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Dennis Cooper: Der GIF-Roman entwickelte sich aus dieser Sache, die ich auf meinem Blog machte, wo ich diese riesigen Stapel aus Bildern erstellte—so zwischen 70 und 120 Stück—die eine bestimmte Idee oder ein bestimmtes Thema illustrierten. Ich fing an, GIFs in die Stapel einzubauen, und dann entwickelte ich ein solches Interesse an GIFs, dass ich reine GIF-Stapel baute. An diesem Punkt fing ich an, all diese kuriosen, unerwarteten Dinge zu bemerken, die in ihnen und zwischen ihnen passierten, wenn man sie kombinierte.
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Ich denke, das animierte GIF ist eine sehr reichhaltige Sache, und zwar größtenteils unabsichtlich? Für den Roman stellte ich sie mir als verrückte, visuelle Sätze vor. Aber im Gegensatz zu Text-Sätzen, erledigen sie schon die ganze Fantasiearbeit für den Leser. Sie machen dich wirklich passiv. Sie jonglieren einfach mit deiner Sicht und dir bleibt eigentlich nichts anderes übrig, als gegen diese aggressiven Dauerschleifen hypnotischer Effekte, die etwa so stumpf sind wie Feuerwerk, anzukämpfen, um die Bilder und die Mini-Handlungen/-Geschichten zu sehen, die sie kontextualisieren. Ich denke, letzten Endes sind sie in erster Linie Rhythmen, oder sie reduzieren ihre Bildsprache und Aktivität etc. zu illustrativen Komponenten äußerst strenger rhythmischer Muster, die das Auge in gewisser Weise in ein Ohr verwandeln.
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Es fing an mit einer Reihe von Leitmotiven oder einfach nur Dingen, die ich verwenden wollte. Zum Beispiel wollte ich anfangs, dass es einen roten Faden mit Erdbewegungsgeräten gibt. Also machte ich mich auf die Suche nach entsprechenden GIFs. Im Grunde tat ich das Einzige, das man tun kann—Schlüsselwörter zusammen mit „animiertes GIF" bei Google Bildersuche eingeben, und auch bei Giphy, Tumblr, etc. Und dann fügte ich Adjektive hinzu, um in die weniger öffentlichen Nischen zu gelangen, wo sich GIFs finden. Es gab nicht viele interessante GIFs mit Erdbewegungsgeräten, aber ich fand Motive im Müll, die am Ende in dieser Kategorie kontextualisiert wurden, und sie waren nützlich und ließen das ursprüngliche Motiv mutieren. Es ist eigentlich nicht großartig anders als meine Vorgehensweise wenn ich Textromane schreibe, denn ich konstruiere immer dichte Untersysteme in meinen Romanen, die Motive und Bilder enthalten, die auf eine Art zusammenarbeiten, die ich als eine Art „internes Reimschema" bezeichne. Der formelle Hauptunterschied besteht darin, dass man bei einem GIF-Roman auf Internetressourcen beschränkt ist, während man bei Text nur von der eigenen Fantasie eingeschränkt wird.
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Ich habe in meinen Büchern schon immer Humor angewandt. Anfangs, vor allem im George-Miles-Zyklus, setzte ich das vorsichtig ein, und immer im Dienste einer Idee oder einer Wirkung, die ich erzielen wollte und die mir wichtiger erschien. Ich habe Humor hauptsächlich verwendet, um mich an den Leser anzupirschen, oder den Leser abzulenken im Hinblick auf etwas Bevorstehendes, von dem ich wusste, dass es überraschend oder abschreckend sein würde. Ich sah Humor also als so eine Art Dekoration oder ein Illusionswerkzeug.Bei Zac's Haunted House bewegte ich mich in ein Medium, das animierte GIF, das von Anfang an hauptsächlich humoristisch war. Es war also anders als meine schriftlichen Werke, weil die Dekoration bereits da war und anstatt herauszufinden, wie ich Humor mit der richtigen Temperatur und dem richtigen Ton generieren konnte, musste ich eher so komplex arbeiten wie ich konnte, um Inhalt, Emotion und Ton, usw. innerhalb dieser Vorgabe zu generieren. Selbst bei den Horror-artigeren Sequenzen—visuell abgebildetes Grauen ist so eng mit der Entstehung nervösen Gelächters beim Zuschauer verbunden und so sehr auf diese Reaktion ausgelegt, dass das Erschaffen verstörender Sequenzen sich immer anfühlte, als würde ich versuchen, einen bösartigen Clown dazu zu bringen, untypische Bewegungen auszuführen.
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Es gibt natürlich Autoren, die mit reinen Internetmaterialien wie Memes, Links oder Chatforen und den dazugehörigen Abkürzungen interessante Dinge machen. Aber das sind bisher hauptsächlich Kurzgeschichten- oder Gedichtformate, glaube ich. Ich habe mich erst vor ein paar Tagen mit jemandem auf meinem Blog über die Idee eines Romans, der komplett aus Emoticons besteht, unterhalten. Der Gedanke entstand wegen dieses Kerls, der ausschließlich Emoticons verwendete, um Rezensionen von Tao Lins Büchern zu schreiben. Jetzt, wo Leute zum Beispiel anfangen, ganze Absätze davon in ihre Social-Media-Kommunikation einzubauen, ist es vielleicht auch möglich, Fiktion in Langform damit zu schreiben, auch wenn das garantiert sehr anstrengend zu lesen wäre.Ich frage mich, ob zum Beispiel Videoclips interessantes Arbeitsmaterial liefern würden. Oder vielleicht könnte man einen Roman schreiben, der an verschiedenen, wechselnden Orten spielt und wo die Lokalitäten selbst eingesetzt werden könnten, um den Raum, der den Text umgibt, in etwas zu verwandeln, das einfach genug ist, um das Geschriebene nicht mit dem Reiz des Neuen zu stören oder zu kontaminieren, aber das die Eigenschaften oder Absichten der verschiedenen und verteilten Kontexte als Hintergrund- oder Randinformation kommunizieren kann. Es muss tonnenweise Möglichkeiten geben.Aber ich denke nicht, dass es notwendig ist, dass der Roman mutiert, um im Internet ein relevanteres Dasein führen zu können. Ich denke, PDFs und eBooks sind nicht allzu primitiv und völlig im Einklang mit den Werken von Schriftstellern, die bei reinen Texten und seitenbasierter Arbeit bleiben wollen. Es ist nur so, dass es in jeder großen Kunstform Künstler gibt—einige von ihnen recht beliebt und hochangesehen—die das Internet studiert haben und die seine Errungenschaften und Eigenheiten in ihre Arbeit aufgesogen haben, vor allem in der Musik, der visuellen Kunst und im Film, ohne die Identität ihres Mediums zu kompromittieren oder andere Leute als Hardcore-Puristen vor den Kopf zu stoßen. Worauf warten also die Romanschreiber?Hier kannst du Zac's Haunted House lesen.
