Du musst entweder ein autistischer Nerd oder sehr diszipliniert sein, um das zu schaffen. Der musikalischen Entwicklung in dieser Stadt hilft das jedenfalls nicht.

Peaktimes

Eigentlich heißt es ja Nachtleben. Solltest du das aber falsch verstehen und tatsächlich, sagen wir ... Mitternacht in einen Club gehen, verbringst du erstmal drei bis vier Stunden alleine mit dem Warm-Up-DJ, der lustlos weichgespülte, schlechte Tracks zusammenmixt. Vor 4 Uhr darfst du als DJ nämlich keinen guten, aktuellen Song verbraten, sonst werden die Headliner sauer (die sich das Set vom Backstage aus ganz genau anhören, während sie abwägen, mit wem sie dort ziehen können und mit wem nicht—siehe Underground-Nazis).

Die Türpolitik

Berlins Türsteher interessieren sich nicht für dein Aussehen oder welche Schuhe du anhast, trotzdem müssen sie aussortieren, ist ja ihr Job. Deshalb ist ist die Türpolitik bei manchen Clubs schlicht absurd. Bist du ein Typ, der nicht wie ein hipper Druffi aussieht, hängt es ausschließlich vom Stimmungszufallsgenerator des Türstehers ab, ob du reinkommst oder nicht. Als Frau bist du meist fein raus, wenn du nicht zu fein gekleidet bist, aber drinnen wartest du dann eben vergeblich auf deine männlichen Freunde, weil den Türsteher ein Popel in der Nase gejuckt hat, als sie vor ihm standen. Das alles könnte ich ja noch als Schicksal abhaken, wenn die Türsteher sich nicht so ewig dafür Zeit lassen würden. Es kann schon mal passieren, dass du für dein „Heute leider nicht" zwei Stunden in der Schlange stehst.

Gästelistenspackos

In keiner anderen Stadt ist das Gästelistengehabe so ausgeprägt wie in Berlin. Überlege dir gut, ob du wirklich die paar Euro Eintritt zahlen willst, oder ob du nicht doch lieber den Typen anbettelst, der zu unkreativ für den DJ-Job und zu faul für den Veranstalterjob ist, und der deshalb die Gästelisten von Partys betreut. Die Gästelistenschlangen sind bei den Berliner Konzerten von Boys Noize und Kollegen länger als die Schlangen zahlender Gäste. Wenn es mit der Liste nicht klappt, kommen die meisten Leute in Berlin einfach nicht. Deshalb hast du bei guten Partys als zahlender Gast manchmal überhaupt keine Chance, reinzukommen. Der Club ist schon voll von Listenspackos. Inzwischen gibt es auch schon A-Listen (Label) und B-Listen (Clubbetreiber) und die Leute auf der Clubliste werden heimgeschickt, weil der Laden schon von der A-Liste voll ist. Was für ein Scheiß!

Berlins Nachtleben hat aber natürlich auch ziemlich viele gute Seiten, hier könnt ihr lesen, was die Berliner Clubs so liebenswert macht.

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