Auf LSD in einer verlassenen Militärbasis

Für den zweiten Teil unserer neuen „Auf LSD..."-Reihe dachten wir, es wäre doch schön, jemanden auf LSD eine Nacht in einem verlassenen Gebäude verbringen zu lassen. Also, schön für uns, nicht so schön für...

|
03 August 2011, 5:07pm

Für den zweiten Teil unserer neuen „Auf LSD..."-Reihe dachten wir, es wäre doch schön, jemanden auf LSD eine Nacht in einem verlassenen Gebäude verbringen zu lassen. Also, schön für uns, nicht so schön für die Person, die LSD nimmt.

Wir haben uns für ein verlassenes Air Force-Gebäude Upwood in Cambridgeshire entschieden, denn ich habe gelesen, dass dieser Ort nicht bewacht wird und ich dachte mir, dass es vielleicht  gut wäre, nicht auch noch die Polizei am Hals zu haben, wenn ich sowieso schon eine innere ethische Krise habe, weil ich absichtlich versuche, jemandem auf Acid Angst einzujagen.

Hier isst unser Testobjekt, Rich, gerade einen der beiden mit Acid versetzten Zuckerwürfel, die er auf dem Weg genommen hat.

Es war noch immer irgendwie hell, als wir ankamen.

Und wir haben Beweise dafür gefunden, dass letztens erst ein gut trainierter Hund hier vorbeigekommen sein muss.

Rich ist sofort zu einem mutigen Entdecker geworden. „Ich habe ein wenig Angst, aber mein Sinn für's Abenteuer macht das wett."

Ziemlich schnell wurde klar, dass das Acid nicht seinen gewollten Effekt haben würde (entsetzliche Halluzinationen, rennen, schreien, das Ding in dem Film, wo Helen Hunt aus einem Fenster springt). Hier zum Beispiel verschwindet Rich alleine durch eine Luke im Dach, um auf Entdeckungsreise zu gehen. Das würde ich nicht mal nüchtern machen.

In einem der Gebäude wäre Rich fast auf dieses tote Schaf getreten. Was ihm noch immer keine Angst eingejagt hat, er war davon nur fasziniert. Jetzt wäre ein guter Zeitpunkt, um zu erwähnen, dass ich ihm eine Taschenlampe in Form eines Legomännchens gegeben habe, weil ich dachte, dass das die Bilder komischer macht.

Während wir diesen Flur entlang gegangen sind, haben wir ein metallisches Kratzgeräusch gehört.

Als wir näher und näher kamen, haben wir gemerkt, dass es von oben kommt. Während ich mich mit dem Mädchen, dass uns hingefahren hat, zusammengekauert und „Oh mein Gott, es ist direkt über uns!" geflüstert habe, ist Rich einfach weitergegangen. Als sich die extrem lauten Tauben endlich zeigten und wir wie wahnsinnig mit den Armen gefuchtelt und „HEILIGE SCHEISSE!" geschrien haben, ist Rich ruhig an uns vorbei geschlendert. „Das wäre sowieso niemals was Gefährliches gewesen."

Sehr ihr? Nicht mal ein menschenfressender Ofen hat ihn aus der Ruhe gebracht.

Uff, ich weiß auch nicht. Wir sind ein paar Stunden da rumgelaufen. Wir haben einen Haufen Räume erforscht, sind auf ein paar Türme geklettert und die Landebahn entlang gegangen. Ich werde das nicht hier posten, das ist nicht Flickr. Rich war die ganze Zeit enttäuschend mutig.

Gerade als ich dachte, dass Rich die ganze Nacht lang komplett unerschütterlich bleiben würde, hat er sich zu mir gewandt und gesagt „Ich fange an, diese intensiven Angstschübe zu kriegen. Alles hört sich für mich echt laut an. Irgendwas stimmt mit diesem Ort nicht ..." Und ab diesem Punkt wurde es gruselig. Wir waren gerade dabei, ein Gebäude zu untersuchen, als wir den Schein einer fremden Taschenlampe an der Wand sahen. Wir haben unsere ausgemacht und sind durch die Dunkelheit in das nächste Gebäude gerannt, um uns zu verstecken.

Ich konnte sie sehen. Drei Typen in schwarz, einer von ihnen hatte einen Schlagstock, um Sachen zu zertrümmern. Im Nachhinein waren sie entweder Sicherheitsleute oder eben auch nur auf Entdeckungsreise und das Schlimmste, was passieren hätte können, wäre gewesen, dass wir vom Gelände geschmissen werden/uns mit Typen von der Security unterhalten müssen, aber in dem Moment war es einfach nur verdammt furchterregend.

Mein Angst-Level wurde auch dadurch nicht besser, dass Rich in einem totalen Panik-Modus war und Sachen gesagt hat, wie: „Hast du diesen Schatten gesehen? Sieht das nicht aus wie ein Schädel? Wie ein Frauenschädel, der zersetzt und verrottet ist, aber die Haare sind noch immer dran. Oder vielleicht ein toter Hund. Irgendwas schlimmes. Irgendwas verrottendes Totes." Ich hab ihn sogar einmal schlucken gehört. Also, ein richtiges, hörbares Scooby Doo-Schlucken. Ich wusste nicht, dass man das tatsächlich macht.

Nachdem wir uns eine Zeit lang versteckt hielten, stand fest, dass diese Leute nirgendwo hin gehen würden, also haben wir uns entschlossen, uns heimlich zum Auto zurückzuschleichen. Ich bin mir nicht sicher, ob es das Acid war oder Rich von Natur aus flink ist, aber er hat es irgendwie geschafft, sich zwei mal schneller als alle anderen zu bewegen, und das geräuschlos. Einmal hab ich ihn verloren, obwohl er direkt neben mir war. Ich habe ihn hinter einem Baum kauernd gefunden und er machte „Shhhhh!". Gerade, als wir uns dem Ausgang näherten, fuhren zwei Autos ran. Wir sind weggerannt und haben uns im Gebüsch versteckt, wo Rich sich aus Versehen auf seine Taschenlampe gesetzt und sie angeschaltet hat (genau das hat zu den ganzen Problemen in Jurassic Park geführt).

Wir haben flüsternd geschrieen „SCHALT SIE AUS!", aber er hat es nicht bemerkt, bis es zu spät war. Die Autos kamen an und haben uns direkt ins Gesicht geleuchtet. Ich konnte nicht erkennen, wer in den Autos saß, weil ich geblendet war, aber ich entschied, meinen Mann zu stehen und mit ihnen zu reden. Ich bin zum Auto gegangen und ich schwöre, ich denk mir das nicht aus, sie fuhren zurück, hielten an und spielten sehr sehr laut „Total Eclipse of the Heart". Wir entschlossen uns, einfach abzuhauen und liefen weiter auf den Ausgang zu.

Währenddessen fuhren die Autos ein paar mal um uns herum, spielten immer noch Bonnie Tyler und leuchteten uns an, damit wir sie nicht sehen konnten. Als wir am Tor ankamen, hörte die Musik auf und sie fuhren weg.

Als wir zurück im Auto waren, habe ich mit Rich (im Bild oben, wie er gerade ein Straßenlicht bewundert) über die Erfahrung gesprochen. Wie sich herausstellte, war er der einzige in unserer Gruppe, der während des Bonnie Tyler Vorfalls keine Angst hatte. Er meinte, er hat die ganze Zeit versucht, nicht zu lachen, was bedeutet, dass dieser Artikel auf die direkteste Art und Weise überhaupt nach hinten los gegangen ist. Aber selbst wenn wir Idioten sind, die eine zehnstündige auf sich genommen haben, um einem Typen auf Drogen Angst einzuflößen, nur um uns schließlich selbst zu fürchten - der Gedanke, dass „Total Eclipse of the Heart" für den Rest seines Lebens bei Rich einen Acid-Flashback auslöst, ist mir Trost genug.

Schlussfolgerung: Acid zu nehmen, macht dich immun gegen gelangweilte Vorort-Teenager, die versuchen, dich an gruseligen Orten zu erschrecken.


ZUSÄTZLICHE FOTOS: JIM CLARKE

Vorher: AUF LSD IM VERGNÜGUNGSPARK