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Bei Hulk Hogan gibt es lauwarme Nudeln—und eine strenge Kleiderordnung

„Hogan's Beach" nimmt dich mit auf eine Zeitreise in vergangene Tage, als der Wrestler noch wie ein Gott gefeiert wurde. Wir haben uns auf dieses Abenteuer eingelassen.
25.9.14

Ein übergroßes Airbrush-Porträt von Hulk Hogan, dem ehemaligen WWE-Champion und jetzigen Sprecher einer Kreditgesellschaft, überwacht den Parkplatz seines aktuellen unternehmerischen Vorhabens namens „Hogan’s Beach“. Dabei handelt es sich um eine Mischung aus Restaurant und Club, die Silvester 2012 in Tampa Bay, Florida, eröffnet wurde.

Am Anfang passierst du auf der Parkfläche einen „Nur für Motorräder“-Bereich und gehst durch eine klamme Best Western-Hotellobby—gesäumt von Hard Rock Café-ähnlichen Erinnerungsstücken in verstaubten Glasvitrinen. So fühlst du dich direkt zurückversetzt in eine Zeit, in der Steve Urkel noch der Streber war, Kelly Kapowski zum schönsten Mädchen der Schule gewählt wurde und Hulk Hogan dieser richtig coole Sportlehrer war, der auch mal ein Auge zugedrückt hat, wenn du geschwänzt hast, um zu kiffen.

Wenn man endlich am eigentlichen Eingang von Hogan’s Beach ankommt, kann man kaum glauben, dass dieser Traum eines Restaurants fast nur ein Traum geblieben wäre.

Obwohl Hulk Hogan in der Welt des Wrestlings sehr erfolgreich unterwegs war—er hielt zum Beispiel zehn Jahre in Folge den Titel „Best Babyface“—, waren seine Ausflüge als Geschäftsmann von Flops geprägt. Sein erstes Restaurant „Pastamania“ befand sich in der Mall of America und machte nach nur einem Jahr wieder zu. Nachdem er die Möglichkeit zur Übernahme der George Foreman Grill-Franchise ausgeschlagen hatte (bevor dann George Foreman einstieg), wollte Hogan alles wieder gut machen, indem er zur Werbefigur eines Mixers mit dem Namen „Hulk Hogan Thunder Mixer“ wurde. Das Gerät ist seitdem nicht mehr hergestellt worden.

Im Zeitraum von 2007 bis 2012 hatte Hogan aber auch mit einer ganzen Reihe von scheinbar unerbittlichen und öffentlich breitgetretenen persönlichen Tiefpunkten zu kämpfen. 2007 ließ er sich unter unschönen Umständen von seiner Frau Linda scheiden. Laut Berichten gingen dabei 70 Prozent des Barvermögens an sie (über den Verbleib des Thunder-Mixers ist nichts bekannt). Noch im gleichen Jahr wurde sein Sohn Nick mit 17 Jahren verhaftet, weil er bei illegalen Straßenrennen mitmachte und einen Unfall baute—sein guter Freund, ein Irak-Veteran, erlitt dabei einen Hirnschaden. Es folgte ein lang andauerndes und teures Gerichtsverfahren. Nick verbrachte sechs Monate im Gefängnis, bevor er auf Bewährung freigelassen wurde. 2008 begann für Hulk Hogan ein 19 Monate langer Albtraum: Er musste sich neun Rückenoperationen unterziehen und man sagte ihm, dass er nie wieder gehen würde. Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, wurde im April 2012 ein peinliches Sexvideo veröffentlicht, dass Hogan dabei zeigt, wie er sich mit der Frau seines besten Freundes vergnügt. Aber Hulk Hogan-Fans haben eins schon immer gewusst: So schnell gibt er nicht auf.

Man weiß nicht genau, ob Hogan’s Beach auch wirklich Hogans Comeback ist, aber er scheint all seine Energie in das Restaurant gesteckt zu haben. Das Ganze mutet wie ein Flashback in seine glorreichen Tage an und die Farbkombination aus Senf-Gelb und Ketchup-Rot ist eine Hommage an das berühmte Outfit des Wrestlers.

Ich setzte mich an einen Tisch neben eine Versammlung von mehr als 20 Gästen, die sich nur wie ein Treffen der amerikanischen Waffenliebhaberverbands beschreiben lässt. Dabei wurde mir klar, was die lebende Ikone alles durchmachen musste, um dieses Projekt fertig zu stellen.

Chefkoch Rob Uzzillia, ein Absolvent des Culinary Institutes of America, hat die Speisekarte des Restaurants so zusammengestellt, dass Hogan’s Beach „auch wegen des Essens einen Besuch wert ist und nicht nur für den Spaß am Strand.“ Spaß am Strand hatte ich wirklich, und ich habe auch mindestens die Hälfte der etwas überteuerten Fettuccine Alfredo mit Hühnchen aus der Mikrowelle gegessen, die mir lauwarm serviert wurden. Ich stellte die Kreation von Chefkoch Rob mal kurz beiseite, um mir die Terrasse des Restaurants anzuschauen—das Motto dort scheint „Tequila Sunrise trifft auf Fluch der Karibik“ zu lauten.

Man kann sich nur allzu gut vorstellen, wie dieser Hotspot von Tampa sich am Wochenende zum Lieblingsort von solchen Menschen verwandelt. Dort gibt es ja schließlich auch einen Parkplatz für Jetskis und die bekanntesten DJs der Gegend legen die heißesten Tracks auf. Kein Wunder, dass Hulk Hogan selbst Folgendes über die Atmosphäre sagt: „Es geht zu wie bei einer verrückten Strandparty … zu der Samstags oder Sonntags zwischen 3000 und 4000 Leute kommen.“

Dank eines Flyers weiß ich, dass am 31. Oktober im Hogan’s Beach eine „Nothing but 90s“-Halloween-Party stattfinden wird, bei der Vanille Ice auftritt. Die besten Kostüme der Kategorien „Sexy“, „Gruselig“ und „Total 90er-Jahre“ gewinnen 5000 Dollar in Cash.

Oh, dieses Etablissement denkt auch an das Allgemeinwohl. Als die berüchtigte „Bike Night“ (wie da wohl der Motorradparkplatz aussieht?) auf den 11. September fiel, veranstalte Hogan’s Beach eine Spendengala für das Wounded Warrior Project. Dabei trat auf der Hauptbühne Cross Eyed Larry auf—die Band selbst beschreibt ihre Musik als „Tampa Bay’s Best Rock and Roll“. Gleichzeitig legte auf dem Parkplatz ein DJ südamerikanische Musik gemischt mit Elektro auf, um den Truppen seinen Tribut zu zollen.
Als ich mich in Richtung Ausgang bewegte, fühlte ich mich, als wäre ich am Ende einer Zeitreise angekommen. Ich blickt noch mal zurück—und dabei fiel mir Folgendes auf:

Wie kann ein Mann, der Durags bei Weißen akzeptabel gemacht hat, seinen Gästen plötzlich verbieten, ein solches Kleidungsstück zu tragen? Und was ist mit dem Haufen anderer Dinge, die er in seinem Restaurant nicht sehen will?

  • Skullcaps und Bandanas
  • Trainingsklamotten (darunter Trainingsanzüge, Overalls, Jogginghosen und jegliche Art von sportlichen Shorts)
  • Mützen, Caps oder seitlich getragene Mützenschirme
  • Tarnmuster (außer, man ist beim Militär)
  • Arbeitsstiefel
  • Übertriebener Schmuck

Natürlich gibt es auch einen Grund für die einschränkende Kleiderordnung: „Hier wird eine Strandparty gefeiert, dazu muss man auch Strandklamotten tragen.“

Hulk Hogan hat im Laufe der Jahre wirklich viel für seine Fans getan. Mit diesem Restaurant scheint er sich an seine glorreichen Tage zu klammern und versucht dabei, der Hulk Hogan zu sein, den wir damals kannten und liebten. Irgendwie wünsche ich mir aber, dass er sein Durag endlich an den Nagel hängen und seinen Jetski vielleicht an einem anderen Strand parken würde.