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Die besten Videos von "freien Bürgern", die sich mit der Polizei anlegen

Dieser YouTube-Kanal sammelt Videos von Menschen, die sich mit Internet-Halbwissen gegen Polizisten behaupten—und damit ordentlich auf die Fresse fallen.

von Joe Bish
16 Juni 2016, 4:00am

Titelfoto: Screenshot aus dem YouTube-Video 'Insane Sovereign Citizen "Article 4 Free Inhabitant" Loses It When Arrested' von Not Personal

WER: Not Personal
WAS: Videos von Leuten, die erfolglos versuchen, Gesetze zu umgehen, indem sie sich zu "freien Bürgern" erklären
AKTUELLE ABONNENTENZAHL: 1.317
WARUM SOLLTE MICH DAS INTERESSIEREN? Vor ein paar Jahren tauchte eine neue Sorte Video in den sozialen Netzwerken auf. Das war genau zu der Zeit, als ich öfter mal wegen Drogenbesitzes festgenommen wurde und mich dem jugendlichen Zeitvertreib der Rebellion hingab. Fuck the police, sie sind alle Bastarde, warum kann ich nicht in der Nähe von Schule, Kirchen und ähnlichen Einrichtungen Gras rauchen, etc.? Warum darf ich nicht machen, was auch immer ich will, Herr Politiker? Ich will doch nur im Park sitzen und MF Doom hören, ohne dass Zivibullen mich plötzlich in ihr Auto packen und das Cannabis konfiszieren, das ich dabei habe. Ist das so viel verlangt? Anscheinend schon.

Auf jeden Fall tauchten dann diese Videos auf—Videos, die mir das Gefühl gaben, dass ich mich nicht unterwerfen musste. Menschen filmten ihre Begegnungen mit der Polizei, und sie verwendeten dabei alles Mögliche an Fachsprache und Argumenten, um sich aus der Affäre zu ziehen, die man ihnen gerade vorwarf.

"Bin ich verhaftet?" ist das Mantra dieser "freien Bürger" und "freien Bürgerinnen" (engl. "sovereign citizens"), die weder ihren Namen nennen noch sagen wollen, was sie gerade vorhaben und warum. Die Videos wurden so bekannt, dass David Cross und Bob Odenkirk sogar für ihre neue Netflix-Serie eine Parodie darüber drehten. Manchmal bringt es etwas—der Beamte gibt auf, die Zeit aller Anwesenden ist ausreichend verschwendet. Doch manchmal lohnt es sich auch überhaupt nicht. Das Gegenteil passiert. In den Worten der infantilen Gemeinde der Videospiel-Upload-Kommentierer: Diese Leuten werden "rekt".

Not Personal ist ein passender Name für einen Account, der ziemlich unpersönliche Interaktionen zwischen zwei Personen zeigt, die jeweils beide meinen, im Recht zu sein. Das einzige Problem bei der Sache: Eine der Personen hat das Recht, die andere Person einzusperren, wenn sie es für notwendig hält. Der Account konzentriert sich auf Leute, die in dem Versuch scheitern, Polizisten davon zu überzeugen, dass sie "freie Bürger" seien, die gewissen Gesetzen des Landes keine Folge zu leisten hätten.

Bei den meisten Verstößen handelt es sich um Verkehrskontrollen durch Highway-Patrouillen, also behaupten die freien Bürger, sie würden "reisen" und hätten das Recht, dies völlig ohne die nötigen Dokumente zu tun, die normale Menschen wie du und ich den Behörden vorzeigen müssten. Das Ganze entspringt einem chaotischen Sumpf des Rechtswissens, den sich die Leute in Foren zusammengelesen und ergoogelt haben. Wissen aus Erfahrung sucht man hier vergebens. Bei den Konfrontationen mit diesen verlorenen Seelen verlieren viele Beamte nach langem Hin und Her die Beherrschung, zerschmettern das Autofenster und zerren die Querulanten aus dem Fahrzeug.

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Ich kann keinesfalls gutheißen, dass Polizisten friedliche (wenn auch unfassbar nervige und egozentrische) Menschen gewaltsam verhaften. So sehr es mir leid tut, das zu sagen: Die meisten dieser Interaktionen ließen sich vermeiden, wenn ihr dem Beamten einfach eure Führerscheine reichen würdet. Es gibt keinen Grund, es nicht zu tun, außer dein Schein ist abgelaufen. In dem Fall heißt es eben: erwischt! Außerdem: Wenn der Bulle vorher noch keinen Grund hatte, euch verdächtig zu finden, dann habt ihr ihn damit auf jeden Fall geliefert.

So ganz gefällt mir die Schwarz-Weiß-Präsentation dieser Videos auch nicht. Wie bei den meisten Dingen lässt das Internet kaum Raum für Nuancen: Entweder ist der Beamte ein machthungriges Schwein oder einfach nur ein guter Mensch, der versucht, seinen Job zu machen. Etwas dazwischen scheint es nicht zu geben.

Natürlich ist es für die Sicherheit aller wichtig, dass wir Polizisten zur Rechenschaft ziehen, und dass wir filmen, wie sie sich daneben benehmen und ihre amtlichen Pflichten aus egoistischen Gründen vernachlässigen. Doch einen nichts ahnenden Verkehrspolizisten aufzuzeichnen, weil er versucht, einen Blick auf deinen Führerschein zu werfen, nachdem du zu schnell gefahren bist (das ist buchstäblich sein Job), und sich zu weigern, ihm auch nur den eigenen Namen zu nennen, ist einfach nur bescheuert. Du bist kein Superspion im Exil oder so.

Ich weiß, ich weiß, das hier liest sich sicher wie Pro-Polizei-Propaganda—"Lasst sie doch einfach ihren Job machen!"—, aber das ist es definitiv nicht. Ich finde es einfach nur ein bisschen erbaulich, wenn ein totaler Klugscheißer sein Fett weg kriegt. Besonders mag ich es, wenn jemand mit einem Hammer Arschlöchern die Autofenster zerschlägt.