Vinyl

Eine Typologie aller Menschen, die du im Plattenladen triffst

Der Plattenladen ist das Refugium der Unangepassten. Hier sind die 10 Typen, die ihn beherrschen.

von Josh Baines
24 März 2016, 11:50am

Wie du bestimmt weißt, leben wir gerade in einer Zeit der wiedererwachten Vinyl-Obsession. Selbst bei Aldi gab es vor Kurzem Schallplatten zu kaufen—wenn auch nur in Australien. Stell dir das mal vor! Du kaufst Konsumgüter in einem Laden, der eine riesige Auswahl von Konsumgütern anbietet! Unfassbar, was heute alles möglich ist!

Auch wenn die meisten von uns es weiterhin bevorzugen, unser Leben so digital wie nur irgendwie möglich zu leben, machen wir ab und an Ausflüge in die Welt des Physischen und Haptischen. Dazu gehört auch, dass man sich zwischendurch in einem Plattenladen widerfindet. Plattenläden sind irgendwie toll, weil sie Platten verkaufen. Plattenläden sind aber irgendwie auch nicht so toll, weil sie voll mit Leuten sind, die Platten kaufen.

Leider gehören die meisten, die du in einem Plattenladen triffst, zu der Sorte Mensch, die du niemals sonst irgendwo treffen wollen würdest. Diese Läden sind das Refugium der Unangepassten und der Unbeholfenen, der Streitlustigen und der geradeheraus Unangenehmen. Für den Fall, dass du planst, anlässlich deiner gerade erwachten Vinyl-Leidenschaft etwas Zeit in einem solchen Geschäft zu verbringen, haben wir dir einen Guide zu den zehn unterschiedlichen Typen zusammengestellt, die du garantiert in jedem Laden antreffen wirst.

Foto: Kamyar Adl | Flickr | CC BY 2.0

1. Der Familienvater, der früher mal ziemlich trendy war und nicht müde wird, dir das auch mitzuteilen, aber dermaßen an seiner ehemaligen Trendiness festhält, dass es nur noch peinlich ist

Er trägt einen Parka, ein paar Budapester und umgeschlagene Jeans, die den Knöchel entblößen. Er kauft sich eine Soichi Tereda Platte. Er hatte seit zwei Jahren keine Erektion mehr.

2. Der Vollprofi

Für die meisten von uns ist der Plattenkauf eine angenehme Samstagnachmittag Beschäftigung—etwas, mit dem man schön die Zeit rumbekommt, bis man sich mit seinen Freunden wieder in der Bar treffen kann. Nicht so dieser Genosse hier. Nein, der hier geht die Sache richtig an. Ja, er hat sich einen kleinen Klapphocker mitgebracht. Ja, das ist ein tragbarer Plattenspieler. Oh ja, das sind definitiv Wechselklamotten, eine große Lunchbox und eine Thermosflasche. Der Profi ist ein wirklich sonderbares Geschöpf. Er nimmt ganze Bereiche des Ladens für mehrere Stunden in Beschlag und stößt komische Brummgeräusche aus, wenn sich irgendjemand der Avant Garde/Experimental Sektion nähert, während er versucht sich zwischen einem Wolf-Eyes-Repress und einer Blectum-from-Blechdom-Compilation zu entscheiden. Er ist dafür bekannt, potenzielle Konkurrenten brutal in die Noise-Abteilung zurück zu prügeln. Sei gewarnt!

3. Die Frischlinge, die eh nichts kaufen wollen, nur abhängen und beim Gehen die kostenlosen Magazine einstecken

VICE gibt es jetzt auch für auf euren Computer, Jungs. Stresst euch nicht so!

4. Der Typ, der sich offensichtlich gerade in die Hose gepisst hat

Es ist ein schöner Freitagnachmittag und du schaust mal wieder in diesem Secondhand Plattenladen vorbei, den du früher mindestens einmal pro Woche besucht hast, bevor du in ein anderes Viertel gezogen bist. Alles ist wie damals. Es stehen immer noch genau die gleichen Leute hinterm Tresen und du bist dir ziemlich sicher, dass die gleichen mitgenommenen John Denver LPs genau so neben den gleichen beschissenen und mitgenommenen King Street Records 12" stehen, wie sie das auch schon die letzten Jahre über getan haben. Es riecht auch genau so wie früher: eine leichte Schimmel-Note gepaart mit Enttäuschung, altem Kaffee und Mundgeruch. Und Pisse! Es stinkt eindeutig nach Pisse! Dicklicher, tieforangener Pisse! Der Übeltäter? Es ist der Typ, der aussieht wie die Art von Typ, die nach Pisse stinkt, und man sieht ihn in der Regel in der VHS-Abteilung rumlungern, wo er versucht sich zwischen Chucky und Best of Verstehen Sie Spaß? 1985-1990 zu entscheiden.

5. Der Neukunde, der die Leute hinter dem Tresen beeindrucken will, aber brutal zurückgewiesen wird und den Laden den Tränen nah verlässt

Es ist immer noch mit das Beste am Plattenkauf, dass er dir die Möglichkeit bietet, dich von Leuten ohne jegliches zwischenmenschliches Feingefühl unglaublich beschissen behandeln zu lassen, während du für das Privileg dieser psychischen Misshandlung auch noch Geld bezahlst. Denk doch nur mal an die ganzen Augenblicke, in denen du voller Stolz mit deinem in mühseliger Arbeit ausgewähltem Plattenstapel zu dem Typen mit den fettigen Haaren, dem fliehenden Kinn und den ungepflegten Zähnen rüber gelaufen bist und er beim Anblick deiner Ausbeute eine Fresse gezogen hat, die geradezu schrie: „FÜR WEN ZUM TEUFEL HÄLTST DU DICH EIGENTLICH? GLAUBST DU WIRKLICH, DASS DU MIT DIESER AUSWAHL VON HALBGAREN DISCO EDITS OHNEHIN SCHON MEDIOKRER TRACKS UND DIESEM GERD JANSON REMIX, DEN JEDER, DER WIRKLICH AUFLEGEN KANN, SCHON SEIT MONATEN NICHT MEHR SPIELT, MEINEN RESPEKT ERNTEST? GLAUBST DU DAS?" Das macht nicht so viel Spaß, oder? Aber du lernst daraus. Du lässt dir ein dickes Fell wachsen. Und langsam steigst du auf. Nach wenigen Jahren wirst du beim Betreten des Ladens bereits mit einem angedeuteten Nicken begrüßt und mit einem halbherzigen „Tschö!" verabschiedet. Das ist der Moment, auf den wir alle warten, aber der Weg dahin ist kein leichter. Wenn der Laden deines Vertrauens nur irgendwas auf sich hält, dann garantiere ich dir, dass du während jedes Einkaufs mindestens eine arme Seele beobachten kannst, die nach ihrem ersten Besuch dort das Geschäft mit einer demütigenden Abreibung und ein paar Zentimeter kleiner verlässt.

Foto: Sara Wass

6. Der leicht panische Mann, der versucht einen Wäschesack voll mit etwa 500 beschädigten Promo-CDs abzuladen, während er immer wieder sagt: „Ja, schon klar, Kollege, ich nehm' alles, was du mir dafür geben kannst. Ist mir total egal. Alles, was du mir geben kannst." Dabei schaut er ständig aus dem Fenster auf die Straße und wird von Sekunde zu Sekunde unruhiger.

Egal, was du tust, Augenkontakt unbedingt vermeiden!

7. Der Ja-ich-bin-ein-DJ-DJ

Er ist der Wichser, der alle Sonderangebote aufkauft und sichergeht, dass alle wissen wie viele Platten er kauft und wie oft er auflegt. Ein Arschloch erster Güte!

8. Der untersetzte Typ, der sich völlig übertrieben darüber aufregt, dass die neue Junior-Boys-Platte noch nicht reingekommen ist

„Was meinst du damit, dass Big Black Coat noch nicht reingekommen ist? Was macht ihr hier eigentlich? Nein, ernsthaft, was macht ihr hier eigentlich? Das hier ist ein Plattenladen. Eure einzige Daseinsberechtigung ist die, dass ihr Platten auf Lager habt, um sie zu verkaufen. Ich möchte eine bestimmte Platte kaufen. Warum habt ihr die Platte nicht?" Sein Gesicht wird röter und röter, sein Blutdruck steigt, seine Schläfen pochen und auf seinen Lippen bildet sich dicker, weißer Schaum. „Alles, was ich heute verdammt noch mal machen wollte, war Big Black Coat von Junior Boys zu kaufen und jetzt kann ich das nicht. Ich werde das rumerzählen! Das werde ich nicht vergessen. Niemals! Das verspreche ich euch! Gott soll mein Zeuge sein, das verspreche ich euch! Eines Tages werde ich meine Rache haben. Ich werde dich verfolgen! Ja, dich! Nachts, wenn du schläfst, wirst du mich in deinen Träumen sehen. Ich werde da sein. Ich werde immer da sein. Ich da sein—in dir drin, für eine lange Zeit! Warte nur ab. Warte nur ab! Du wirst schon sehen!"

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9. Der Typ, der in einem anderen Plattenladen arbeitet und mit einer ganz komischen Mischung aus Verachtung und Neid begrüßt wird

Andy kann auch nichts dafür, dass er in einem Plattenladen arbeitet, der etwas besser läuft als deiner. Andy kann auch nichts dafür, dass er ein rundum netter Kerl ist, der Musik wirklich liebt und sich auch mit seiner Kundschaft gut versteht. Andy kann auch nichts dafür, dass er mit der Fähigkeit gesegnet wurde, mit anderen Menschen kommunizieren zu können, ohne dass er dabei das Gefühl hat, sein Schädel würde in einem Schraubstock stecken und eine Bowlingkugel in seinem Magen liegen. Andy kann wirklich nichts dafür, dass deine Kunden ihn lieber mögen als dich.

10. Du

Du bist auch nicht besser als der Rest hier. Vergiss das nicht!

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