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Die Wiener Polizei räumt Fotografen aus dem Weg, um Burschenschafter zu schützen

Vergangenen Samstag kam es am Wiener Rathausplatz zu einer Demonstration gegen den WKR Kommers, bei der Pressefotograf Kurt Prinz von einem Polizisten brutal zu Boden gestoßen wurde.
1.12.14
Foto von Kurt Prinz

Dieser Artikel ist Teil unserer Berichterstattung zum Akademikerball 2015.

Vergangenen Samstagabend kam es am Wiener Rathausplatz zu einer Demonstration, die die Besucher des Christkindlmarktes für kurze Zeit am Punschtrinken hinderte. Diverse Mitglieder deutscher und österreichischer Burschenschaften sollten daran gehindert werden, den Rathauskeller zu betreten, in dem sie den Kommers—also einen feierlichen Umtrunk—des Wiener Korporationsrings feiern wollten. Zwar ist die Demonstration nicht annähernd mit den Ausschreitungen rund um den Akademikerball, der mit Jänner wieder kurz bevorsteht, vergleichbar, aber zu Handgreiflichkeiten zwischen Polizei, Demonstranten und diesmal auch Journalisten kam es trotzdem—wenigstens der Twitter-Account der Wiener Polizei kam zum ersten Mal merklich zum Einsatz.

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Demoteilnehmer-danke für ruhigen Ablauf-lasst euch den Punsch schmecken @nowkr @noburschis @antifa @antifa_w @rosaantifawien
— POLIZEI WIEN (@LPDWien) 29. November 2014

In diesem Fall geriet der Fotograf Kurt Prinz, der für VICE schon auf diversen Demos das harsche Vorgehen der Polizei gegen Demonstranten dokumentiert hat, selbst mitten in ein Grangel. In seiner Beschwerde an die „Meldestelle für Verstöße gegen die Pressefreiheit", die vom Österreichischen Journalisten Club eingerichtet wurde, spricht er davon, dass er von einem Polizisten brutal zu Boden gestoßen wurde. Als Kurt mit seiner Kamera dokumentieren wollte, wie ein weiterer Burschenschafter am Rathausplatz eintraf, wurde er laut eigenen Angaben von einem Polizisten mit großer Wucht von hinten gestoßen. „Als ich bereits am Boden lag, deutete ein Beamter noch Schläge in meine Richtung an", sagt Kurt Prinz und verweist auf die ersten Sekunden dieses Videos von wientv.org, einer Plattform von unabhängigen Journalisten, die sich auf Video-Nachrichten spezialisiert haben.

„Ich habe in dem Gerangel versucht, meine Ausrüstung im Wert mehrerer Tausend Euro zu schützen, während zwei Polizisten zumindest mit einem Fuß auf mir gestanden sind und mich so am Boden hielten", erzählt Kurt Prinz uns weiter. Er selbst hat zwar keine gröberen Verletzungen von dem Vorfall davongetragen, der Präsident des Österreichischen Journalisten Clubs ersucht die Wiener Polizei jedoch, den Hergang zu untersuchen.

Hier die komplette Sachverhaltsdarstellung von Kurt Prinz:

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Ich verstehe, dass es zeitweise eine sehr schwierige Situation für die Beamten war, da Demonstranten und Burschenschafter sich oft unmittelbar gegenüber standen, das Ganze während einem sehr regen Betrieb am Markt. Jedoch war zu beobachten, dass einige Beamte übertrieben aggressiv auftraten und dadurch die Situation noch zusätzlich anheizten. Ich möchte auch erwähnen, dass einige Beamte eher deeskalierend, besonnener und ruhiger agierten als andere. Aber bei einigen Kollegen war zu spüren, dass sie nur auf Situationen wie kleine Rangeleien warteten, um dann mit voller Härte gegen alle loszugehen, die sich ihnen in den Weg stellten. Diese vorhandene Grundaggressivität war bei einigen Beamten in mehreren Situationen zu beobachten. So auch in meinem Falle. Die Demonstranten versperrten lediglich den Weg, attackierten den Burschenschafter aber nicht. Erst als die Polizeibeamten „dazwischen gingen", eskalierte die Situation und ich bekam einen starken Schlag von hinten ab, der mich dann auch zu Boden brachte. Das Gerangel ging dann genau über mir weiter, wobei ich auch hier einge Tritte abbekam. Diese Situation wäre sicher auch anders und durch weniger aggressives Auftreten bewältigbar gewesen.

Oberst Johann Golob, Leiter der Pressestelle der Wiener Polizei, hat sofort reagiert und versprochen, dass der Vorfall bereits von der zuständigen Stelle untersucht werde.

Verena auf Twitter: @verenabgnr

Alle Fotos von Kurt Prinz