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Restaurants

Wie du gut essen gehen kannst, auch wenn du pleite bist

In tollen Restaurants essen kann echt beschissen sein, was den Kostenfaktor anbelangt. Zum Glück haben wir einige Vorschläge für euch, wie ihr auch in teuren Restaurants durchschlägt, ohne gleich euer gesamtes Wochenbudget aufzubrauchen.

von Dan Biddulph
17 September 2015, 8:07am

Bild via Flickr-User Jenn Durfey

Früher arbeitete ich mal als Koch in Restaurants wie Le Gavroche und The River Cafe, aber heute gehe ich ganz normal essen, wie jeder andere auch. Außer, dass mein Budget ziemlich knapp ist. Das heißt aber nicht, dass ich nicht gut essen gehe. Ich bin immerhin ein erwachsener Mann.

Es klingt vielleicht offensichtlich, aber die Vorstellung, dass man in einem guten Restaurant so viel Geld ausgeben muss wie alle anderen, ist ein Witz. Wenn man um die teuren Gerichte im zweistelligen Bereich—ein Fischgericht um 18 Euro beispielsweise—einen Bogen macht, bekommt man mit 10-Euro-Gerichten wie Salaten oder Gemüse genau die gleiche Expertise. Die Qualität ist wegen des Preises nicht schlechter.

Alle Getränke in Restaurants außer Leitungswasser sind komplett überteuert. Damit kriegen sie dich. Bestelle deshalb Leitungswasser und nichts anderes. Als ich bei Polpo in London arbeitete, wurden die Kellner angewiesen, den Gästen zuerst Leitungswasser anzubieten. Das fand ich nett. In vielen anderen Lokalen wird man jedoch gedrängt, aber lass dir nichts gefallen.

Eine meiner Lieblingsmethoden, um sich es für wenig Geld trotzdem gut gehen zu lassen—ich bin ein Genie—ist, nur einen Gang zu essen. Ich gehe zum Beispiel oft ins St. John, nachdem ich mich mit einem billigen Döner Kebab satt gegessen habe und schlemme dekadente Madeleines. In New York könnte man im West Village ein billiges Bier trinken und Falafel essen und danach in die Bar des Four Seasons gehen und das Fromage blanc-Panna Cotta mit Pflaumensüppchen wie ein König schlemmen. Vertraut mir, es fühlt sich gut an.

Und wenn du wirklich in Etablissements wie The Ritz gehst, dann tu mir einen Gefallen und verbring eine Weile in den Toiletten. Die Toiletten sind nämlich wie kleine Paläste. Ich habe angefangen, in Restaurants wie The Zedel in London zu gehen, nur um die Toiletten zu benutzen und mich sieben Minuten zu entspannen. Ich atme durch, ziehe meine Brille aus, lasse heißes Wasser laufen, verwende die Handtücher und denke über mein Leben nach.

Mit derselben Leichtigkeit solltest du dich durch die Speisekarte navigieren. Versuch einfach mal, Überschriften wie „Vorspeisen", „Hauptspeisen" und „Desserts" in deinem Gehirn mit nützlicheren Wörtern wie „billig", „vergiss es" und „nein, danke" zu ersetzen. Ich bin schon oft mit Leuten essen gegangen, die nur ein paar Vorspeisen bestellt haben. Ein Koch kann nicht einfach aus der Küche kommen und dir vorschreiben, wie du von der Karte bestellen sollst. Es geht darum, dass der Gast das Essen genießt und du kannst die Gerichte in beliebiger Reihenfolge und Menge bestellen.

Alle kreativen Köche wollen heutzutage Degustationsmenüs anbieten. Auf den ersten Blick fällt einem beim Anblick des Preises der Bart aus, ein Haar nach dem anderen, aber die jüngste Welle von streng saisonalen, zwanglosen Restaurants bereiten wundervolle Gerichte aus tollen Zutaten zu. The Clove Club in London hat ein Menü für 55 Pfund [75 Euro], im Contra in New York und im Alma in L.A. kostet es 55 Dollar [48 Euro]. Vergesst Restaurants wie Per Se—das Menü kostet dort 295 Dollar [260 Euro]—oder Restaurant Gordon Ramsay—wo man für das Menu Prestige 135 Pfund [185 ] hinlegt—und geht dort essen, wo es michelinwürdige Küche gibt ohne das ganze aufgeblasene Drumherum.

Restaurants mit kleinen Gerichten sollten mit Vorsicht genossen werden, das sind nämlich die größten Hochstapler da draußen. Du denkst dir, Toll, so viele Gerichte unter 10 Euro, ich bestelle also so viele, wie ich mag. Nein. Wirst du nicht. Wenn du wirklich Hunger hast, solltest du dich für die sättigenden Speisen (Linsen, Kartoffeln, Fleisch) entscheiden—und beten, dass du satt wirst.

Wenn du jemanden zum Essen ausführen musst—wie beispielsweise dein leidgeprüfter Partner, der genug davon hat, dass du dich schon das vierte Mal diese Woche über deine billigen Spaghetti aglio e olio beschwerst—, dann nimm das Mittagsmenü zum Fixpreis. Die meisten tollen Restaurants bieten eines an und sogar wenn man richtig wenig verdient, sollte der Preis im Rahmen des Möglichen liegen. Eine der besten Mahlzeiten, die ich in London gegessen habe, war im The Square, wo ich ein Mittagsmenü um 25 Pfund [34 Euro] mit zwei Gängen bestellte und unter anderem Austern auf drei verschiedene Arten—Tempura, asiatisch und noch etwas—bekam. Denk dran: Es sind die gleichen Köche, die kochen. Man bekommt nichts Schlechteres, nur weil man zum Mittag- und nicht zum Abendessen dort ist.

Wenn man sich dem Ende der Mahlzeit nähert, sollte man sich Gedanken über das Trinkgeld machen. Wir wissen alle, dass sich die Trinkgeldkonventionen von Kultur zu Kultur unterscheiden—Trinkgeld zu geben, kann genauso schlimm sein, wie keines zu geben. Aber die Sache ist die: Wenn die Kellner Fehler machen, ist es auch in Ordnung, diskret am Ende darauf hinzuweisen. Erläutere freundlich, wieso du weniger Trinkgeld gibst, weil das dein Erlebnis mit dem Service widerspiegelt. Wie Köche gerne zu sagen pflegen, Du bist nur so gut wie dein nächstes Gericht. Das Erlebnis des Gastes in einem Restaurant geht über das Essen hinaus und dafür sind auch die Kellner verantwortlich. Aber denk auch dran, Leute verdienen damit ihren Lebensunterhalt, also sei kein Arschloch.

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