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Punkband bewirbt sich bei Plattenlabel—und lässt sich vom Arbeitsamt empfehlen

Wenn selbst das Jobcenter für deine Band bei Labels wirbt, hast du etwas verdammt richtig gemacht.

von Noisey Staff
07 September 2016, 12:46pm

Deprimierende Geschichten aus dem Arbeitsamt gibt es genug. Doch diese hier macht Hoffnung, dass noch nicht alle Mitarbeiter dieser grausamen Institution zu leblosen Androiden mutiert sind, deren einziges Aufgabe es ist, motivierten, aber glücklosen Menschen das Hartz zu kürzen. Auch wenn Punk-Mucke und Arbeitsamt traditionell unheimlich schlecht aufeinander zu sprechen sind, scheint im Jobcenter Hamburg-Altona ein guter Geist über die Punkband Herrensex zu wachen—zumindest wenn man diesem Schreiben glaubt:

Beste bandbewerbung der letzten 4 jahre. Name der band auch nicht verkehrt - herrensex

A photo posted by This Charming Man-Records (@thischarmingmanrecords) on

Mit einem vermittelnden Brief vom Jobcenter hat sich die komplett unbekannte Band ohne Internetauftritt (Gibst es die übehaupt??ß?! Informiet euhc Mal!1!) beim Münsteraner auf „Punk, sonstiges“ spezialisierten Label This Charming Man beworben. Der Text porträtiert die Bandmitglieder als „ehemalige Facharbeiter aus dem Hafengewerbe, die nach der Schließung der Reiherstiegwerft im Jahr 1983 mit verschieden gearteten Suchtproblemen zu kämpfen haben“. Mehr Punk ginge nur, wenn der Brief um einen Ziegelstein gewickelt durch ein Fenster geschmissen worden wäre.

Klar: Höchstwahrscheinlich ist der Brief nicht echt—es wäre nicht das erste Mal, dass eine deutsche Punkband offizielle Dokumente aus Jux imitiert. So oder so ist es aber eine wirklich frische Idee, um seine Demos an den Mann zu bringen. Wenn man ganz still ist, hört man einen knackenden Sound, weil sich gerade hunderte junge Bandleader vor lauter Wut darüber, dass ihnen das Ganze nicht eingefallen ist, die Hände an ihrem Verstärker brechen. Beim Jobcenter Hamburg konnte uns niemand verbindlich sagen, ob der Wisch echt ist oder nicht. Ein Funken Hoffnung bleibt also, dass es irgendwo einen Arbeitsamt A&R gibt, der arbeitslose Musiker an Labels vermittelt.