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Von Alexander Marcus bis Hgich.T—Was machen die deutschen YouTube-One Hit Wonder heute?

Kaum zu glauben, aber vor ein paar Jahren war das Internet noch ein Ort voller komischer, wundersamer Dinge.

von Niklas Fucks
08 August 2016, 12:30pm

Screenshots von YouTube und Dailymotion aus den Videos (v.l.n.r.): HGich.T-tutencham", „Icke & Er Richtig Gei", Alexander Marcus-Papaya"

Die Art und Weise, wie wir Musik konsumieren, hat sich durch das Internet komplett verändert. Knapp zehn Jahre ist es her, dass das Online-Musikvideo anfing, über fast vergessene Seiten wie Myspace, Clipfish oder Myvideo großen Firmen wie Viva oder MTV Konkurrenz zu machen. Und gerade in den Tagen, als viral ein paar hunderttausend Klicks bedeutete, haben es einige bemerkenswert seltsame Songs und Interpreten mindestens zu hiesigem Hype gebracht. Hier haben wir eine definitive Top-5 der viralen One-Hit-Wonder aus dem deutschsprachigen Raum zusammengestellt und mal geschaut, was diese (guten) Typen eigentlich heute so machen. Doch seid gewarnt: Wir drücken hart auf die Nostalgiedrüse.

Icke & Er

Das Duo Icke & Er mit dem unverkennbaren Berliner Akzent (Spandau!) und dem Scheiß-Drauf-Flow waren die Myspace-Sensation von 2006. Ihr erster und erfolgreichster Track war „Richtig Geil", der auch heute noch hypnotisiert. Vom Myspace-Upload ging es dann recht schnell zum Four-Music-Deal und zum heute von Sammlern schwer gesuchten Album Mach et Einfach. Allerdings waren die beiden notorisch medienscheu und lehnten reihenweise Einladungen in den Medienzirkus zu Interviews ab – unter anderem eine Einladung zu TV Total – womit sie sich definitiv bewusst die große Popstar-Tour versauten. Seit 2010 geschah ausser einem Kollabo-Track mit Siriusmo nicht viel. Um 10 Jahre „Richtig Geil" zu zelebrieren, gab das Duo am 11. November 2016 in der Columbiahalle ein letztes Konzert ... Bis sie dann Anfang Juni überraschend verkündeten, als Support von Deichkind noch ein Konzert zu geben.


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Alexander Marcus

„Papaya" von Alexander Marcus war wohl eines der ersten viralen Musikvideos auf deutschem YouTube-Boden, und wie andere gehypete Clips, lebt es nicht zuletzt von der Frage: „Wie ernst meint er das?" Marcus' softer Nonsens-Schlager („Elektrolore") auf wummerndem elektronischen Beat bleibt vielen bis heute ein Rätsel, doch verglichen mit anderen auf Youtube gestarteten Musikern, konnte er zu einem gewissen Grad an den Erfolg seines Hits anknüpfen: Titel wie der Hawaii Toast-Song, Hundi oder der Homo-Dance haben bis heute Online-Fame. Dadurch bleibt Alexander Marcus seiner anscheinend treuen Fan-Hater-Gemeinschaft (siehe Like/ Dislike-Verhältnis) bis heute erhalten. Im Oktober ist er bald wieder auf großer Jubiläumstour: 10 Jahre Elektrolore.

Lützenkirchen

Tobias Lützenkirchen passt nicht auf den Begriff 1-Hit-Wonder, auch wenn ihn die meisten Leute hauptsächlich wegen „3 Tage Wach" von 2008 kennen. Er war lange vor und nach seiner „Drogenhymne" (Spiegel) ein aktiver Produzent mit haufenweise Projekten. Trotzdem ist der Titel von keiner Party, auf der die Atzen aus einem Sportverein das Wort „eskalieren" benutzen, wegzudenken. Vor wenigen Wochen hat sich der Musikexpress für ein kurzes Gespräch mit dem Mann zusammengesetzt, in dem er erzählt, Leute aus der Szene hätten ihm damals den Hit „echt übel genommen" und "Clubs, Veranstalter und so weiter hatten keine Lust auf das Publikum, das ich angezogen habe". Klingt ein bisschen wie ein trauriger Lottogewinner, der den Scheiß-Zettel am liebsten niemals ausgefüllt hätte.


Laserkraft 3D

„Nein Mann" kann seit 2010 nun wirklich niemand mehr hören. Die Mannheimer One-Hitter von Laserkraft 3D haben hier allerdings trotzdem einen unvergesslichen Ohrwurm geschaffen, der mit über 33 Millionen Views wohl eines der klickstärksten deutschen Musikvideos überhaupt ist. Kein Wunder also, dass es auch international bekannt wurde. Wenn ich einen Euro bekommen würde für jedes Mal, wenn mich jemand im Ausland auf dieses Video anghaut, hätte ich jetzt ... ein paar Euro. 2013 haben die Jungs eine Werbung von Coca-Cola vertont und sich seitdem eher auf semi-erfolgreiche Solo-Projekte und DJ-Gigs konzentriert. Kann man sie auch mal für loben.

Hgich.T

Hgich.T (gesprochen Ha-ge-ich-Te, Heute geh ich Tot) kennen nicht allzu viele Leute. Ihren viralen Banger „Tutenchamun" dafür schon. Das billige Blue-Screen-Video mit Polizist und Elfenohren ist mindestens genauso legendär, wie das gleichermaßen billige Elektro-Instrumental und die schiefen Lyrics. Abgesehen vom uneingeschränkten Ohrwurm-Potenzial, das es mit Snows „Informer" aufnehmen kann, lebt das Video natürlich von der Frage, was das jetzt sein soll (Stichwort Alexander Marcus). Dass die Formation vor 20 Jahren an der Hamburger Kunsthochschule gegründet wurde, könnte als Hinweis auf einen dadaistischen Hintergrund aufgefasst werden. Ja? Ja! Heute machen Hgich.T immer noch einzigartige Musik und touren auf Festivals, um mit ihrer treuen Fanbase in Hautkontakt zu treten. „Tutenchamun", das neulich vom US-Komiker Eric Andre als eines seiner liebsten Internetvideos bezeichnet wurde, ist so oder so ein Youtube-Klassiker, der die Worte „Goa Goa Goa MPU" ins kollektive Gedächtnis einer Generation gebrannt hat.

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