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Warum Männer eher zu rechtsorientierter Politik tendieren

Hätten am Sonntag nur Männer gewählt, wäre das Ergebnis eindeutig gewesen.
23 Mai 2016, 7:40am

Warum Frauen klüger sind als Männer. #bpw16pic.twitter.com/MXsVjjR3fN
— Daniel Mack (@danielmack) 22. Mai 2016

Bereits nach der ersten Runde der Bundespräsidentschaftswahl am 24. April gab es viele Diskussionen darüber, welche Bildungs- und Erwerbsschichten welchen Kandidaten favorisiert hatten. Demnach würden Personen mit Matura oder Uni-Abschluss eher Van der Bellen wählen, Personen ohne Matura hingegen tendieren zu Hofer. In der Gruppe der Arbeiter holte Norbert Hofer 86 Prozent der Stimmen, Van der Bellen hingegen spricht vor allem Angestellte an. Aber auch im Hinblick auf die Geschlechter zeichnet sich ein Trend ab, der vermuten lässt, die FPÖ wäre Männersache.

So wählten laut der Wahltagsbefragung der ISA/SORA 60 Prozent der männlichen Wähler Norbert Hofer, beim weiblichen Wähleranteil verhält sich die Aufteilung spiegelverkehrt—60 Prozent der Frauen stimmten für Alexander Van der Bellen. Warum sind männliche Wähler anfälliger für rechtsorientierte Politik? Sind Männer das große Problem? Oder Mikropenisse?

Der amerikanische Soziologe Michael Kimmel glaubt, in dieser Tendenz vor allem männliche Verunsicherung zu erkennen. So hätten Väter früher ihren Söhnen ein traditionell hierarchisches Rollenbild vorgelebt, das Männer heutzutage nicht mehr ausfüllen können. Männer fühlen sich in ihrer Männlichkeit bedroht, die konservativen Werte einer FPÖ würden dabei einen Leitspruch à la "Bei uns wirst du wieder zum richtigen Mann" vermitteln, so Kimmel gegenüber dem ORF.

Das Phänomen begrenzt sich nicht nur auf Österreich: "Wir sehen in allen westlich-industrialisierten Ländern, dass junge Männer mehrheitlich rechts wählen, während junge Frauen sich für linke beziehungsweise grüne und liberale Parteien entscheiden." Auch die AfD, das deutsche Pendant zur FPÖ, erfreut sich einer überwiegend männlichen Wählerschaft.

Dr. Sigrun Roßmanith, Psychotherapeutin in Wien, will die Motivation der Wählerinnen nur sehr vorsichtig einschätzen. Es gäbe immerhin Frauen, die sich nach einem Bundespräsidenten sehnen, der "alles richten wird, an den sie sich anlehnen können"—Attribute, die sie Hofer zuschreibt—, und wiederum andere, die sich mehr Harmonie wünschen und daher mit Van der Bellen sympathisieren. "Es gibt aber beide Arten von Frauen", glaubt Roßmanith.

Andrea Römmele, Professorin für politische Kommunikation in Berlin, erklärt gegenüber Zeit Online, die aggressive Rhetorik einer AfD oder FPÖ spreche einen bestimmten Typus von Männern an, Frauen hingegen "lehnen das Gewaltsame ab". Und wahrscheinlich ist es auch genau das, was Frauen 2016 zu den besseren Wählern macht. Nicht auszudenken, dass sie in Österreich vor weniger als 100 Jahren noch gar keine waren.

Franz auf Twitter: @FranzLicht