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Diese Leute kaufen bei eBay für Tausende Euro ‚besessene Puppen’

Es gibt eine ganze Subkultur, die sich für horrend teure und besessene Puppen interessiert.

von Jak Hutchcraft
12 März 2015, 5:42am

„Tommy" (links), ein K-II-Messgerät und eine namenlose Puppe

„Meistens wird eine Puppe besessen, weil da jemand noch etwas zu erledigen hatte", sagte Jayne Harris, paranormale Ermittlerin und Verkäuferin von Spukpuppen. „Es konnte auch Angst vor dem Übertritt ins Jenseits sein, oder es gibt jemanden auf der anderen Seite, mit dem die Geister nicht wieder in Kontakt treten wollen."

Ich war auf eBay unter „Sonstige" auf „besessene Puppen" gestoßen. Zwischen den gebrauchten Vaporizer-Stiften und handgebauten Keuschheitsapparaturen für Männer sah ich eine Anzeige für „fies pervers besessene Puppe", wobei die Beschreibung warnte, dieses unschuldige, rotschopfige Kinderspielzeug sei nur für „erfahrene, erwachsene Sammler". Am Ende ging die Puppe für etwas mehr als 1.000 Pfund weg.

Neugier ist der Antrieb des Internets—sie ist es, die uns um 3 Uhr nachts auf eine Wikipedia-Odyssee schickt, oder uns dazu verleitet, viel zu viel Zeit auf Videos vom Pickelausdrücken zu verwenden. Genau diese Neugier überkam mich, als ich diese digitale Subkultur entdeckte. Wer waren diese Menschen, die billige Plastikpuppen für mehrere tausend Pfund ins Netz stellten? Wer waren die Leute, die diese Preise auch noch bezahlten? Und glaubten sie wirklich daran, dass die Puppen von „sexuell sadistischen" Dämonen besessen waren?

Etwas Recherche förderte zutage, dass der Verkauf von Geister-Objekten im Internet angestiegen ist, seit 2004 auf eBay ein Weinschrank verkauft wurde, in dem es angeblich spukte. Die Kiste soll von einem Dibbuk besessen sein—einem bösartigen Geist der jüdischen Mythologie, der sich menschlicher Körper bemächtigt—und erhielt den höchst originellen Namen „ the Dybbuk Box". Der Gegenstand wurde bereits mehrmals bei Online-Auktionen gekauft und verkauft und die online dokumentierten Erfahrungen seiner Besitzer dienten als Inspiration für den Horrofilm Possession — Das Dunkle in dir von 2012, bei dem Sam Raimi Regie führte.

Dieser vielbeachtete Weinschrank zog eine Fülle angeblich besessener Gegenstände nach sich. Plötzlich wollten viele Online-Verkäufer die zig satanischen Puppen loswerden, die sie praktischerweise in ihren Garagen gelagert hatten, manche für 30 Pfund, andere für 300. Doch in diesem Goldrausch musste es auch ein paar unehrliche Elemente geben, dachte ich: Wenn sich 500-prozentige Profite machen lassen, indem man Fremde mit einem beschissenen Billigspielzeug abzockt, dann schreiben die Regeln des Kapitalismus es vor, dass ein optimistischer Wagehals es auch tun wird.

Die eBay-Anzeige, auf die der Autor stieß

Um mehr herauszufinden, unterhielt ich mich mit Nancy Oyola, einer Online-Verkäuferin aus New Jersey, die eine ganze Reihe Spukpuppen auf ihrer Etsy-Seite anbot. Sie erzählte mir, sie habe 300 davon aus dem Nachlass ihrer Großmutter und schwor mir, sie habe mit fast allen davon paranormale Erlebnisse gehabt.

Ich fragte, warum sie sich entschieden habe, sie zu verkaufen. „Die Menschen sind fasziniert von ihnen", sagte sie mir. „Viele Leute, die mit schwarzer oder weißer Magie arbeiten, brauchen einen bestimmten Geist, der ihnen mit ihren Zaubersprüchen und Ritualen hilft, und ich kann da helfen."

Nancy fügte hinzu, sie rate Käufern immer dazu, vor dem Kauf von Spuk-Gegenständen die Verkäuferbewertungen zu überprüfen. Ich befolgte ihren Rat sofort und sah nach, was für Nachrichten ihre Käufer hinterlassen hatten. Trotz meiner anfänglichen Skepsis schien mir ihr Geschäft seriös: Die Käufer waren sehr zufrieden und fast alle bestätigten die übernatürlichen Eigenschaften der Puppen.

Käufer-Feedback, zusammen mit einer gruseligen Hintergrundgeschichte, sind die einzigen Garantien, die ein Verkäufer wirklich anbieten kann. Die zwei anderen Methoden, „Beweise" zu erlangen sind Messungen mit Geräten, die Electronic Voice Phenomena (EVC), also im weißen Rauschen versteckte, übernatürliche Tonbandstimmen, aufnehmen sollen oder mit einem Messgerät namens K-II, mit dem man Schwankungen in elektromagnetischen Feldern messen sowie Radiofrequenzen empfangen kann.

Jayne Harris mit zwei von ihren Puppen

Nachdem ich mich über ein Jahr lang darum bemüht hatte, schaffte ich es endlich, mich mit einer britischen Spukpuppen-Sammlerin zu unterhalten.

Jayne Harris ist ein bekannter Name in der Welt der besessenen Kinderspielsachen: Über ihre Webseite, haunted-dolls.com, und ihre stetig wachsende Facebook-Seite verkauft sie mindestens eine Puppe pro Woche (oder hilft jemandem, eine zu verkaufen). Ich fand schnell heraus, dass die Gemeinschaft besessene Gegenstände nicht „kauft" oder „verkauft"; sie adoptieren sie, als seien die Figuren und die verirrten Geister, die ihnen innewohnen, Waisenkinder auf der Suche nach einem liebevollen Zuhause.

Als sie ein Teenager war, starb jemand aus Jaynes engerem Familienkreis. Unzufrieden mit dem, was der Katholizismus ihr bisher geboten hatte, suchte sie in ihrer örtlichen spiritualistischen Kirche nach Antworten. Eine Frau, mit der sie sich dort anfreundete, lud sie zu sich ein, um ihre Puppe Maggie kennenzulernen.

„Sie schien nicht verrückt, also beschloss ich irgendwann hinzugehen", erzählte mir Jayne. „Als ich dort ankam, sollte ich mich Maggie vorstellen, und als ich sie begrüßte, schaltete sich der Fernseher von alleine ein und spielte den Film Was geschah wirklich mit Baby Jane? Ich war entsetzt!"

Ich hatte mir Jayne anders vorgestellt. Sie ist verheiratet und hat zwei kleine Kinder. Sie ist gesprächig, freundlich und scheint weder übermäßig in ihren Überzeugungen verhaftet, noch auf irgendeine Art introvertiert zu sein.

„Ich habe immer gesagt, dass ich von niemandem, der noch nie eine paranormale Erfahrung hatte, erwarten würde, an [besessene Puppen] zu glauben. Ich würde es wahrscheinlich selbst nicht glauben", erklärte sie. „Ich bin an UFOs interessiert, aber ich bin immer noch nicht überzeugt, weil ich auf dem Gebiet keine Erfahrungen gemacht habe. Aber ob du es glaubst oder nicht, Sachen wie Ouija-Bretter funktionieren wirklich."

Jayne erwähnte mehrmals, dass sie nicht mehr mit Ouija-Brettern spiele, da diese es gewöhnt seien, mit dämonischen Energien zu kommunizieren, und nicht mit den menschlichen Energien, mit denen sie sich beschäftigt. Sie schien ebenfalls sicher zu sein, dass ein Geist aus einer Puppe niemals von einem Menschen Besitz ergreifen könnte.

„Weil [Dämonen] noch nie einen physischen Körper oder eine physische Präsenz hatten und auch nie haben werden, geht dämonische Besessenheit selten gut aus", sagte sie mir. „Die Leute überstehen das meistens nicht heil. Sie kann psychisch sehr große Schäden hervorrufen."

Jaynes K-II-Messgerät

Viele Themen unserer Unterhaltung verstand ich problemlos, doch andere bereiteten mir mehr Schwierigkeiten, und so beschloss ich, einen Experten um Hilfe zu bitten. John Sixthsense ist ein parapsychisches Medium, Gewinner des Spiritside-Preises für das Medium des Jahres 2012 und Gründer des (inzwischen aufgelösten) Geisterjäger-Teams UK Paranormal.

„Ich sehe nicht, wie die Massenproduktion besessener Puppen möglich sein soll", sagte er, nachdem ich ihm von dem großen Online-Angebot erzählte. „Wir können uns nicht aussuchen, wo Geister einziehen oder an was sie hängen. Sie haben einen freien Willen, genau wie wir."

John sagte, seiner Erfahrung nach spuke es meist in Häusern, nicht in Gegenständen. In den seltenen Fällen, in denen ein Geist von einem Gegenstand Besitz ergreife, solle der Besitzer des Gegenstands einen Profi wie ihn kontaktieren, anstatt das besessene Objekt im Internet zu verkaufen, fügte John hinzu. Das Problem dabei sei, dass es „sehr unverantwortlich" sei, weil die Käufer nicht wüssten, welche „Geschwindigkeit" der Geist habe, den sie in ihr Zuhause lassen.

Ich stimmte zu, dass Geister wohl kaum zu den Dingen gehören, die man sich absichtlich ins Leben holt. Allerdings behaupten einige Verkäufer—wie zum Beispiel der Urheber der ersten eBay-Auktion, die ich sah—als so eine Art Verkaufsargument, ihre Puppen seien „böse" oder „extrem negativ", was bedeutet, dass es dafür einen Markt geben muss.

Was bewegt die Leute also zum Kauf?

„Es gibt Menschen, die interessiert sind, weil sie keine eigenen Kinder haben. Sie fragen, ob mir Geisterkinder begegnet sind, die in der Zwischenwelt festsitzen", erklärte Jayne und fügte hinzu, die Adoption einer besessenen Puppe sei nicht immer das Richtige für jemanden in dieser Lage. „Auf mir lastet viel Druck, die richtige Entscheidung zu treffen", sagte sie. „Ich gebe sie nicht einfach irgendwem."

Einige von Jaynes besessenen Puppen

Jayne sagte mir außerdem, für einige neue Besitzer sei die Aussicht auf Gesellschaft reizvoll und sie würden eine Puppe adoptieren, weil sie einfach eine Verbindung mit einem Geist eingehen wollten.

John glaubte allerdings, viele der Käufer seien paranormale Ermittler, die Requisiten für ihre Geisterjagden brauchen.

Die Einschätzungen der beiden machten deutlich, dass es zwei Gefahren gibt, auf die du vorbereitet sein musst, wenn du eine besessene Puppe kaufst. Erstens: Du gibst dein ganzes Geld für eine Niete aus und dein Geld wird nicht erstattet (viel Glück beim Versuch, „Besessenheitsgrad" in den Gewährleistungsrechten für Käufer zu finden). Zweitens: Schlimme Dinge könnten anfangen zu passieren, wenn du eine Puppe adoptierst—oder du wirst ihr zumindest die negativen Dinge in deinem Leben zuschreiben.

Das muss auch nicht unbedingt so schlecht sein: Wenn du all deine Probleme und Fehler auf ein lebloses Objekt projizierst, dann lässt sich vielleicht leichter damit umgehen. Das könnte ein weiterer Grund sein, warum überhaupt jemand die Puppen kauft.

Die Tatsache, dass ich sehr wenig Geld auf dem Konto habe, schob meinen Plänen, mir selbst eine Puppe zu kaufen, einen Riegel vor, doch ich las trotzdem schon mal „ Richtlinien des gesunden Menschenverstands beim Kauf und Verkauf besessener Gegenstände", einen hilfreichen Führer, den jemand auf eBay veröffentlicht hat.

Darin heißt es im letzten Punkt:

„Lege dir einen Plan zurecht, wie du den Artikel loswirst, wenn er anfängt, dein Zuhause ins Chaos zu stürzen! Zu den Aktivitäten, mit denen bei einem besessenen Gegenstand zu rechnen ist, gehören Klopfen an den Wänden, Kratzgeräusche, Schrittgeräusche, Stöhnen, Klopfen, Flüstern, verstellte Gegenstände, wackelnde Betten, Gerüche, Ektoplasma ..."

Ich sprach Jayne auf all das an, denn trotz ihres vernünftigen Anscheins fragte ich mich, ob sie nicht schon einmal dunklere Erlebnisse hatte, als sie anfangs durchblicken ließ. Sie erzählte mir die Geschichte einer Marionette, die sie vor Kurzem aus einem Haus entfernt hatte, weil sie dessen Bewohner verstörte.

„An dem Tag, als ich sie zurückholte, tat ich sie in den Schrank in meinem Keller und schloss die Tür", sagte sie. „Fünf Minuten später, als ich wieder oben war, hörte ich einen Knall. Eine Farbdose war heruntergefallen und hatte den Schrank zerbrochen, und überall auf dem Boden war Farbe verteilt. Die Puppe saß einfach nur da. Es sah wirklich gruselig aus."

Jayne erklärte, sie habe daraufhin angefangen, unter Kopfschmerzen und Schlafstörungen zu leiden—beides Symptome einer dämonischen Besessenheit.

„Tage später fing meine dreijährige Tochter an zu sagen: ‚Pssst Mama, John schläft.' Als ich sie fragte, wer John sei, sagte sie mir, er sei ihr Freund. Ich dachte mir: ‚OK, Kinder haben unsichtbare Freunde, das ist nicht ungewöhnlich.' Dann, ein paar Tage später kam sie weinend in die Küche gerannt und sagte: ‚Mama! Mama! John hat mich angeschrien ...' Mir war nicht wohl bei der Sache, also gab ich die Puppe weiter an ein befreundetes Medium, Hazel."

Ich denke, was mich am meisten an diesen Menschen fasziniert, sind nicht ihre Puppen. Alle, mit denen ich sprach, waren aufrichtig und—auch wenn das vielleicht ein wenig enttäuschend klingt—in so ziemlich jeder Hinsicht normal. Sie glauben einfach nur zufällig an Figuren, die bei ihnen zu Hause sitzen und von den Geistern toter Kinder besessen sind.

Jayne war während unserer Unterhaltung über Poltergeister und Dämonen sachlich und rational. John war genauso: Er sprach über die Unannehmlichkeiten des Exorzierens, als ginge es ums Ausräumen des Geschirrspülers, oder um diese Leute, die direkt vor einer Rolltreppe stehenbleiben und einem den Weg versperren.

Es ist immer schwieriger, einen guten Draht zu jemandem zu entwickeln, wenn man sich nicht persönlich trifft, was vielleicht erklärt, warum Nancy aus New Jersey ein wenig vorsichtiger war. Allerdings hatte sie dieselbe Leidenschaft für—und denselben Glauben an—besessene Puppen wie Jayne.

Ich versuchte, mich zu entscheiden, was ich von diesen Sammlerinnen im großen Stil hielt, und kam zu dem Schluss, dass es einen dazu verleiten muss, solche Überzeugungen nur noch bestätigt zu sehen, wenn man so viel Zeit in Gegenstände investiert, die man tatsächlich für besessen hält. Es liegt nahe, darin Beweise für die Macht der Suggestion und die gerissene Arbeit von Betrügern zu sehen, doch ich glaube nicht, dass das der Fall ist—zumindest nicht bei Jayne und Nancy.

Letzten Endes sind es die Gläubigen, die dieser internationalen Subkultur Leben einhauchen. Geister würden vielleicht nicht existieren, wenn es nicht die richtigen Leute gäbe, um sie zu sehen, und die Puppensammler scheint es nicht zu stören, dass die Grenze zwischen Fakten und Fiktion manchmal verwischt. Und, mal ehrlich, warum sollte es auch? Religionsangehörige aus aller Welt vertrauen auf die Einbildung, und das wird weithin als logisch und normal angesehen. Wo ist da der Unterschied?

So oder so, ich denke nicht, dass ich jemals so weit gehen werde, drei Monatsmieten für eine gruselige, „sexuell aggressive" Puppe auszugeben, die mir beim Schlafen zusieht. Das überlasse ich dann lieber den Sammlern.