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Popkultur

Wir haben Leute gefragt, wie sie mit dem Hass im Netz umgehen

"Ich scrolle meist weiter, wenn ich sowas im Internet lese. Wenn ich durch die Straßen von Berlin laufe, höre ich mir auch nicht jeden Quatsch von jedem Typen an, sondern setze einfach meine Kopfhörer auf."

von Daniel Sigge
03 Februar 2017, 3:00am

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Hate Speech gehört mittlerweile zum Alltag. Aber was denken junge Menschen über den Hass und wie gehen sie damit um? Wir haben nachgefragt.

Joanna, 31, Philosophiestudentin


VICE: Hattest du jemals mit Hate Speech zu tun?
Joanna: Bislang nicht, wahrscheinlich weil ich privilegiert bin: Ich bin eine weiße, heterosexuelle Frau.

Glaubst du, dass sich Hate Speech durch das Internet vermehrt hat?
Nein, Rassismus gab es vor der Zeit des Internets genauso am Gartenzaun und am Stammtisch.

Warum posten Menschen so viel Hass?
Das Internet ist so schnell, dass man das Gefühl hat, unmittelbar reagieren zu müssen, damit die eigene Stimme überhaupt gehört wird. Viele lesen nur die Überschrift oder schauen wenige Sekunden eines Videos und kommentieren dann. Das sind oft nur Gedankenfetzen, aber durch so einen überhitzten Kommentar bekommt man eben Aufmerksamkeit. Die Diskussion wird dann sehr emotional und kann zu Hass führen.

Glaubst du, dass Hass im Netz so gefährlich ist wie auf der Straße?
Ich denke nicht, denn ich glaube, Menschen erinnern sich gar nicht daran, was sie kommentieren. Was wir im Netz posten, sind oft nur Impulse. Es ist aber gefährlich, wenn andere sie ernst nehmen, als wären es in Stein gemeißelte Gedanken.

Faraz, 22, Regisseur und Produzent



VICE: Wo erlebst du in deinem Alltag Hate Speech?
Faraz: Ich selbst bin Deutscher, habe aber persische Eltern. Gerade in queeren Kreisen passiert da viel mehr, als man denkt – meist in Form von ethnischer Einordnung oder stereotypen Männerbildern. Chinesen oder Japaner zum Beispiel werden als "Asians" krass diskriminiert, sowohl auf Dating-Apps als auch im schwulen Alltag.

Hast du das auch schon persönlich erfahren?
Vor einiger Zeit habe ich auf Grindr mit einem Typen geschrieben, auf dessen Nachrichten ich irgendwann nicht mehr reagiert habe. Ich hatte einfach kein Interesse mehr, aber er hat weitergeschrieben. Da kamen dann Sätze wie "Bei dir sieht man voll, dass du vom Affen abstammst. Schau dir deine fette Nase an!".

Wayne*, 28, Dokumentarfilmer


VICE: Wie betrifft dich Hassrede im Netz?
Wayne: Ich scrolle meist weiter, wenn ich sowas im Internet lese. Ich will mich nicht mit dem geistigen Müll anderer beschäftigen. Wenn ich durch die Straßen von Berlin laufe, höre ich mir auch nicht jeden Quatsch von jedem Typen an, sondern setze einfach meine Kopfhörer auf.

Glaubst du, dass Hate Speech ein ernsthaftes Problem ist?
Generell ist unsere Vorstellung davon, wie wir im Netz miteinander reden, noch ein Problem. Das ist ja etwas ganz anderes als ein direktes Gespräch mit Augenkontakt.

Was sind das für Leute, die im Netz haten?
Ich glaube, sie sind vor allem irgendwie hilflos. Von außen betrachtet scheint es da eigentlich um Anerkennung zu gehen.

*Name geändert auf Wunsch des Interviewpartners

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