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Poker-Community

Veganer sind die besseren Pokerspieler

Nachdem ich in den späten 90er-Jahren als jüngster Spieler der Geschichte die World Series of Poker gewann, war mein Kontostand zwar gesund, mein Körper aber weniger. Ich wusste, dass sich etwas ändern musste.

von Daniel Negreanu
06 Mai 2015, 8:13am

Foto von Images Money via Flickr

Daniel Negreanu hat sechs World Series of Poker-Bracelets gewonnen, zwei Mal bei der European Poker Tour die Nase vorn gehabt und hat einen Platz in der Poker Hall of Fame. Seit er die World Series of Poker im Alter von 23 Jahren für sich entscheiden konnte, ist er als „Kid Poker" bekannt. Er nahm an der Reality-Dating-Show Millionaire Matchmaker teil und hatte einen Kurzauftritt in Katy Perrys Video zu „Waking Up in Vegas". Er gilt als einer der besten Pokerspieler des letzten Jahrzehnts, seine Realität ist aber weit entfernt vom Stereotypen des burgeressenden und biertrinkenden Profis-Zockers. Seit neun Jahren ernährt er sich vegan und derzeit arbeitet er gemeinsam mit James Cameron an einer Dokumentation, mit der der Vorstellung, dass echte Männer Fleisch essen, endliche Abhilfe geschafft werden soll.

Meine Eltern taten ihr Bestes, um mir eine gesunde und bewusste Ernährungsweise mit auf den Weg zu geben. In der Schule gingen alle meine Freunde mittags zu McDonalds, während ich ein Lunchpaket, das meine Mutter zubereitet hatte, essen musste. Damals fand ich es furchtbar, heute bin ich aber froh darüber.

Mit 21 brach ich die Schule ab, um Poker zu spielen. Ich zog von Toronto nach Las Vegas und versuchte dort mein Glück als Profi. Ich ernährte mich genauso fleischlastig wie die meisten anderen Pokerspieler in den 90ern: Burger und Steak mit Pommes frites, Kartoffelpüree und Unmengen Wein, Bier und Wodka. Nichts, das ich aß, war frisch oder gesund und ich fühlte mich schrecklich.

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Obwohl meine Ernährung nicht gerade förderlich für meine Gehirnleistung war (oder vielleicht weil sich alle anderen genau gleich mies ernährten), gewann ich 1998 die World Series of Poker. Ich war der jüngste Sieger der Geschichte.

Mein Kontostand war zwar gesund, mein Körper aber weniger. Ich wusste, dass sich etwas ändern musste. Ich wollte die Schuld nicht auf den Alkohol schieben, also beschloss ich, dass das viele Fleisch der Grund ist, warum ich mich nicht gut fühle. 2000 wurde ich zum Vegetarier. Die anderen Pokerspieler machten sich über mich lustig. Es gab diese weit verbreitete Meinung, dass echte Männer Fleisch essen und jede Stunde stapelten sich Teller mit haufenweise toten Tieren um den Pokertisch.

Anfangs fühlte ich mich nicht viel gesünder. Ich hatte keine Ahnung, was ich essen sollte und damals gab es auf den Speisekarten nicht besonders viele Optionen für Vegetarier, besonders bei Pokerturnieren. Ich ernährte mich deshalb von Käsepizza, also war meine Ernährung genau gleich beschissen wie vorher. Ich aß immer noch keine frischen Produkte oder sonst irgendetwas Nährstoffreiches, nur verzichtete ich eben auf Fleisch.

2006 beschloss ich dann, mich komplett vegan zu ernähren und ich begann, die gesunde Ernährung ernst zu nehmen. Mir war klar, dass Milchprodukte nicht gut für mich sind. Abgesehen davon musste ich erst einmal nachlesen. Ich studiere quasi Ernährung, lese viel online und hole mir Tipps von der veganen Lifestyle-Website Raw Till 4. Ich unterhalte mich auch mit [dem professionellen Pokerspieler und Paleo-Verfechter] Fabian Quoss, was oft für interessante Konversationen am Pokertisch sorgt. Ich lerne viel von ihm und er auch von mir.

Als ich Vegetarier wurde, machten sich die anderen Pokerspieler über mich lustig. Es gab diese weit verbreitete Meinung, dass echte Männer Fleisch essen und jede Stunde stapelten sich Teller mit haufenweise toten Tieren um den Pokertisch.

Mittlerweile weiß ich, was ich essen sollte. Jetzt geht es nur noch darum, es auch zu bekommen. Zu Hause in Vegas ist es leicht. Ich habe zwei Assistentinnen, die gesunde, vegane Mahlzeiten für mich zubereiten. Sie stellen Nusskäse aus Cashewkernen oder Cracker aus Leinsamen und Kürbiskernen für mich her.

Wenn ich auf Turnieren unterwegs bin, wird es schwieriger. Ich muss vorbereitet sein, weil einige Orte in Europa nicht besonders veganerfreundlich sind und wenn ich nichts esse, werde ich zornig. Also nehme ich Proteinriegel und Snacks von Go Raw wie Schokoladencookies aus Kokosnuss, Datteln, Sesam und Kakao mit—alles ist bio. Manchmal esse ich auch Cracker von Go Raw, die wie Pizza schmecken, aber nur aus Bio-Samen und Tomaten bestehen.

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Ich habe oft auch Kokoswasser, Mandelmilch, Chia-Samen, die viel Omega enthalten, und rosa Himalayasalz, das viele Mineralstoffe und weniger Natrium als normales Salz enthält, dabei. Meinen Blender packe ich auch immer ein und der erste Stopp in einer neuen Stadt ist immer der Supermarkt, wo ich frisches Obst und Gemüse kaufe. Dann bereite ich in meinem Hotelzimmer mein Essen zu und nehme es in Kühltaschen mit zu den Turnieren.

Mittlerweile nehmen die anderen Spieler meinen Lebensstil viel besser an, sie akzeptieren, dass ich Veganer bin. Früher haben sie über mich gelacht, jetzt wollen sie es alle selbst ausprobieren. Kürzlich ließ ich 12 Taschen voller Essen vom veganen asiatischen Restaurant Loving Hut ins Casino liefern. Ich verteilte das Essen an den Pokertischen und alle waren begeistert.

Die Pokerszene hat sich verändert. Früher waren alle prominenten Spieler übergewichtig, heute sind sie fit. Statt Männerbrüste haben sie jetzt Muckis. Pokerspieler sind heute gebildete Leute, sie sind clever, sie lesen viel und es liegt ihnen etwas an ihrer Gesundheit.

Ich habe jetzt nicht mehr den gleichen Heißhunger auf bestimmte Dinge wie vorher, ich brauche keine Süßigkeiten mehr.

Wir entwickeln uns weiter und einige der Hotels, in denen wir schlafen, haben einiges aufzuholen. Kürzlich bat ich auf einer Reise um einen Kühlschrank in meinem Zimmer, aber das Hotel lehnte ab, weil sie nicht wollten, dass ich mein eigenes Essen mitbringe. Sie sagten, sie würden für meine Verpflegung sorgen, also stimmte ich zu und gab ihnen eine Liste, aber sie hatten nichts davon. Am Ende holte ich mir einem Eimer mit Eis, legte es ins Waschbecken und bewahrte dort mein eigenes Essen auf.

Ich ernähre mich heute besser als je zuvor und obwohl ich ursprünglich ausschließlich aus Gesundheitsgründen beschloss, Veganer zu werden, geht es mir mittlerweile auch um die Umwelt und um Tiermisshandlung. Die Bedingungen, unter denen Tiere gehalten werden, sind grauenhaft. Ihnen werden Steroide verfüttert und Hühnern wird der Schnabel abgeschnitten. Am Ende landet das kranke Fleisch auf unseren Tellern.

Bisher habe ich mich als Veganer von vielen glutenhaltigen Produkten ernährt, aber seit ich letzten November bei einem Facharzt für Lebensmittelallergien war, esse ich keine industriell verarbeiteten Produkte mehr. Ich ernähre mich heute komplett glutenfrei. Bier und Popcorn mag ich eigentlich sehr gerne, aber ich verzichte darauf. Ich wollte meinen Körper so umstellen, dass ich nicht mehr Zucker, sondern Fett verbrenne. Ich habe jetzt nicht mehr den gleichen Heißhunger auf bestimmte Dinge wie vorher, ich brauche keine Süßigkeiten mehr. Wenn ich mich für eine allerletzte Mahlzeit entscheiden müsste, dann wäre es Pommes, Falafel und Hummus.

Aufgezeichnet von Samantha Rea.