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Georg Nagel erklärt, was schiefgelaufen ist

Der Sprecher von Pegida Wien hat uns ein paar letzte Fragen über seinen Rücktritt beantwortet.
4.2.15
Foto von David Prokop

Mit ihrem ersten Versuch, in Österreich Fuß zu fassen, ist Pegida kläglich gescheitert. Die Menschen, die diesen Montag auf die Straße gingen, waren zu einem sehr geringen Teil besorgte Bürger. Vielmehr waren es gewalttätige Hooligans, Rechtsextreme und Neonazis.

Einige der Vorfälle vom Montag haben wir hier zusammengetragen, außerdem haben wir ein Video und Fotos bei der Veranstaltung gemacht. Besorgte Bürger haben wir kaum angetroffen, dafür haben wir oft den Begiff „Lügenpresse" zu hören bekommen, unseren Fotografen und Filmern wurde mehrere Male gedroht.

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Aber es waren nicht nur rechtsextreme Verrückte dort, auch der ehemalige dritte Nationalratspräsident Martin Graf und andere Mitglieder der FPÖ haben die Veranstaltung besucht. Heinz-Christian Strache hat Pegida auf Facebook tatkräfig unterstützt und die FPÖ als die „wahre Pegida" bezeichnet.

Der Sprecher von Pegida Wien, Georg Nagel, schreibt unter anderem für die FPÖ-nahe Zur Zeit, auf Puls 4 waren am Montag bei „Pro und Contra" unter anderen auch er und Martin Graf geladen, die sich in vielen wesentilichen Fragen übereinstimmten. Die Hitlergrüße wollte Nagel auf Fotos nicht erkennen. Heute ist Georg Nagel mit dem Satz: „Ich werde wohl keinen Platz in der Geschichte haben, sondern bestenfalls im Feuilleton" zurückgetreten. Wir haben ihn gefragt, was schiefgelaufen ist.

Alle Hintergründe und Artikel zum Thema Pegida findet ihr hier.

Foto von David Prokop

VICE: Weshalb bist du der Meinung, dass Medien falsch oder schlecht berichtet haben?
Georg Nagel: Nicht nur andere, auch VICE hat ganz schön verdreht berichtet. Beispielsweise der Artikel in dem es um meine Freiheit EP geht. Ich habe damals der Weißen Rose, in aufrechter Verehrung, diese Platte gewidmet. Sie heißt deshalb so, weil „Freiheit" das Wort war, das Sophie Scholl auf die Rückseite ihres Todesurteils geschrieben hatte, das man in ihrer Zelle fand. In diesem Artikel hat man versucht, mir das auf infame Art ins Gegenteil zu verkehren. Auch hat mich beispielsweise der ORF eine halbe Stunde lang gefilmt und dann genau 22 Sekunden rausgeschnitten. Solche Methoden sind ganz normal im Rundfunk. Auch schriftliche Interviews sind meist nur ein paar ganz freie Zitat-Brocken, die in einem verzerrenden Kommentartext eingebaut werden.

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Weshalb bist du als Sprecher von Pegida Wien zurückgetreten?
Es war von Anfang an geplant, dass ich nur innerhalb der Anfangs-Phase professionelle Medienarbeit mache und dann später, wenn Pegida genügend Öffentlichkeit hat, nicht mehr mit der Presse spreche, wie die meisten anderen Pregida-Gruppen auch. Mit der Demo-Organisation hatte ich ansonsten eigentlich nichts zu tun.

In deinem Rücktritts-Posting auf Facebook schreibst du: „Mitunter war ich dabei jedoch ganz schön ,patschert'". Was meinst du damit?
Nach der ersten APA-Meldung war ich fast zwei Wochen lang, wirklich rund um die Uhr, ausschließlich mit Presseterminen eingedeckt. Das war sicherlich eine der stressigsten Zeiten meines Lebens. Manche Kollegen können ganz schön penetrant sein. Dass mein Puls 4-Auftritt keine rhetorische Glanzleistung war, ist wohl jedem bekannt. Da habe ich die Situation unterschätzt. Wie auch immer, das ursprüngliche Ziel wurde erreicht.

Was war das ursprüngliche Ziel?
Das ursprüngliche Ziel meines Einsatzes als Sprecher war es, im Vorfeld der ersten Demo, möglichst viel Medienaufmerksamkeit zu genierieren, um Pegida in Österreich zu etablieren.

War ein Grund für deinen Rücktritt, dass auf der Kundgebung Reichsflaggen, „Heil Hitler"-Rufe, Hitler- und Kühnengrüße zu sehen waren?
Wir haben uns ausdrücklich aufs Schärfste von diesen paar Volldeppen distanziert, die hier als Provokateure aufgetreten sind. Dass ich als einziger Sprecher mitunter als medialer Watschenbaum herhalten werde müssen, war mir im Vorhinein klar. Meine Arbeit ist jedenfalls erledigt, die diversen Gruppen in Österreich werden sich ab jetzt alleine um die Organisation usw. kümmern, mich braucht es da nicht mehr unbedingt. Wie ist deine Verbindung zur FPÖ? Graf war ja bei der Kundgebung und du schreibst ja auch für Zur Zeit, die von Wendelin Mölzer herausgegeben wird.
Man kann natürlich schwer abstreiten, dass Blätter wie die Zur Zeit oder Der Eckart eine gewisse Nähe zum Dritten Lager aufweisen. Ich werde jedenfalls weiterhin primär als unabhängiger Publizist tätig sein. Damit habe ich mehr als genug zu tun. Neben meinen wöchentlichen Artikeln wird dieses Jahr auch ein Buch zu politischer Philosophie von mir erscheinen. Vielleicht in drei Worten: Wie würdest du die Menschen bezeichnen, die am Montag für Pegida auf die Straße gegangen sind?
Aufrechte demokratische Patrioten (bis auf die paar unnötigen Provokateure natürlich).

Hanna auf Twitter: @hhumorlos.