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Die Gründe, die zum verstörenden Durant-Wechsel führten

Durantula will endlich Titel sammeln und geht darum zu den Warriors. Ohne LeBrons Meisterleistung in den Finals und ein Vertragsdetail 2010 wäre das kaum möglich gewesen.

von Sean Newell
05 Juli 2016, 10:40am

Kevin Durant verkündete gestern, dass er Oklahoma City Thunder den Rücken kehrt und sich den Golden State Warriors anschließt. Eine Nachricht, die wie eine Bombe in der NBA eingeschlagen hat. Der letzte MVP vor Steph Curry schließt sich also Curry und einem eh schon mit Topspielern gespickten Team an—ein Team, das schon letztes Jahr mit 73 Saisonsiegen einen neuen Rekord aufgestellt hat. Ein Transfer, der wohl niemals zustande gekommen wäre, wenn mehrere Sachen anders gelaufen wären.

Oklahoma City und Golden State standen sich in diesem Jahr im Finale der Western Conference gegenüber. Wie wir alle wissen, gingen die Thunder völlig überraschend mit 3:1 in Führung. Doch dann gewann Golden State die nächsten vier Spiele und konnte den Rückstand noch umbiegen—ein Kunststück, das zuvor nur neun Mannschaften in der NBA-Geschichte geglückt war. Bis Spiel 5 sah es also für Durant so aus, als bekäme er im Finale eine Revanche gegen LeBron für die Endspielpleite 2012. Doch plötzlich war die Chance weg. Es ist unwahrscheinlich, dass Durant OKC verlassen hätte, wenn man auf dem Weg ins Finale das beste Regular-Season-Team der Geschichte ausgeschaltet hätte. Unabhängig davon, wie das Finale gegen Cleveland ausgegangen wäre.

Im Finale dann sah Durant, wie die Warriors mit 3:1 in Führung gingen. Bis er vom Fernseher aus miterleben musste, wie LeBron und seine Cavs das mit den Warriors anstellten, was Letztere mit OKC gemacht hatten. Hätten die Warriors nicht etwas geschafft, was zuvor nur neun Teams gelungen war, und hätten die Cavaliers keine drei Wochen später etwas geschafft, was zuvor noch nie einem Team gelungen war, dann wäre Durant wohl nie gegangen. Und erst recht nicht zu den Warriors.

Die letzten Highlights von Durantula im Dress von OKC.

Die historische Pleite brachte die Warriors dazu, sich intensiv um Durant zu bemühen. Wären sie jetzt zum zweiten Mal in Folge amtierender NBA-Champion, hätten sie wohl die Finger von Durant gelassen und weiter auf den Kern ihrer historischen 73-Siege-Mannschaft vertraut. Es war seine ebenso historische Pleite, die Durant Wechselgedanken in den Kopf setzte: Wollte er sein Talent endlich in Ringe ummünzen, müsste er wohl die Mannschaft wechseln. Und warum dann nicht gleich auf einen Zug aufspringen, der trotz der Pleite gegen die Cavs das Potential hat, eine Championship-Dynastie anzusteuern? Doch sein Wechsel kam in der NBA-Welt nicht wirklich gut an. Er wurde dafür kritisiert, „schwach" zu sein und „nicht das Richtige gemacht" zu haben. Er kann sich noch glücklich schätzen, dass die Warriors nicht Meister wurden, sonst wäre der Shitstorm noch größer ausgefallen. So kann er sich und den anderen weismachen, dass er der historische Game Changer für ein Team sein wird, das sich anschickt, die NBA für die nächsten Jahre zu dominieren und sich mit den Cavs und LeBron epische Duelle zu liefern.

Bevor wir jetzt aber alle unser Mitleid gegenüber OKC ausschütten, sollten wir eine Sache nicht vergessen. Oklahoma City ist im Grunde ein geklautes Team. Durant wurde 2007 von den Seattle Supersonics gedraftet und spielte seine Rookie-Saison auch noch in Seattle. Dann aber kaufte Clay Bennett das Team und zog mit der Franchise nach Oklahoma City, weil Seattle ihm keine neue Arena bauen wollte. Einer so neuen Basketball-Community—die zwar das Team mit offenen Armen aufgenommen hat, aber eben auch direkt vom Verlust einer bewährten Basketballstadt profitiert hat—kauft man die Opferrolle nicht so gut ab wie beispielsweise 2010 Cleveland, als sich LeBron „sein Talent" nach South Beach zu den Miami Heat brachte.

Das Durant-Beben ereignete sich vor dem Hintergrund von unfassbarem Wohlstand in der NBA, denn 2016 markiert den Anfang eines Neun-Jahre-TV-Deals mit ESPN und Turner Sports im Wert von 24 Milliarden Dollar. NBA-Spieler, von denen man noch nie was gehört hat, unterschreiben als Free Agents abenteuerlich hoch dotierte Verträge, weil der neue Deal den Salary Cap gesprengt hat. Jetzt, wo die Teams so viel mehr Spielraum haben, können sie Topspieler sammeln wie noch nie zuvor. Und Golden State kann davon besonders profitieren. Das liegt vor allem daran, dass Steph Curry erst in den letzten zwei Jahren zum Superstar aufgestiegen ist und noch einen Vertrag hat, der ihm im kommenden Jahr nur 12 Millionen Dollar einbringen wird. Auch sein Splash-Brother Klay Thompson wird nur knapp 17 Millionen Dollar verdienen. Kevin Durants Fünfjahresvertrag bei den Thunder endete mit der Conference-Finals-Pleite gegen Golden State, der perfekte Zeitpunkt also, gleich dazubleiben.

Doch Spaß beiseite. Einen interessanten Aspekt hinter dem Durant-Wechsel gibt es noch. Durant beschloss 2010 bei seiner Vertragsunterzeichnung, auf eine Opt-out-Option nach dem vierten Jahr seines Fünfjahresvertrages zu verzichten. Hätte Durant das Opt-out-Recht erhalten, wäre er schon im letzten Jahr Free Agent geworden. Vielleicht hätte er einen Einjahresvertrag bei den Thunder unterschrieben, wohl wissend, dass die Salary Cap durch den neuen Deal gesprengt werden würde. Vielleicht hätte er sich aber auch länger an OKC gebunden und wäre jetzt kein Warrior. Es ist nur eine weitere Variable bei diesem What-if-Spiel. Aber mal ehrlich, wer hätte einen solchen Wechsel vor Montag für möglich gehalten?

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