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Sex

Lesbisch, Fetisch oder „frauenfreundlich“: Frauen sprechen über die Pornos, die sie schauen

Wir haben acht Frauen gebeten, uns von ihren Erfahrungen mit Sexfilmen zu erzählen.
03 Juni 2015, 6:00am

Foto: imago/imagebroker/begsteiger

Im Laufe der letzten Jahre gab es einen ganzen Haufen an Bestrebungen, Pornografie für Frauen zugänglicher zu machen. Seiten wie Dorcelle wurden nur aus diesem Grund ins Leben gerufen und auf PornHub gibt es inzwischen eine „Frauenfreundlich"-Kategorie. Im Allgemeinen scheint das Genre der auf Frauen zugeschnittenen Pornos vor allem auf der Vorstellung zu basieren, dass Frauen im Bezug auf die Masturbationsvorlage viel empfindlicher sind als Männer. Aber stimmt das auch wirklich?

Laut einer Ifop-Studie aus dem Jahr 2014 haben 41 Prozent aller Französinnen zugegeben, schon mal auf einer Erotik-Seite gewesen zu sein. Eine Studie von PornHub aus diesem Jahr hat außerdem herausgefunden, dass Ladys 21 Prozent der französischen Leserschaft ausmachen (eine andere Studie von Pornhub hat wiederum ergeben, dass Frauen ziemlich auf lesbischen und schwulen Porno stehen). Viele der befragten Frauen waren dazu noch der Meinung, dass diese neue Welle der „weiblichen Erotik" viel zu gefühlsbetont und in einigen Fällen auch komplett übertrieben sei. Um besser verstehen zu können, wie Frauen in der heutigen Zeit Pornos konsumieren, haben wir acht unserer Autorinnen darum gebeten, uns von ihren Erfahrungen mit Sexfilmen zu erzählen.

Motherboard: Big Porno is watching you

Meinen ersten Porno habe ich gleich nach meiner ersten sexuellen Erfahrung angeschaut—die war übrigens ein komplettes Desaster. Ich war 15 Jahre alt und hatte die Befürchtung, einen Mann niemals richtig verwöhnen zu können. Deshalb wollte ich dann ein paar Tricks und Kniffe erlernen und habe mir zu diesem Zweck die ganz offensichtlich feministische DVD All You Need to Know to Satisfy a Man besorgt. Diese Erfahrung war nicht im Geringsten erregend, sondern tatsächlich eher traumatisierend, und mein junger Verstand verband die männliche Erregung schon bald mit haarsträubenden Maniküren und Klamotten im Leopardenmuster.

Es hat Jahre gedauert, bis ich mich erneut an einen Porno-Film gewagt habe. Nachdem ich mich dazu durchgerungen hatte, dem Ganzen noch mal eine Chance zu geben, stellte ich erfreut fest, dass diese zweite Erfahrung sowohl erleuchtend als auch effektiv war. Seitdem schaue ich ungefähr einmal pro Woche Pornos, und zwar meistens ziemlich wilde Filmchen für „echte Männer." Dazu habe ich noch eine Schwäche für Sasha Grey. Die ganzen Filme, die speziell für Frauen produziert werden, geben mir nichts. Die sind viel zu zahm und ungefähr so spannend wie die Story von Stolz und Vorurteil. — Michelle Camargo

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Ich schaue ab und an mal Pornos, wenn ich eine Zeit lang keinen Sex hatte—also vor allem dann, wenn ich total viel Arbeit zu erledigen habe. So kann ich gut abschalten und mal ein bisschen Dampf ablassen. Das macht mir auf jeden Fall mehr Spaß als Joggen.

Ich persönlich hasse ja diese schlecht gefilmten Gonzo-Pornos voller ekelhafter Männer und zierlicher junger Frauen, die ihre Lust so unglaublich schlecht vortäuschen. Die Filme, die ich mir anschaue, haben alle einen gewissen Produktionsstandard. Am meisten stehe ich auf Lesben- und Fetisch-Streifen. Manchmal kann ich mich auch für die HD-Pornos begeistern, die schon fast ein bisschen zu sehr für Frauen gedacht und übertrieben romantisch sind, aber eben gute Darsteller und Darstellerinnen beinhalten. Ich habe eine Faible für schöne Frauen, die nicht mit Kraftausdrücken um sich werfen, und für Typen mit geschmeidigen Gesichtern. Zu dünn dürfen sie allerdings nicht sein.

Wenn ich fertig bin, fühle ich mich jedoch immer ein bisschen schmutzig—vor allem dann, wenn ich gleich ein paar Videos hintereinander geschaut habe. Ich glaube, das kann man gut mit dem Gefühl vergleichen, wenn man sich ein komplettes McDonalds-Menü reingefahren hat. — Dorothée Fabbri

Ich weiß nicht genau warum, aber als Teenagerin habe ich ziemlich viele Pornos geschaut. Ich kann mich auch noch gut an alles erinnern: Ron Jeremy, viele glatt rasierte Vaginen und absolut keine Handlung.

Je älter ich wurde, desto niveauvoller wurden auch meine bevorzugten Videos. Irgendwann habe ich auch damit angefangen, sie auf der Arbeit zu schauen. Ich habe den langweiligsten Job der Welt: Ich bin Assistenz-Managerin für eine Frau, die ein Parfüm für reiche Rentnerinnen wieder auf den Markt gebracht hat. Sie ist immer unterwegs, aber ich muss im Büro bleiben, um mich um „dringende Anfragen" zu kümmern. Pornos sind dabei ein guter Weg, um Zeit totzuschlagen. Ich finde es auch richtig erregend, dass ich zu jeder Zeit von irgendeinem Mitarbeiter der Buchhaltung erwischt werden könnte. In diesem Büro bin ich schon oft gekommen und einige dieser Orgasmen waren intensiver als die, die mir meine Beziehungspartner verschafft haben.

Während meiner Schwangerschaft haben meine Hormone komplett verrückt gespielt und hatte so ungefähr fünf Mal am Tag Lust auf Sex. Mein Freund war allerdings immer auf Arbeit und deshalb habe ich mich durch diverse Porno-Seiten geklickt. Da ich so besessen von meiner Klitoris war, suchte ich nach immer verrückteren Dingen. Und ich habe wirklich alles gesehen—große Schwänze, große Titten, Alt fickt Jung, eine MILF fickt alles, Lesben—das volle Programm.

Auf Frauen zugeschnittene Pornos haben mich eigentlich noch nie wirklich angemacht. Wenn ich mir etwas anschaue, dann irgendeinen Film, der auch Männer begeistern würde. Weibliche Erotik ist einfach nur ein weiterer Marketing-Jux und eigentlich eher etwas Anti-Feministisches. Frauen wie Erika Lust gehen mir total auf den Zeiger. — Dominique Loudières

Cover des französischen Erotik-Magazins „Newlook"

Ich muss so ungefähr 16 gewesen sein, als ich das erste Mal einen Porno geschaut habe. Ich wusste nicht so recht, was ich davon halten sollte, denn meine beste Freundin saß neben mir und hat während des ganzen Films über nur gelacht. Da sich meine ersten sexuellen Gedanken vor allem um Typen wie Leonardo DiCaprio und Michael Vartan drehten, fand ich diesen Streifen irgendwie nicht so geil—der Hauptdarsteller sah aus, als wäre er gerade aus dem Gefängnis entlassen worden, und grunzte ständig wie ein Schwein. Ich machte mir Sorgen, dass meine Eltern (die im Zimmer über mir schliefen) das Ganze hören konnten, und schaltete deswegen ständig um. Und das hat mich irgendwie denken lassen, dass jede komische Lage-Night-Talkshow sexy war.

Nachdem ich meine ersten richtigen sexuellen Erfahrungen gesammelt hatte, fing ich auch damit an, Pornos regelmäßiger zu konsumieren. Irgendwann wurde mir dann bewusst, wie meine Vorstellung von Sex komplett verzerrt wurde, und deswegen habe ich die Erotik-Streifen erstmal eine Weile wieder sein lassen. In letzter Zeit habe ich dem Genre allerdings noch mal eine Chance gegeben, beschränke mich dabei jedoch auf zwei bis drei Filme pro Monat.

Ich stehe nicht wirklich auf „frauenfreundliche" Pornos, sondern eher auf Hetero-Streifen mit hübschen Darstellerin und süßen „Der Typ von nebenan"-Darstellern. Entweder das oder Lesben-Kram. — Tamara Varennes

Ich bin wohl eher eine Art Jungfrau, wenn es um Pornos geht. Irgendwie wurde ich mit der ganzen Sache nie wirklich warm. Als ich zehn Jahre alt war, haben meine Cousine und ich uns Good-bye Emmanuelle angeschaut. Das war wohl irgendwie schon ziemlich aufregend. Uns war zwar total peinlich, was da über den Bildschirm flimmerte, aber wegschauen konnten wir auch nicht—und wir gaben definitiv nicht zu, dass uns das Ganze ziemlich geil gemacht hat.

Seitdem habe ich mir auch schon mal ein paar „echte" Pornos angeschaut, aber eigentlich immer nur im Beisein von Freunden. Aus irgendeinem komischen Grund fand ich bisher jedoch ausschließlich Lesben-Streifen tatsächlich anziehend. Das ist echt seltsam, weil ich eigentlich hetero bin. Wahrscheinlich gibt es auch dafür eine clevere wissenschaftliche Erklärung, ich habe sie bloß noch nicht gefunden. — Juliette Asselin

i-D: Feminismus und Pornografie gehen Hand in Hand

Meinen ersten Porno habe ich mit neun Jahren gesehen. Damals bin ich vor allem viel im Wald herumgetobt und habe mit meinen Freunden—die alle Jungs waren—kleine Hütten gebaut. Damals waren wir noch richtig unschuldig, aber das sollte sich schnell ändern.

Eines Tages ließen wir unsere Fahrräder in der Garage stehen und entschieden uns dazu, zu Hause zu bleiben und fernzusehen. Wir haben uns dann in eine alte, klebrige Decke gekuschelt und es wurde recht schnell offensichtlich, dass diese Decke nur da war, damit sich die Jungs ungestört in ihren Unterhosen herumfingern konnten (die in dem Zug übrigens auch klebrig wurden). Um mit der peinlichen Situation fertig zu werden, fing ich einfach das Lachen an.

Ich hielt das Konzept, sich bei Pornos selbst zu befriedigen, eigentlich für ziemlich aufregend, zog es jedoch vor, das Ganze allein und mit Filmen zu machen, die dann doch eine etwas ausgefeiltere Handlung beinhalteten. Zwischen 10 und 15 war ich ein richtiger Masturbationsprofi. Ich verbrachte Stunden damit, Pornos aus jeder erdenklichen Kategorie anzuschauen, vom normalen Missionarsstellungs-Sex bis hin zu ausufernden Orgien—und alles andere dazwischen auch.

Inzwischen bin ich nicht mehr so scharf auf Pornos, aber während sexueller Durststrecken greife ich trotzdem gerne noch mal darauf zurück. Allerdings stellt sich mir die Frage, warum man sich im Zeitalter von Tinder und Co. überhaupt noch selbst befriedigt, wenn ein potenzieller Sexpartner doch im Grunde nur einen Swipe entfernt ist. — Giuseppina Chevigny

Erotikfilme sind nicht wirklich mein Ding. Bei Pornos sieht das allerdings anders aus. Die Tatsache, dass ich hier alles haben kann, was mir gefällt, befriedigt die Voyeurin in mir. Ich war sechs Jahre lang mit meinem Ex zusammen, aber mit ihm konnte ich einen solchen Film nie anschauen. Für mich ist das eine richtig intime Erfahrung. Außerdem stehe ich nicht wirklich auf Hetero-Pornos.

Mit 17 bin ich noch auf YouPorn gegangen und habe nach den ekelhaftesten Dingen gesucht, die mir einfielen. Inzwischen bin ich jedoch etwas gemäßigter geworden und konzentriere mich vor allem auf Lesben-Szenen. Mir gefällt, dass es da ein wenig gefühlvoller zugeht und der Geschlechtsverkehr nicht so, nun ja, wild ist. Um ehrlich zu sein, schaue ich eigentlich gar nicht so häufig Pornos—vielleicht so fünf oder sechs Mal im Monat. — Sylvie Hecquet

Ich bin keine wirkliche Porno- oder Erotikfilm-Enthusiastin. Das ist noch nie mein Ding gewesen. Das ist wohl auch der Grund, warum ich mit diesem ganzen Genre erst eine einzige kurze Erfahrung gemacht habe. Als Teenagerin bin ich nach einer Party betrunken nach Hause gekommen. Dort habe ich anschließend den Kühlschrank leergefressen und den TV angeschaltet. Nach zwei Folgen Pimp My Ride bin ich dann aus Versehen bei einem Porno gelandet. Ganz verwirrt habe ich versucht, zwischen den ganzen riesigen Brüsten und Ständern die Handlung zu verstehen. Die Sexszenen an sich haben bei mir zwar nichts bewegt, aber bis heute bewundere ich die körperlichen Fähigkeiten der Darsteller dieses Films zutiefst. — Constance Dorival