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Drogen

Warum Kiffen „unendlich mal schlimmer“ ist als Rauchen

Jeder schlecht gelaunte Kioskbesitzer ist immer noch besser als dein Dealer.
Manisha Krishnan
Toronto, CA
13.10.15

Foto: Raquel Baranow | Flickr | CC BY 2.0 Als der amtierende Premierminister Kanadas, Stephen Harper, während einer Wahlkampfveranstaltung vor Kurzem zu seiner Haltung gegenüber Marihuana gefragt wurde, lautete seine wohl überlegte Antwort:

„Tabak ist ein Produkt, das viel Schaden anrichtet. Marihuana ist unendlich mal schlimmer und etwas, das wir nicht unterstützen wollen."

Dann setzte er noch einen drauf und verwies auf „erdrückende wissenschaftliche und medizinische Beweise für die negativen Langzeitfolgen des Marihuana-Konsums."

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Menschen, die bei solchen Dingen wie wissenschaftlichen Beweisen etwas pedantischer sind, spüren jetzt vielleicht den Drang, darauf hinzuweisen, dass diese Aussage jeglicher Grundlage entbehrt. Wenn wir auf die Statistiken schauen, dann verursachen Zigaretten einen wesentlich größeren Schaden als Marihuana (für bislang noch keinen einzigen bekannten Todesfall verantwortlich). Und wo wir schon bei Zahlen und Statistiken sind: Als eifriger Faktenchecker könnte man außerdem einwenden, dass es, da es doch eine Menge Methoden gibt, um die negativen Folgen von Marihuana-Konsum mit denen von Zigaretten zu vergleichen, die ganze Angelegenheit technisch gesehen durchaus endlich ist.

Aber wir wollen hier ja keine Haarspalterei betreiben. Wenn man triviale Faktoren wie Krankheit und Sucht außen vor lässt und sich auf die Dinge konzentriert, die wirklich wichtig sind—ungestillte Fressflashs und die nervige Jointbauerei (vorausgesetzt man kauft sich keinen Drehtabak)—, muss man dem kanadischen Premierminister durchaus recht geben. Die folgende Liste liefert den endgültigen Beweis, dass Weed „unendlich" schlimmer als Tabak ist.

Es hilft dir nicht gerade dabei, flachgelegt zu werden

Im Gegensatz zu den viel cooleren schlechten Angewohnheiten wie Rauchen und Alkohol ist Gras unglaublich schlecht dafür geeignet, dein Sozialleben anzukurbeln. Selbst Nichtraucher wissen, dass der Raucherbereich der Ort auf Partys ist, an dem man am leichtesten miteinander ins Gespräch kommt. Dort ist es meistens nicht besonders voll und mit der einfachen Frage nach Feuer hat man sofort einen heißen Flirt vom Zaun gebrochen. Im Gegensatz dazu ist es hochgradig unwahrscheinlich, dass dein THC-umnebelter Denkapparat es hinbekommt, eine geistreiche Bemerkung hervorzubringen oder ein schönes Kompliment zu machen—wenn du es überhaupt schaffst, einen vollständigen Satz zu formen.

Bei einem Trashfilm-Abend mit einem Schwarm war ich irgendwann so sehr in meinem eigenen Kopf gefangen, dass ich gefühlte 15 Minuten über jeden sarkastischen Kommentar grübelte, den ich eigentlich zu Piranha 3D abliefern wollte—ein Film, in dem einem Mann von einem Fisch der Penis abgebissen wird. Das war so schlimm, dass mich einer meiner Freunde irgendwann fragte: „Was zur Hölle ist mit dir los? Du hast seit zwei Stunden kein Wort gesagt." Das ganze Debakel wäre leicht vermeidbar gewesen, hätte ich statt zur Bong zu ein paar guten Zigaretten gegriffen.

THUMP kennt alle Typen, die man nachts im Raucherbereich trifft

Du gibst dein Geld für Zeug aus, an das du dich danach nicht mehr erinnern kannst

Vor ein paar Jahren trat Lauryn Hill im Zuge ihrer Comback-Tour zusammen mit dem Wu-Tang Clan und A Tribe Called Quest beim Rock the Bells HipHop-Festival auf. Also sind eine Freundin und ich nach San Francisco geflogen, um die Show zu sehen. In der Konzerthalle angekommen rauchten wir erst mal zwei Blunts und aßen jede einen Brownie. Noch bevor der erste Act durch war, befanden wir uns natürlich schon im tiefsten Koma. Ein Fremder, der in unserer Nähe saß, versuchte, uns wachzurütteln—er hatte vorher noch mitbekommen, wie wir darüber gescherzt haben, wie bescheuert es doch wäre, wenn wir den ganzen weiten Weg hierher kommen und Lauryn Hill verpassen würden. Ich erinnere mich noch daran, wie ich ihn nur verwirrt und mit glasigen Augen anstarrte, kurz mit den Schultern zuckte und sofort wieder einschlief.

Am Ende hatte jede von uns 600 US-Dollar für ein vierstündiges Nickerchen ausgegeben. Ich wünschte, ich könnte hier von einer absoluten Ausnahme reden, aber ich habe bekifft schon eine ganze Menge Shows verpennt und kann mich an die Handlung von so gut wie keinem Film erinnern, den ich zwischen 2005 und 2010 gesehen habe. Nikotin auf der anderen Seite wirkt anregend. Es kann dich stundenlang wachhalten und wird sogar für Schlafstörungen verantwortlich gemacht.

Dealer sind nervig

„Sei in 15 Minuten da", heißt es eindringlich am Telefon und eine Stunde später hängst du immer noch im Vorraum der Bank ab, wo die Geldautomaten stehen und die Obdachlosen schlafen. Draußen ist es nämlich scheiße kalt und sein schwarzer BMW weit und breit nirgendwo zu sehen. Wenn du Glück hast, kannst du deinem Typen per SMS genau sagen, was du willst. Es ist aber viel wahrscheinlicher, dass du es mit irgendeinem Trottel zu tun hast, der darauf besteht, dass ihr in lächerlichen Codewörtern kommuniziert. Dann taucht der Hänger endlich auf und, obwohl du voll angepisst bist, bleibst du freundlich, denn er ist heute Abend deine einzige Hoffnung auf einen schönen Rausch.

Obendrein hat er das Zeug auch noch in einer verdammten Serviette gepackt, damit sich der Duft auch schön in deiner ganzen Tasche und allen darin befindlichen Dingen festsetzt. Zuhause angekommen beschleicht dich die dringende Vermutung, dass du gerade ziemlich abgezogen worden bist—obwohl du den Typen sogar zu deinem Freundeskreis zählst. Was ich eigentlich sagen will: Der netteste Dealer ist immer noch schlimmer als dein durchschnittlich genervter Trafikant.

Es gibt einfach zu viele verdammte Sorten

Nach jahrelanger Selbstmedikation mit Gras kommst du vielleicht mal an einen Dealer, der etwas besser aufgestellt ist als die oben genannte Serviettenfraktion. Das ist dann die Sorte von Typ, die erst ab einer Mindestbestellung von zehn Gramm überhaupt in Erwägung zieht, das Bett zu verlassen, und von dir verlangt, dass du dir einen Messenger wie Signal oder Threema zulegst. (Er ist trotzdem immer viel zu spät. Das wird sich nie ändern, sorry.) „Ich habe gerade ein bisschen Blue Tuna Crush, Dark Forest oder Ice Bomb hier, aber das hängt ja auch davon ab, ob du eher auf der Suche nach Sativa oder Indica bist. Die Preise sind natürlich unterschiedlich." Während du in deinem Hirn noch angestrengt überlegst, ob ihr euch gerade über Pokémon Moves oder Cannabis-Sorten unterhaltet, wünscht du dir wahrscheinlich nichts sehnlicher, als dich lediglich zwischen Normal, Light und Menthol entscheiden zu müssen.

Es gibt keine Qualitätskontrolle

Sei mal ehrlich, du wärst wahrscheinlich ziemlich angepisst, wenn du in deiner Zigarette einen Samen oder einen Stängel finden würdest. Aus irgendeinem Grund aber ist das in der Welt des Cannabisgeschäfts keine Ausnahme, sondern die Regel—zumindest wenn du über Weihnachten wieder in deinem Heimatkaff bist und versuchst, kurz vor dem Familienessen noch was klar zu machen. Nachdem du herausgefunden hast, dass dein alter Dealer mittlerweile für Meth im Knast sitzt, meldest du dich bei dem kleinen Bruder deiner besten Freundin, den du das letzte Mal gesehen hast, als er 15 war. Der kommt dann in seinem abgeranzten Ford Ka angebraust und verlangt 10 Euro für ein geruchloses Häuflein Elend, das er offensichtlich aus seinen eigenen Drehresten zusammengekratzt hat. Im Gegensatz dazu hast du bei Zigaretten nur nach einem Regierungsbeschluss mit einem Preisanstieg zu rechnen.

Motherboard hat den Fress-Flash wissenschaftlich untersucht

Paranoia

„Fuck, es ist erst 10 Uhr und meine Nachbarn werden mich für den letzten Asozialen halten, wenn ich ihnen jetzt so im Hausflur begegne", denkst du dir, nachdem du die schlecht durchdachte Entscheidung getroffen hast, dir am Dienstagmorgen direkt nach dem Aufstehen einen dicken Joint anzuzünden. Du versuchst, dir vergeblich einzureden, dass du dir nur unnötig Panik machst, aber deine knallroten Augen und der von dir ausgehende Geruch—eine Mischung aus Skunk und Frittierfett—hilft nicht gerade. Erfolg riecht nach Aschenbecher und hat Kaffeeatem, vergiss das nicht.

Dass das hier alles viel schlimmer als Lungenkrebs ist, versteht sich von selbst.