Der Analprolaps ist im Mainstream angekommen

„Es riecht wie Blut. Und schmeckt wie rohes Fleisch. Es ist etwas, dem du nie zuvor ausgesetzt warst. Aber es berührt eine Stelle tief im Inneren.“ So beschreibt die 29-jährige Pornodarstellerin Sheena Shaw den Reiz von „Rosebud“—einer extremen...

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19 Juni 2014, 9:56am
 „Es riecht wie Blut. Und schmeckt wie rohes Fleisch. Es ist etwas, dem du nie zuvor ausgesetzt warst. Aber es berührt eine Stelle tief im Inneren." So beschreibt die 29-jährige Pornodarstellerin Sheena Shaw den Reiz von „Rosebud"—einer extremen Variante des Analsex, die in der Welt des Porno immer beliebter wird. 

Die Bezeichnung Rosenknospe stammt von den Blumen, die du zum Valentinstag geschenkt bekommst, doch damit endet die Analogie zur romantischen Liebe auch schon. Der sexuelle Akt, auf den sich Shaw spezialisiert hat, beinhaltet eine anale Prolapse—eine Erkrankung, bei der die inneren Wände des Rektums kollabieren und aus deinem Arschloch schlüpfen. Das tiefrote innere Gewebe blüht wie eine Wüstenrose aus dem Anus (Stichwort !).

Natürlich sind extreme Analpraktiken wie Rosebud, Fisting, Einläufe und Ass Gaping in der SM-Szene und selbst in der Pornoindustrie nichts Neues. Neu ist jedoch, dass der Hardcore-Sex von den Rändern zur breiten Masse vordringt. „Jeder wird dazu gedrängt, es anal zu machen", sagt Sheena. „Die Kultur bringt uns bei, was wir mögen sollen und was nicht."

Was früher tabu war, ist jetzt eine feste Größe—davon nimmt auch die Öffentlichkeit Notiz. In einen Thread mit dem Titel „Increased Visibility of Anal Prolapse: Reasons?", der im September 2013 im Onlineforum Adult DVD Talk geführt wurde, kommentierte ein User: „Analprolaps: Früher war es Mädchen vorbehalten, die eine doppelte Analszene zu viel gemacht haben (Ava Devine, Amy Brooke: wir meinen euch). Jetzt sehen wir immer mehr davon auf den Bildschirmen, selbst bei Darstellern, die ziemlich neu in der Branche sind." Was also ist der Grund für das Sprießen Tausender Rosenknospen? Derselbe User stellte die Vermutung auf, dass die Darstellerinnen ihre Prolapsen früher vor der Kamera versteckt hielten. „Sie zeigen sie erst jetzt, weil sie akzeptabel geworden sind und es einen wachsenden Markt für sie gibt."

In der Tat haben große Pornounternehmen wie Evil Angel angefangen, hochwertige Extreme-Anal-Filme mit hoch gehandelten Pornostars zu produzieren. Wenn sich ein solcher Trend einmal etabliert hat, ist es dank der sich selbst erneuernden Feedbackschleife so gut wie garantiert, dass er sich weiter ausbreitet. „Wenn ein hinreißender Pornostar mitmacht, ist das für Fans des extremen Analpornos legendär. Was wiederum bedeutet, dass auf die Mädchen, die dazu bereit sind, noch mehr Gigs warten", sagt der in Kalifornien ansässige Pornoregisseur Jay Sin. Er kennt diesen Effekt aus erster Hand. Seine Filme wie Deep Anal Abyss, Anal Acrobats und Anal Buffet haben Kultstatus erreicht. (Von Anal Buffet gibt es mittlerweile neun Folgen.)

Doch die Schlussfolgerung, dass sich von deinem Boss bis hin zu deinem unheimlichen Onkel jeder diese Filme anschaut und davon angeturnt wird, dass sich Mädchen ihre Innereien aus den Arschlöchern drücken, ist beunruhigend—und zu einfach. Dass Pornos in den letzten Jahrzehnten aggressiver und gewalttätiger geworden sind, könnte nicht nur an einem veränderten Geschmack liegen, sondern auch am Einfluss des Internets. 

Die Menge von Amateurvideos, die umsonst auf Streaming-Seiten verfügbar sind, stellt die kommerzielle Branche vor ein gewaltiges Problem. Warum solltest du für einen Film in die Tasche greifen, wenn Tausende Videos von Paaren, die in ihrem Schlafzimmer ficken, nur ein paar Klicks entfernt sind? Als Reaktion darauf hat sich die Branche ihre Nischen gesucht, die für umsonst nicht so einfach zu finden sind. Das Mädchen von nebenan kann vielleicht Blasen wie Sasha Grey, doch dass sie auf Kommando einen Rosebud zeigen kann, ist ziemlich unwahrscheinlich. 

Der Blogger Mike South, der als „König des Pornogossip" bekannt wurde, glaubt, dass der kommerzielle Porno durch seine Hinwendung zu Extremen die Verbindung zur Basis der Fans, die durch Rosebuds angeekelt wären, verloren hat. Als er 1992 als Pornoregisseur und Darsteller in die Branche eintrat, wurde am laufenden Band produziert, sagt South. Ein überschwemmter Markt bedeutete, dass Filme anders sein mussten, um aufzufallen. „Am Anfang war es relativ harmlos, es waren Sachen wie Gangbangs und Analsex", erinnert er sich. „Dann wurden Frauen als Preteens verkleidet, von Schaukeln auf dem Schulhof geholt, so lange zum Oralsex gezwungen, bis sie sich erbrochen haben und zum Analsex gezwungen ... Je gequälter das Mädchen aussah, desto stärker war die Beachtung in der Branche."

„Porno-Unternehmen sind wie Amseln auf einer Telefonleitung", fährt er fort. „Wenn eine losfliegt, fliegen alle hinterher. Ich denke, dass in diesem Fall alle in ein Glashaus geflogen sind."

Auch für Darstellerinnen war Rosebud eine Möglichkeit, um sich von den Mitstreiterinnen abzusetzen. Der Weg dorthin ist allerdings nicht einfach. Die Praxis erfordert wiederholte und langwierige Szenen mit riesigen Objekten im Arsch, durch die die Wände deines Rektums so weit gelockert werden, dass du sie aus deinem Anus ziehen kannst. Sheena vergleicht das Gefühl mit der Geburt eines Babys—es gibt nur Wenige, denen es gelingt, es „direkt rausplumpsen" zu lassen. Die meisten müssen sich in der Nacht zuvor auf die anale Meisterleistung vorbereiten und mit eingesetzten Buttplugs schlafen, um das Arschloch zu dehnen. Außerdem trainieren sie sich eine starke abdominale Kontrolle an, indem sie ihre Schließmuskeln und den Beckenboden entspannen und die abdominalen Muskeln anspannen. „Ich wünschte, es würde noch wehtun, aber das tut es nicht", lacht sie. 

Dennoch sind selbst zugefügte Analprolapsen extrem riskant. Nur wenige Darstellerinnen werden es riskieren, durch dieses Geständnis Fans zu verlieren, doch Darmprobleme sind eine häufige Nebenwirkung von wiederholten Rosebud-Szenen. Zwar geben viele Stars an, Pausen zu machen, doch selbst das hilft nicht, um alles wieder zu straffen. Rektaloperationen, die normalerweise nur ältere Menschen in Anspruch nehmen, sind die einzige medizinische Lösung gegen einen undichten Arsch. 

Das Problem ist, dass viele Darstellerinnen in einer Branche, in der man der Mundpropaganda mehr vertraut als Fakten, die langfristigen Gesundheitsrisiken nicht kennen oder nicht daran glauben. „Als ich [mit Rosebud] anfing, war ich mir der Konsequenzen nicht bewusst", gibt Sheena zu. „Die Leute haben gesagt: ,Ach, das ist ein Mythos.' Aber ich kenne Frauen, die stark verletzt wurden und in ihren Arschlöchern Risse und Fissuren hatten."

Roxy Raye, Foto mit Genehmigung von RoxyRaye.com

Roxy Raye, eine weitere Königin des Analverkehrs, die sich auf Rosebud-Szenen spezialisiert hat, glaubt an die Unbesiegbarkeit ihrer körperlichen Fähigkeiten. „Ich würde nicht sagen, dass ich mir über langfristige Folgen Sorgen mache. In den sechs Jahren, in denen ich es gemacht habe, ist es immer sehr gut wieder verheilt", behauptet sie. „Ich glaube, den meisten ist es nicht klar, was für ein elastischer Muskel der Arsch ist. Vielleicht bin ich das erste Versuchskaninchen, das in zehn bis fünfzehn Jahren von den Folgen berichtet."

Die verbreitete Einstellung zu den Nebenwirkungen von Rosebud ist vielleicht am besten von Jay Sin auf den Punkt gebracht worden, der bei mehreren von Roxys Filmen Regie geführt hat. „Wenn es [Nebenwirkungen] geben sollte, macht das nichts", sagt er flapsig. „Sie könnte ja damit aufhören."

In gewisser Weise sind Pornostars, die sich auf Rosebud einlassen, wie Hochleistungssportler, z.B. Football- oder Eishockey-Spieler. Beide nehmen für deine Unterhaltung physische Verletzungen in Kauf. Allerdings bekommen Pornodarstellerinnen nur äußerst selten mehr Geld für Rosebud-Szenen als für „normalen" Analsex. (Obwohl Analköniginnen wie Roxy und Sheena noch immer höhere Preise dafür veranschlagen als andere Stars.) Als ich Sheena fragte, welche Mittel ihr zur Verfügung stehen, wenn sie sich am Set verletzen sollte, antwortete sie: „Darüber wird nicht gesprochen. Vor diesen Szenen lassen sie dich Verzichtserklärungen unterschreiben. Eine Unfallversicherung kriegst du auf gar keinen Fall."

Bei der Frage, was mit den Darstellern passiert, wenn sie die Branche verlassen, merkt South mürrisch an, dass es kein Netz gibt, das sie auffängt, wenn sie Probleme mit ihrem Unterleib bekommen sollten. 

Das einzige, was der nächsten Welle an Rosebud-Stars übrig bleibt, ist, auf den Rat erfahrenerer Darstellerinnen zu hören. Sheena Shaw erinnert sich, wie die legendäre Anal-Veteranin Amy Brooke jüngeren Darstellerinnen erklärte, worauf sie sich bei Rosebud einlassen. „Macht weiter und ihr werdet zu Sprecherinnen für Erwachsenenwindeln."