Von Soul, Funk und House über abwechslungsreiche UK-Experimente bis hin zu Dub Techno—mit unserer Serie „Mixes of the World” streifen wir nicht nur geographisch umher, auch was die musikalische Vielfalt angeht, wollen wir uns nicht einschränken lassen. Da passt es vorzüglich, dass wir für die vierte Ausgabe von Warschau nach Athen springen. Dort saugte Mr. Statik nicht nur für mehr als 20 Jahre die elektronische Musik auf, auch der gebürtige Grieche will sich nicht nur auf eine musikalische Richtung festlegen und konserviert seine Vielseitigkeit anhand mehrerer Projekte. Obwohl der passionierte Film-Nerd seit nunmehr einem Jahr in Berlin lebt, sind die Brücken nach Athen niemals abgebrochen. Als helfende Hand unterstützt er die Six D.O.G.S—eine Art Multispace und ideenreicher Kreativhort zwischen Bar, Club und Konzert-Location. Mit seinem Mix offeriert Mr. Statik nicht nur sein originelles Faible für hypnotische und unheimliche Sounds, selbst David Lynchs Kultserie Twin Peaks spielt eine wichtige Rolle. 75 Minuten, in denen die Grenze zwischen Realität und Fiktion wohlweislich aufgelöst wird.
thump: Stell Dich doch bitte kurz vor!
Mr. Statik: Kalimera! Mein Name ist Stathis Kalatzis und ich komme ursprünglich aus Volos, einer kleinen Stadt zwischen Athen und Thessaloniki. In beiden Städten machte ich Anfang der 90er-Jahre meine ersten Clubkultur-Erfahrungen, die durch meinen Umzug nach Athen für ein Studium der Politikwissenschaft nur noch vergrößert wurden. 2003 bekam ich die Chance bei der Red Bull Music Academy in Kapstadt teilzunehmen—eine Erfahrung, die meine Augen für die wundervolle Welt der Musikproduktion geöffnet hat und die Grenzen für meine langsam wachsenden Auslands-Gigs war. Ein Jahrzehnt später und im Alter von 35 Jahren bin ich 2013 dann nach Berlin gezogen, um selbst Teil des RBMA-Teams zu werden. Parallel bin ich aber weiterhin bei der multi-kreativen Location Six D.O.G.S als Resident aktiv und helfe auch bei internationalen Bookings und dem bevorstehenden Label mit.
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Du veröffentlichst unter diversen Alter Egos. Warum hast du dich dazu entschieden die Projekte voneinander zu trennen und was ist vielleicht ihr verbindendes Element?
Das ist wahr, am Anfang war es Mud Max—ein Projekt mit meinem Landsmann Motek, der übrigens mein Tutor war in Sachen Produktion. Außerdem gibt es noch mein Solo-Projekte Mr. Statik und The Magnecian, das meine grobe, drückende Techno-Seite darstellt. Und natürlich noch Steampunk’d, das gemeinsame Projekt mit meinem Kumpel Lee Burton, das gerade sukzessive entsteht. In meinen DJ-Sets finde ich es nicht herausfordernd genug mich lediglich auf ein Genre zu fokussieren, ich bevorzuge mehrere musikalische Seiten zu erkunden. Der Leim, der alle Projekte zusammenhält, ist auf jeden Fall meine Faszination für tiefe Frequenzen, der Versuch ein wenig Drama auf den Dancefloor zu bringen und massig Film-Referenzen.
Seit wann stehst du auf elektronische Musik? Gab es ein Aha-Erlebnis oder einen Moment, wo dir klar war, dass du tiefer in dieser Welt eindringen willst?
Anfang der Neunziger bin ich in meiner Heimat das erste Mal mit elektronischer Musik in Berührung gekommen. Ich hatte damals zwei Freunde, die einen Piratensender betrieben haben, sie haben immer diese frühen Breakbeat/Jungle-Platten aus UK gehabt und mir auch Mixtapes gegeben. Ich war süchtig nach der Frische dieser Rhythmen und dem ästhetischen Design, da war eine vollkommen neue Welt, die ich erkunden musste. In Athen konnte ich all das auf einem größeren, wilderen Level erfahren und schnell entschied ich mich, aus einer eher naiven Perspektive, den Versuch zu wagen. Wenn du in der Lage bist, die Dinge in deinem Kopf in ein DJ-Set zu überführen und siehst, dass die Leute das würdigen, wirst du einfach süchtig nach mehr.

Das ist natürlich nicht so einfach zu beantworten, aber wie würdest du die aktuelle Szene in Griechenland beschreiben?
Die Clubkultur in Griechenland hat sich stark verändert. Nach dem ersten Boom, dem anschließenden Aufschwung und der Kommerzialisierung kam eine Phase, die alles zum Stoppen brachte. Das hat definitiv geholfen die Szene zu entrümpeln und einen gesunden Neustart zu ermöglichen – mit mehr engagierten Kreativköpfen, die auch an der Willensbildung beteiligt wurden. Bei uns gibt es dieses Sprichwort, dass wenn du dein Zuhause nicht lobpreist, es über dich zusammenstürzen wird, aber ich glaube wirklich aufrichtig daran, dass das Six D.O.G.S in den letzten fünf Jahren den neuen Weg maßgeblich pflasterte. Die Eigentümer haben eine Vision im Kopf und haben den schwierigeren Pfad eingeschlagen, etwa was Bookings angeht – so ist der Club zu einer Heimat für viele aufsteigende DJs, Produzenten und Gemeinschaften geworden. Es ist interessant das musikalische Angebot in Athen zu erkunden – mehr Locations haben nun diesen ähnlichen Ansatz, multi-künstlerische Allianzen sind entstanden, konzeptuelle One-Off-Events gibt es häufiger als jemals zuvor, und es gibt eine Welle von diversen Künstlern und Labeln, die sich bereits über die Grenze hinweg ausweiten.
Wo und wie hast du den Mix aufgenommen?
An einem Sonntag zu Hause—Vinyl only. Ich hoffe Euch stört die vereinzelt schludrige Pitch-Regulierung nicht, aber meine Babys sind auch schon alt genug, um in die Highschool zu gehen.
Gibt es eine spezielle Idee hinter dem Mix oder zur Trackauswahl?
Es ging mir um die Übertragung einer bestimmten Stimmung, die ich derzeit mehr und mehr genieße—ein hypnotischer, leicht surrealer Mix aus alten Klassikern, einigen Platten, die niemals meine Tasche verlassen und neuem Material, das den beschriebenen Vibe reflektiert. In den letzten Wochen habe ich zusammen mit meiner Freundin schon zum wiederholten Mal die Serie Twin Peaks verschlingen—so there you go.
Woran arbeitest du gerade?
Derzeit genieße ich es, dass mein Heimstudio gerade von meinen Freunden Christopher Hreno and Kenneth Scott arrangiert wird—kann die beiden nur sehr empfehlen. Außerdem sichte ich gerade das ganze Material, das ich im letzten Jahr produziert habe und nach einem letzten Feinschliff habe ich eine neue EP als Mr. Statik, Material für mein Debütalbum, eine neue EP als The Magnecian und die erste von vielen weiteren Kollaborationsprojekten mit meinem griechischen Kollegen Felizol.
Tracklist:
The Persuader – B2 (Templar)
Cassy – Toyah (Cassy)
Reade Truth – Another Dilemma (Planet E)
Daniel Jacques – Emotion Devotion (Mistress)
Trus’Me – Hindisight (Marcelus ‘Friction remix) (Prime Numbers)
Prince of Denmark – Nymphonic (Forum)
Jackmate – Scattered Brains (Phil E)
Ricardo Villalobos – Two kids set off (Perlon)
Oliver Kapp – Tomorrow People (John Thomas remix) (Logistic)
Kenny Larkin – Globb (Ben Klock Remix 1) (Planet E)
Cosmin TRG – Repetitiv (Fizic)
Fever Ray – Seven (Marcel Dettmann’s Voice in my head) (Rabid)
Jorge Zamacona – Effort #3 (Mosaic Split Series)
Claro Intelecto – Signifier (Delsin)
Minimal Man – Six of one (Perlon)
Desert Sky – B1 (Desert Sky)
Jichael Mackson – Snuff (Musique Risquee)
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