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Sex

Offene Beziehung, Fuckbuddys oder Polyamorie?

Wie kann ich mein Leben so anstrengend wie möglich gestalten? Wir sagen dir, welcher Beziehungstyp der beste für dich ist und welcher dir den Nervenzusammenbruch bescheren wird.
12 März 2015, 12:31pm
Bild einer Frau

Foto: Wikimedia | Stalker111 | CC BY-SA 3.0

Als wäre es nicht schon kompliziert genug, überhaupt mal an den Punkt zu kommen, an dem man eine Beziehung führen und dem Singledasein (hoffentlich nicht nur temporär) den Rücken kehren kann, muss man sich dann irgendwann entscheiden, was man eigentlich will: Monogamie (die Madonna der Beziehungsformen, zwar eine etwas behäbige Oma und schon so oft totgesagt, aber trotzdem ungebrochen erfolgreich), offene Beziehungen oder Polyamorie (angeblich das neue heiße Ding). Und dann noch die ganzen Varianten, die sich zwischendrin oder durch glückliche oder unglückliche Umstände ergeben: One-Night-Stands, Fernbeziehungen oder Beziehungen auf Zeit. Wir erklären euch, welche Beziehungstypen wie zeitaufwendig sind und welche Art von Paarmodell euch einen Nervenzusammenbruch bescheren wird oder was euch jeweils zum idealen Kandidaten macht.

Offene Beziehung

Offene Beziehungen sind der Klassiker unter der Crowd der Monogamie-Ablehner, Simone de Beauvoir und Jean-Paul Sartre hatten eine. Und genau diesen Satz werdet ihr zweifellos hören, wenn ihr versehentlich mit Leuten in Gespräch kommt, die dieses Modell leben. Offene Beziehungen heißen im Regelfall, dass beide Partner auch mit anderen Sex haben können, wenn es ihnen gerade in den Kram passt. Natürlich gibt es Unterschiede, die einen sagen es sich, die anderen nicht, bei den einen geht's nur um Sex, bei anderen geht es schon in eine polyamouröse Richtung. Es ist ein bisschen wie im Swingerclub. Hört sich theoretisch toll an. Man hat eine funktionierende Zweierbeziehung, in der man sich emotional und sexuell geborgen fühlt und zwar so sehr, dass Eifersucht kein Thema mehr ist. Liebe und Sex sind insofern getrennt, als dass Sex außerhalb der Beziehung ausschließlich Sex ist. Aber genauso wie die Kernenergie, die theoretisch auch total super ist, gibt es ein paar Haken in der Praxis. Tatsächlich gibt es nur relativ wenige offene Beziehungen, die darauf aufbauen, dass sexuelle Treue des Partners irrelevant ist. Eine Studie spricht von 1% aller Partnerschaften überhaupt. Dreimal so viele Beziehungen werden als pseudo-offen bezeichnet und folgen in etwa diesem Modell: Einer schlägt das Thema vor (nennen wir diese Person doch einfach vorurteilsfrei: die Hure in der Beziehung) und eine andere Person sieht sich mehr oder weniger gezwungen mitzuziehen. Das heißt, einer der Beteiligten schläft mit allem, was nicht bei drei auf den Bäumen ist, und der andere sitzt zu Hause rum und versucht alle paar Wochen halbherzig, auch jemanden klarzumachen. Emotional ist das Ganze in etwa so, als würde man in einem brennenden Haus mit angezündeten Fackeln jonglieren. Die Chancen, dass man ohne Wunden rauskommt, sind eher minimal. Weil, Newsflash: Sex und Liebe kann man nur eine Zeit lang trennen, irgendwann wird sich einer der Beteiligten verlieben und zwar nicht in den eigentlichen Partner. Oder auch schön: Einer der Nicht-Partner verliebt sich in einen Teil des Paares. Und irgendwann ist das Ganze ein emotionaler Clusterfuck, in dem sich alle Beteiligten hassen.

Zeitaufwand: 4/10
Gefahr eines emotionalen Burnouts: 6/10
Idealtyp: Emotionslose Sexmaschine, der die eigenen körperlichen Bedürfnisse wichtiger sind als die Stabilität der Beziehung und die der Partnerin oder des Partners.

One-Night-Stand

Foto: Flickr | Pedro Ribeiro Simões | CC BY 2.0

Knapp 30% der Deutschen (und wahrscheinlich auch der Österreicher) zwischen 20 und 35 hat zumindest einmal einen One-Night-Stand. Und das ist super, du kannst nämlich nicht so furchtbar viel falsch machen, und falls das doch passieren sollte, ist es auch irgendwie egal, weil du die Person vermutlich nie mehr wiedersehen wirst, und falls doch, kannst du mit eiserner Mine so tun, als sei nie etwas passiert. Nur leider gibt es auch hier einen Haken und wie so oft besteht er in der Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis. Du denkst, One-Night-Stands sind sexy und überraschend und aufregend? In der Praxis triffst du auf jemanden, mit dem du (offensichtlich) noch nie Sex hattest und der (offensichtlich) keine Ahnung hat, worauf du stehst, und alles wird in einem streng riechenden Fleischsalat enden, du musst ihn oder sie in ihre oder seine vermutlich grässliche Wohnung begleiten oder zu dir einladen (immer mit quälenden Gedanken im Hinterkopf, wie es bei dir zu Hause aussieht und ob dein Mitbewohner endlich die Fruchtfliegenplage beseitigt hat) und dann kommt das überhaupt Schlimmste: der Walk of Shame. Irgendwann musst du nämlich wieder nach Hause und mit zerschossener Schminke, den Klamotten vom letzten Abend und circa 7 Minuten Schlaf wird das mit Sicherheit nicht dein Glanzmoment sein. Und selbst wenn du dir ein Taxi bestellst, bestehen Chancen, dass du am Ende in einer Statistik endest.

Zeitaufwand: 1/10
Gefahr eines emotionalen Burnouts: 2/10
Idealtyp: Mehr oder weniger jeder, der seine Gefühle zumindest in dem Maße kontrollieren kann, dass er nicht nach einem Mal Sex der anderen Person vollständig verfallen ist.

Fuckbuddy

Iain M. Banks beschreibt in einer Reihe von Science-Fiction-Romanen die „Culture", eine ideale Welt, in der alle nett zueinander sind und wir weder von unserer Arbeit noch von unseren Mitmenschen entfremdet sind. Würden wir in dieser Welt leben, wäre jeder einzelne von uns emotional so tief mit dem anderen verbunden, dass das Bedürfnis nach der einen, idealen Person womöglich nicht mehr wichtig ist. Sex wäre Sex. Vielleicht würde man beides auch miteinander kombinieren, aber im Großen und Ganzen wäre die Liebe, die wir zueinander empfinden, schon mehr oder weniger ein Beziehungsersatz. Wir leben leider in keinem Banks-Roman. Wir leben in einer ziemlich dreckigen Welt, in der es so ziemlich jedem schwer fällt, Sex und Liebe zu trennen. Das funktioniert ganz gut, wenn du jemanden für eine Nacht (oder einen Vormittag) klarmachen willst. Dabei kann dir die moderne Technik helfen ( Tinder, Grindr, OkCupid etc.) oder einfach Bier in einer Bar. Aber sobald aus so einem One-Night-Stand ein Fuckbuddy werden soll, also ein Typ oder ein Frau, die du für Sex triffst und sonst für nichts, na ja, ... dann wird's schwierig. Ihr werdet euch selbst und euren Freunden eine Zeit lang einreden, dass ihr total souverän seid und die Situation super meistert. Und natürlich werdet ihr es beide glauben. Aber dann verknallt sich einer von euch und alles wird ganz schnell unangenehm. Plötzlich ist es nämlich nicht mehr egal, dass der Typ am Freitagabend keine Zeit hat oder das Mädchen dich auf einer Party von gemeinsamen Freunden ignoriert. Natürlich kannst du dir das nicht eingestehen und versuchst weiter, die Fassade einer lockeren Sex-Beziehung aufrecht zu erhalten, während sich in deinem Magen ein weiteres Geschwür entwickelt und du alleine zu Hause in dein Kissen weinst.

Zeitaufwand: 4/10
Gefahr eines emotionalen Burnouts: 8/10
Idealtyp: Emotionslose Menschen, für die Sex Sex ist und die ihre Gefühle abstellen können wie eine kalte, herzlose Maschine.

Fernbeziehung

Deine Freundin, die du vor zwei Monaten kennengelernt hast, zieht nach Barcelona, aber das ist total egal, ihr werdet zusammenbleiben, weil eure Liebe alle Hürden überwinden kann? Herzallerliebst. Wird aber aller Voraussicht nach nicht passieren. Fernbeziehungen halten meistens höchstens zwei Jahre und das gilt für Paare, die sich tatsächlich schon länger kennen. Ich kenne Leute, die sich am Anfang einer Beziehung morgens aus dem Bett schleichen, um sich die Zähne zu putzen und mit Mundwasser zu gurgeln, sich dann wieder zurückschleichen und so tun, als würden sie noch schlafen, damit die andere Person denkt, sie würden mit Pfefferminzatem erwachen. So in etwa ist auch eine Fernbeziehung. Die ganzen unangenehmen, ekligen Sachen erledigt man, wenn man sich nicht sieht und am Wochenende oder im Urlaub ist alles wunderbar. Man hat Zeit, geht zum Brunch und feiern. Nur ist das leider nicht die Realität. Genauso wie dein Mund morgens nicht nach Rosen riecht, gehört mehr zu einer Beziehung als Brunch. Spätestens wenn ihr es jemals schafft, in einer Stadt oder gar einer gemeinsamen Wohnung zu leben, ist nämlich Schluss mit Brunch. Dann könnt ihr eure Zeit damit verbringen, Spülmaschinentabs zu kaufen und bei der Hausverwaltung anzurufen. Andere Paare sind da reingewachsen, ihr nicht. Die lähmende Langeweile des Alltags wird euch überrollen und entweder ihr schafft es, damit klarzukommen oder ihr werdet anfangen, euren Partner, eure Beziehung und euch selbst zu hassen (und nachts in euer Kissen zu weinen, aber leise, damit die Person neben euch es nicht merkt). Außerdem ist Skype auch nur für eine bestimmte Zeit sexy. Das Mädchen, das du zufällig in der Bar kennengelernt hast, ist zwar vielleicht nicht ein genauso großer _Games of Thrones_-Fan wie deine Seelenverwandte Penelope, die vor drei Monaten wieder zurück nach Chile geflogen ist und mit der du in vier Jahren in Santiago zusammenziehen willst, aber immerhin hat sie einen realen, warmen Körper und ist nicht nur ein Abbild auf dem kalten Bildschirm deines MacBooks.

Zeitaufwand: 3/10
Gefahr eines emotionalen Burnouts: 6/10
Idealtyp: Perfektionisten, die es mehrerer Tage lang schaffen, so zu wirken, als wäre ihr Leben ein perfekter Jahrmarktausflug.

Polyamorie

Foto: Flickr | Robert Couse-Baker | CC BY 2.0

Also, ich habe ja nicht so viel Zeit. Wenn ich mir jetzt vorstelle, ich müsste die Details aus meinem Leben, meinem Job, meiner Freizeit und dem, was letzte Woche bei GZSZ passiert ist, mit noch mehr Leuten teilen außer meinem Partner, beschleicht mich ein extrem starkes Gefühl der Beklemmung und nicht zu vergessen Langeweile. Aber angeblich tun das in Deutschland zwischen 600 und 6000 Menschen, wie die BZ ohne Angaben von Quellen vor drei Jahren behauptete. Positiv am Konzept der Polyamorie ist, dass der Sex nicht scheiße ist (weil, sind wir doch mal ehrlich: One-Night-Stands sind auch nur in der Theorie cool. In der Praxis weißt du nicht so genau, wohin mit dir und dem anderen und was überhaupt gerade passiert.). Du hast nämlich Sex in einer Beziehung, mit Leuten, bei denen du weißt, auf was sie stehen und die es von dir wissen. Aber bekanntlich besteht eine Beziehung aus mehr als nur aus Sex. Unter anderem nämlich daraus, den anderen an deinem Leben teilhaben zu lassen. Aber wenn es da mehr als nur einen anderen Partner gibt, dann gestaltet sich das unter Umständen zeitaufwendiger als gedacht. Es sei denn, eure Beziehung ist mehr wie ein linksalternatives Hausprojekt, und ihr trefft euch einmal am Tag im Plenum, um euch über eure jeweiligen Chefs auszukotzen. Vermutlich ist das aber nicht der Fall und du wirst deine Zeit damit verbringen, dich unendlich oft zu wiederholen und dich ausschließlich mit irgendjemand anderen zu beschäftigen als mit dir selbst. Und das sind nur zeitliche Schwierigkeiten. Wenn man von einer Dreierbeziehung ausgeht, sind die Chancen ziemlich hoch, dass sich irgendwann Fronten bilden. In einer Zweierbeziehung kann es bis zu zwei Meinungen geben und (OK, das ist vermutlich auch eher der Idealfall), und beide Meinungen sind gleich viel Wert. Wenn in einer Dreierbeziehung mit zwei Männern die Frau nicht drauf steht, dass im Stehen gepinkelt wird, kann sie nach demokratischen Prinzipien die Opposition bilden, was aber nichts daran ändert, dass sie durch Pisselacken zum Klo waten muss. Die Möglichkeit besteht, dass eine solche Beziehung in einer atomaren Apokalypse zu Ende geht, die drei oder mehr fertige Leute hinterlässt, aber, und das ist das Positive (yay), es gibt auch die Chance, dass eine Person einfach rausgemobbt wird und sich alleine ihre Wunden leckt, während die beiden übrigen glücklich und zufrieden weiter zusammenleben.

Zeitaufwand: 10/10
Gefahr eines emotionalen Burnouts: 5/10 (kommt drauf an, auf welcher Seite du am Ende stehst)
Idealtyp: Extrovertierte Labertaschen, die keine Zeit für sich selbst und House of Cards brauchen.

Beziehung mit Ablaufdatum

Also sorry, aber was soll das überhaupt sein? Sind wir jetzt im Kinderferienlager, wo du für drei Wochen mit dem Mädchen aus der Parallelklasse zusammen bist? Wenn du den Erasmus-Studenten so toll findest, dann zieh halt nach Spanien oder so. Oder habt einfach so Spaß, macht das Ganze zu einem dreimonatigen One-Night-Stand. Aber zu versuchen, eine Beziehung zu führen, bei der du genau weißt, dass sie in zwei Wochen, drei Monaten oder einem Jahr vorbei ist, zeigt doch eigentlich nur, dass du überhaupt nichts verstanden hast. Entweder bist du so oberflächlich, dass Micaela Schäfer im Gegensatz zu dir wie Slavoj Žižek wirkt, oder du stehst total drauf, in regelmäßigen Abständen wie ein Hund zu leiden.

Zeitaufwand: 3/10
Gefahr eines emotionalen Burnouts: 5/10
Idealtyp: Entweder Menschen, denen alles egal ist, oder emotionale Masochisten.