Clubkultur

So schaffst du es, wie ein guter DJ auszusehen

Du hast absolut keinen Plan, aber würdest gerne so rüberkommen als ob? THUMP ist schon für dich zur Stelle.

von Josh Baines
16 November 2015, 1:43pm

The author in Ibiza, looking like he can actually DJ

Hier ist die Sache am DJing: Es geht alles nur um die Illusion. So auszusehen, als könntest du auflegen, ist wahrscheinlich wichtiger, als wirklich auflegen zu können. Denn was macht ein DJ eigentlich, außer auf ein Paar CD-Playern den Playknopf zu drücken und hier und da mal an einem Regler zu drehen? Nicht wirklich viel, wenn wir wirklich ehrlich sind. Sicher, Tama Sumo oder Prosumer sehen vielleicht richtig beschäftigt aus, aber wahrscheinlich schicken sie nur ihren Kumpels SMS („Publikum wieder mal nur Zombies LOL, Super, wirklich froh, dass ich hier bin LMAO") oder denken an ihre drei Lieblingsszenen von Thelma and Louise.

Die andere Sache am DJing ist die, dass jeder Arsch da draußen mittlerweile behauptet, ein DJ zu sein. Was richtige DJs nervt. Die Unterschiede zwischen diesen beiden Vertretern verschwimmen jedoch immer mehr—bis zu dem Punkt, an dem diese Grenze nur noch eine dreckige Pfütze auf dem Boden des Fabric ist. Deine Mutter ist DJ. Dein Vater legt jeden dritten Mittwoch im Monat in dieser einen Kneipe auf. Dein Opa hat es auf einen XDJ-RX abgesehen. Niemand von ihnen kann wirklich auflegen, aber das ist ihnen egal. Weißt du warum? Weil sie es einfach drauf haben, so auszusehen, als könnten sie es. Und weil das so ist, haben sie ihre Legitimation für den Club erlangt. Das kannst du auch schaffen. Auch du kannst ein DJ werden. So ein richtiger DJ. Ein DJ, den andere DJs als DJ anerkennen und nicht als DJ, von dem jeder im Club weiß, dass er nicht wirklich ein DJ ist, obwohl er sich für einen DJ hält. Und du willst doch DJ sein, oder? Du willst die Anerkennung und den Applaus, den Glitzer, den Glamour, die Freigetränke und Taxigutscheine. Du willst mit der Gewissheit in Clubs aufkreuzen, dass du dort wie ein König behandelt wirst—die 50 Euro Gage in der Tasche, bereit ausgegeben zu werden, für was auch immer du willst. DJ-Kram wahrscheinlich. Oder Koks. Du entscheidest. Denn du bist der DJ.

Die andere Sache mit dem Auflegen ist, dass es eigentlich gar nicht so schwierig ist, so auszusehen, als könntest du auflegen. Erlaube uns, dich aus der Dunkelheit in das Scheinwerferlicht des DJ-Pults zu führen. Halte unsere Hand, dann findest du deine auch bald so am Mixer, als würdest du tatsächlich wissen, wie man das verdammte Ding bedient. Hier ist unsere Anleitung, wie du so aussiehst, als könntest du tatsächlich auflegen.

1. Finde ein DJ-Gesicht und behalt es

Eine der einfachsten Methoden, sich das Leben zur Hölle zu machen, ist, daran zu denken, wie dein Gesicht in Wahrheit aussieht. Nicht, wie es im Spiegel aussieht oder wie es aussieht, wenn du aus Versehen (hihi) die Selfie-Kamera einschaltest (Klassiker!), sondern wie dein Gesicht für die 7 Milliarden anderen Menschen da draußen aussieht, die ein anderes Gesicht haben. Stell dir vor, wie dein Gesicht für die Person aussieht, der du jeden Tag bei der Arbeit gegenüber sitzt. Denk darüber nach, wie jeder Gesichtsausdruck—jedes unterbewusste Grinsen, jeder unbedachte Bewegung der Zunge, jeder Tick, jede noch so kleine Grimasse—für sie aussieht. Sieh dir jetzt das Gesicht deines Gegenübers an. Denk darüber nach, welches Gefühl das bei dir auslöst. Jetzt stell dir vor, wie dein Gegenüber deins anschaut. Denk am besten auch an das Gesicht, das sich deine bessere Hälfte jedes Mal ansehen muss, wenn du unbeholfen versuchst, Liebe mit ihr zu machen—Nacht für Nacht. Stell dir vor, wie es sich anfühlt, dir dein eigenes Gesicht beim Orgasmus anzusehen. Stell dir dein Gesicht vor, wenn du deinen Kopf aus dem Schoß deines Partners nimmst. Stell es dir vor. Stell es dir einfach mal vor.

Du wirst zwar nie wieder eine Erektion haben, aber dieses kleine Gedankenexperiment wird sich beim Auflegen noch als unglaublich nützlich erweisen. Als DJ musst du nämlich darauf vorbereitet sein, dass man dich anschaut. Die Leute werden sich dein Gesicht ansehen—in Clubs tanzt ja niemand mehr. Du wirst als Zirkusattraktion vorgeführt, ganz alleine, auf einer Bühne, in schrecklich hellem Licht. Man wird dich eingehend studieren. Du wirst zum Objekt gemacht. Du wirst nicht mehr sein, als das visuelle Beiwerk einer Partynacht von völlig fremden Menschen. Fang also besser an, dich mit den Gesichtern, die du so machst, anzufreunden. Oh, und wenn du dich jemals dabei erwischst, bei einer Platte zu lächeln, dann pack sofort deine Sachen, verlass den Club, kauf dir von deiner Gage—die du dir wirklich vorher hättest abholen sollen, du Idiot—ein Busticket nach Holland und kehr nie wieder zurück.

2. Dreh an ein paar Reglern

Wenn man sich mal anschaut, in welchem Zustand sich das Bildungssystem momentan befindet, ist es eigentlich keine große Überraschung, dass Leute auf DJ-Schulen gehen, oder? Wenn es keine lohnenswerten Jobs oder bezahlbaren Wohnungen mehr gibt, kannst du auch genauso gut auf eine DJ-Schule gehen und dort lernen, wie du jemand wirst, der immer alles umsonst haben will. Das macht das Leben wesentlich einfacher.

Eine Sache, die sie dir in der DJ-Schule beibringen werden, ist, immer die Hände an den Equalizern zu haben. Ich weiß, ich weiß, das klingt wie ein ausgelutschter Sketch über DJing, den du von einer familienfreundlichen „Comedy"-Sendung im Samstagabendprogramm erwarten würdest, aber das machen DJs anscheinend. Um ein echter DJ zu sein, musst du immer so aussehen, als würdest sehr, sehr heißen Sand anfassen, unter dem aber wertvolle kleine Steine liegen, die du mit nach Hause nehmen willst. Du musst also immer wieder in diesen sehr, sehr heißen Sand reingreifen und dann schnell die Hand zurückziehen, weil der Sand ja sehr, sehr heiß ist. Mach das ununterbrochen während deines Sets. Leg bloß keine Pause ein, sonst weiß jeder im Raum, dass du ein verdammter Schwindler bist. Sieh dir nur diese DJs da oben an, die definitiv echte Sachen mit Platten machen, die auch du machen musst, während du auflegst.

3. Trag ein T-Shirt, das irgendeinen DJ-Bezug hat

Wie wir eben schon gesagt haben: Du musst nicht wirklich wissen, wie man auflegt, um wie ein guter DJ auszusehen. Wenn du zu faul sein solltest, die beiden oberen Punkte zu meistern, dann muss wenigstens der Part mit dem Aussehen perfekt sitzen. Du musst den Anschein erwecken, als würdest du schlicht einfach hinter das Pult gehören—und die einfachste Art, das hinzubekommen, ist alle im Jugendzentrum wissen zu lassen, dass du ein verdammter Musiknerd bist, Techno liebst und darauf auch stolz bist. Am besten zeigst du das der Welt, indem du das, das oder eins von diesen trägst.

Wir wissen schließlich alle, dass T-Shirts immer die Wahrheit sagen. Ich selbst habe eins von diesen „Busen-Freund"-Shirts und, hui, wenn ihr wüsstet, was ich damit schon alles erlebt habe ... Aber schau dir das T-Shirt da oben an. Ich bin definitiv ein Profi!

4. Bestich deine Freunde

Ein guter DJ wird immer eine Horde von Menschen bei sich am Pult haben, weil das zeigt, wie beliebt er ist. Wenn wir in der Schule nämlich eins gelernt haben, dann dass beliebte Menschen gut in dem sind, was sie tun. Sie sind ja schließlich beliebt und wären bestimmt nicht beliebt, wenn sie in dem, was sie tun, scheiße wären. Warum würden Leute jemanden umringen, der nicht gut in dem ist, was er tut? DJs sind quasi Zehntklässler in Supreme-Pullis. Und überhaupt ist diese Schulanalogie total angemessen, treffsicher und stellt mitnichten einen Versuch des Autors dar, seine persönlichen Oberstufentraumata zu verarbeiten, die ihn—vielleicht oder vielleicht auch nicht—noch heute, Jahre später, schweißgebadet aufwachen lassen. Wirklich.

Wie auch immer. Wenn du willst, dass dich die Leute für einen fantastischen DJ halten, dann brauchst du auch eine Crowd, die dich anhimmelt—und die Crowd, die dich wohl am wenigsten anhimmeln wird, sind die Menschen, die dir eh schon widerwillig ihre kostbare Zeit schenken. Solange du nicht einer dieser Franzosen bist, die es irgendwie hinbekommen, perfekt auf dem schmalen Grad zwischen umwerfend gut aussehenden Männermodell und verlottertem Soziopathen zu wandern, solltest du niemals alleine zu einem deiner Sets auftauchen. Würde Jeff Mills etwa ohne seine Entourage irgendwo auflaufen? Nun, vielleicht würde er das tatsächlich. Die Chancen stehen immerhin nicht schlecht, dass Jeff Mills inzwischen in einer Kältekammer lebt und nur noch von Soma ernährt. Aber du hast schon verstanden, was ich eigentlich sagen will.

Wenn nichts hilft: 1000 Musiker die ihre Fans bei Konzerten geschlagen haben (1-9)

5. Immer lächeln (aber niemals richtig lächeln, weil echte DJs nicht lächeln. So auszusehen, als ob man wirklich Spaß hat, ist nämlich die uncoolste Sache überhaupt. Zum Beweis brauchst du dir nur das Bild von der Arschgeige von Autor hier unten anzugucken)

Falscher Track gespielt? War so geplant.
Aus Versehen den CDJ ausgeschaltet? War so geplant.
Bier über dem Mixer ausgekippt und das Gerät ruiniert? War so geplant.
In der letzten Stunde absolut jeden Übergang versaut? War so geplant

Du bist schließlich ein guter DJ. Du siehst immerhin so aus, als könntest du wirklich auflegen, und das ist wirklich alles, was zählt.

Mehr DJ-Tips von Josh gibt es bei Twitter—@bain3z

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