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Herbst

Warum wir im Herbst so verrückt nach Kürbis und Zimt sind

Wieso spielt unser Gehirn in dieser Jahreszeit plötzlich bei allem mit Kürbis, Ingwer, Zimt und Ahornsirup verrückt? Wir haben einige Psychologen angerufen und nachgefragt.

von Jessica Scott-Reid
21 September 2015, 10:00am

Photo via Flickr user roadsidepictures

Wenn sich die Farbe der Blätter verändert, der Wind kühler wird und die Sonne früher untergeht, läuft uns schon nur bei der Erwähnung von Herbstgerichten das Wasser im Mund zusammen, ein bisschen wie beim pawlowschen Hund. Herzhafte Suppen, Wurzelgemüse aus dem Backofen und alle möglichen Sorten Kürbis lassen unser Herz höher schlagen. Aber was genau ist eigentlich der Grund, weshalb jegliches Essen, das nach Ingwer, Ahornsirup oder Nelken schmeckt, so eine Foodie-Hysterie auslöst? Wie kommt es, dass eine Kürbissuppe oder ein Pumpkin Spiced Latte die anstehenden eisigen Temperaturen so viel besser verdauen lässt? Wir haben bei Experten nachgefragt und es sieht so aus, als gäbe es einige ziemlich plausible Erklärungen dafür.

Jordan Gaines Lewis, eine populärwissenschaftliche Autorin und Doktoratsstudentin der Neurowissenschaften am Penn State College of Medicine, sagt, unsere Besessenheit von herbstlichen Nahrungsmitteln sei unsere Art, den bitteren Geschmack der bevorstehenden Kälte ein bisschen erträglicher zu machen. „Der Herbst kann für viele von uns eine bedrückende Jahreszeit sein", sagt sie. „Mit Gerichten wie Kürbis, herzhaften Eintöpfen und geschmortem Gemüse geben wir dem Herbst einen Sinn, genau wie wir Stiefel, Schals, Äpfel und Kürbisschnitzen mit dieser Zeit des Jahres assoziieren. Dem Herbst diesen besonderen Sinn zu geben, macht die Zeit viel angenehmer, während die düsteren Wintermonate immer näher rücken

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Anders gesagt, in Erwartung auf die Wintermonate wollen wir es uns mit herbstlichem Essen und herbstlichen Geschmäckern schön warm und gemütlich machen. „Herbstliches Essen wird mit Wärme in Verbindung gebracht, sowohl was die Aromen angeht—Muskat, Zimt—als auch die Temperatur—Brote, Eintöpfe", sagt Gaines Lewis. „Es ist nicht ganz klar warum, aber wir nehmen dieses ‚warme' Essen als wohlig und behaglich wahr. Es könnte daran liegen, dass es uns körperlich aufwärmt, dass wir es mit Familie, Freunden oder Feiertagen in Verbindung bringen, dass es mehr Fett und Zucker enthält oder, was wahrscheinlicher ist, es handelt sich um eine Kombination dieser drei Faktoren."

Gains Lewis erwähnt auch den Marketingaspekt von herbstlichen Zutaten wir Kürbis oder Zimt, die ein Produkt gleich viel beliebter machen. „Marketingexperten und Psychologen wissen schon seit Jahren, dass wir viel motivierter sind, etwas zu kaufen, wenn wir wissen, dass es bald nicht mehr erhältlich sein wird, wie eine Limited Edition eines Produkts", sagt sie. „Jedes Jahr freuen wir uns auf diese speziellen Herbstaromen, weil sie nur ein paar Monate lang verfügbar sind."

Die fundierteste Theorie hinter unserem Wahn nach Herbstessen ist jedoch seine Verbindung zur Vergangenheit. „Wenn man etwas einen Sinn gibt, entfacht das ein Nostalgiegefühl", sagt Gaines Lewis. Ihre Kollegin Dr. Camille Begin, Autorin und Postdoktoratsstudentin am Centre for Sensory Studies der Concordia University, stimmt ebenfalls zu: „Nostalgie ist der Schlüssel unserer Sehnsucht nach warmem, behaglichem Essen für die Seele, besonders herbstliches." Dieses Essen steht oft in Zusammenhang mit unserer Kindheit, erklärt Dr. Begin, mit „den frühen Erfahrungen, die unseren Geschmack und im Grunde unsere Persönlichkeit geprägt haben". Außerdem ist es kultur- und ortsabhängig.

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Wenn wir noch weiter in die Vergangenheit blicken, an den Ursprung dieser Verbindungen mit bestimmten saisonalen Nahrungsmitteln, weist uns Begin zu einer Zeit, als unsere Vorfahren noch von den Gaben der Natur lebten. „Der Herbst war eine Zeit der Ernte und der Feste, man erntete den Lohn für seine Arbeit über den Frühling und Sommer […] eine Zeit, zu der man all das übrige Obst und Gemüse für den Winter konservieren musste, alles Wurzelgemüse im Keller einlagern, damit es nicht verrottet und ein Schwein oder zwei schlachten und die Nachbarn einladen, damit man alles Fleisch zu Wurst verarbeiten konnte, bevor es schlecht wurde." Voilà—und schon haben wir herbstliches Essen.

Was heute zu einem Klischee geworden ist, hat seinen Ursprung also in einer simplen Überlebensstrategie. Und auch dieses Jahr werden die kalten Tage kommen, ob wir wollen oder nicht. Also macht euch eine Heiße Schokolade mit Zimt und genießt die Jahreszeit wenigstens.