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​Die AfD fährt mit Hitler-Kennzeichen durch Leipzig

Die Kennzeichen-Kombination soll natürlich wieder nur ein Zufall sein.

Matern Boeselager

Titelfoto via Facebook-Seite "No Legida"

Von Donnerstag bis Sonntag fand im Leipziger Stadtteil Grünau das 23. "Schönauer Parkfest" statt, bei dem am Freitag unter anderem die linken Rapper von der Antilopen Gang auftraten. Aber auch die Leipziger AfD war mit einem Infostand vertreten. Mitgebracht hatte sie außerdem einen mit Parteilogos dekorierten Mercedes-Kombi. Das Nummernschild: "L-AH 1818".

Das Nummernschild ist auffällig, weil sowohl "AH" als auch die Zahlenkombination "18" für "Adolf Hitler" stehen kann (die Zahlen verweisen dabei auf die Position der Buchstaben A und H im Alphabet). Neonazis benutzen solche Zahlenkombinationen gerne, um straffrei nationalsozialistische Parolen zu verbreiten.

Im Netz sorgt das Foto des Autos jetzt für Kopfschütteln. "Ist das Foto echt? Ist das Kennzeichen Vorsatz? Ist das Dummheit oder ...?" schreibt ein Nutzer auf Facebook. "Vermutlich war wieder mal der Praktikant in der Zulassungsstelle schuld", macht sich jemand auf Twitter lustig. "Der auf der Maus ausgerutscht ist", schreibt ein anderer—und spielt damit auf Beatrix von Storchs berühmte Ausrede an.

Eine Facebook-Seite der AfD Leipzig hat bereits reagiert. Dort bestreitet man nicht, dass das Foto echt ist, sondern macht sich stattdessen über "unsere Freunde aus dem linken Spektrum" lustig, denn die "sehen wieder überall Nazis, wie paranoid. Bald müssen sich noch alle Menschen entschuldigen die am 20.4. Geburtstag haben [dem Geburtstag Adolf Hitlers]!"

Auf Anfrage bei der Leipziger AfD erklärte der sächsische Landtagsabgeordnete Uwe Wurlitzer gegenüber VICE, das Auto gehöre weder dem Landes- noch dem Leipziger Kreisverband, sondern dem Leipziger Kreisvorsitzenden Siegbert Droese. Er wolle sich am Montagnachmittag mit Droese über das Kennzeichen unterhalten, bis dahin könne er aber nichts weiter dazu sagen.

Droese gehört zum rechten Flügel der AfD in Sachsen, er ist Mitglied der "Patriotischen Plattform", einer nationalistischen Gruppierung innerhalb der AfD, die unter anderem "gegen die Herausbildung einer multikulturellen Gesellschaft" kämpft. Im Januar hatte Droese sich öffentlich für einen "Schulterschluss" mit Pegida eingesetzt, den seine Parteifreunde allerdings ablehnten. Droese hatte auch an der allerersten Legida-Demo teilgenommen.

Was das Ganze noch verdächtiger macht, ist die Tatsache, dass die Leipziger AfD schon einmal mit einem zweideutigen Nummernschild von sich reden gemacht hat: Im Februar 2015 tauchte in einer Internetbörse ein Auto mit der Kombination "L-GD 3345" auf. Schon damals wurde gerätselt, ob es sich dabei um einen Zufall handelt—oder vielleicht doch eine Abkürzung für "Großdeutschland 1933-1945".

Dass jetzt schon wieder ein Auto mit rechtsextremen Zahlenkombinationen bei der Leipziger AfD aufgetaucht ist, wirft ein paar Fragen auf. Natürlich ist es möglich, dass die Zulassungsstelle dieses Schild zufällig zugeteilt hat. Die Kombination "AH 1818" ist in Sachsen nicht verboten (in Bayern zum Beispiel schon). Aber selbst dann ist fragwürdig, dass niemand gemerkt haben will, wie das Nummernschild wirken könnte. Auf der Facebook-Seite der AfD drückt ein wütender Nutzer das so aus: "Wer immer das zu verantworten hat, ist entweder ein Trottel oder Nazi. Beides disqualifiziert."