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Tech-Tipps für den 1. Mai: Wie ihr demonstriert, ohne ausspioniert zu werden

Wir haben einen Datenexperten gefragt, wie man auch beim öffentlichen Protest seine Smartphones und Geräte vor Überwachung schützt.

von Joseph Cox
28 April 2017, 10:16am

1. Mai Demonstration 2015 in Berlin Kreuzberg | Bild: imago

Es gibt viele gute Gründe, für seine Überzeugungen auf die Straße zu gehen. Doch auch, wenn du deine Meinung öffentlich kundtust, solltest du darauf achten, nicht ungewollt mehr von dir preis zu geben, als dir lieb ist. Wir haben mit Hilfe des Sicherheitsexperten Matthew Mitchell ein paar Tipps zusammengestellt, wie du deine Daten bei Großveranstaltungen schützen kannst.

Nimm ein bereinigtes Telefon mit ...

Auch wenn die Polizei in Deutschland bei Demonstrationen keine IMSI-Catcher einsetzen darf, um den Datenverkehr zu überwachen, kann es ratsam sein, sich für Demos ein neues bzw. bereinigtes Handy zuzulegen. So kann es keine privaten Informationen über dich preisgeben, falls es beschlagnahmt oder gestohlen wird.

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Am besten erstellst du dir mit dem neu aufgesetzten Telefon über ein öffentliches WLAN gleich einen Gmail-Account und lädst dir eine verschlüsselte Nachrichten-App wie WhatsApp oder Signal herunter (mehr zu diesen Apps weiter unten).

… oder lass dein Telefon gleich zu Hause

Wem das zu kompliziert oder zu kostspielig ist, hat eine denkbar einfache Alternative: Bring einfach gar kein Telefon zur Demo mit.

Natürlich erfordert diese simple Form des Datenschutzes ein wenig mehr Organisationstalent, um sich trotzdem mit Freunden in der Menschenmenge zusammenzufinden. Du solltest abwägen, wie gefährdet du tatsächlich bist, um einen guten Kompromiss zwischen Sicherheit und Komfort zu finden. Wenn du ohne Telefon losgehst, machst du am besten mit deinen Freunden gleich mehrere mögliche Treffpunkte aus, falls die Demonstration aufgelöst oder umgeleitet wird und ihr euch aus den Augen verliert. Denk immer daran: Die 68er haben das auch irgendwie ohne Smartphones geschafft!

Verschlüssele dein Smartphone

Falls du einfach dein normales Android-Smartphone benutzen möchtest, solltest du es am besten verschlüsseln und es so weit wie möglich von überflüssigen Informationen bereinigen. Bei einem Apple-iPhone solltest du einen Passcode wählen, der sechs Zeichen lang ist, und einstellen, dass sich der Inhalt nach zehn Eingabe-Fehlversuchen von selbst löscht.

Verschick Nachrichten über folgende Chat-Apps

Die verschlüsselte Nachrichten-App Signal hat kürzlich eine Timer-Funktion eingeführt, die Nachrichten nach einer vorher festgelegten Zeitspanne wieder löscht. Wenn du also nicht möchtest, dass jemand deinen Chat-Verlauf liest, falls er dein Telefon in die Hände bekommt, kannst du diese Funktion einfach aktivieren. Außerdem kann man bei Signal und WhatsApp den kryptographischen Fingerabdruck seines Gesprächspartners über Sicherheitscodes verifizieren.

Leg dir ein neues Social-Media-Konto zu

„Du könntest in Medienberichten auftauchen, aber eben auch in Livestreams oder auf Twitter", gibt der Sicherheitsexperte Mitchell zu bedenken. Das sollte dir bewusst sein, wenn du nicht möchtest, dass jeder weiß, auf welcher Demo du irgendwann mal mitgelaufen bist – denn bekanntlich vergisst das Internet nichts.

Wenn du trotzdem Posts oder Fotos aus der Mitte des Geschehens teilen möchtest, könntest du dir zu diesem Zweck einen neuen Social-Media-Account einrichten. Dann ist es im Nachhinein schwieriger, deine Beiträge mit deinem Klarnamen in Verbindung zu bringen.

Stell die Standortbestimmung aus

Wenn du Bilder oder Updates auf sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter teilen möchtest, ohne der Welt deinen genauen Standort zu verraten, solltest du die Standortbestimmung bei diesen Apps ausstellen (das geht sowohl bei Android als auch beim iPhone). Du solltest außerdem überprüfen, ob du nicht unabsichtlich deinen Aufenthaltsort über die Twitter-Metadaten oder Fotos mit GPS-Tag mitteilst.

Dieser Artikel ist ursprünglich anlässlich des Women's March im Januar 2017 erschienen. Wir haben ihn für den 1. Mail gekürzt und angepasst. Das vollständige Original findet ihr hier .