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Musik

Gaahl hasst eure Trainingshosen

Der ehemalige Sänger von Gorgoroth plaudert über Mode und Jungs.
30.4.11

Ihr könnt euch doch sicher noch an Gaahl erinnern. Das war dieser dünne, langhaarige Norweger, den wir inzwischen bereits mehrfach interviewt haben—vor allem für die VBS.TV-Dokumentation True Norwegian Black Metal. Er war der Sänger von Gorgoroth, der einst Furcht einflößendsten Band Skandinaviens, oder sogar darüber hinaus. Er war ein paar Mal wegen Gewaltdelikten und der Beteiligung an Folterritualen hinter Gittern und wurde von keinem Geringeren als dem Papst in Rom verdammt. (Das kommt euch jetzt hoffentlich alles schon ein bisschen bekannt vor?) Er ist der Typ, der Schafsköpfe aufgepflockt und Models gekreuzigt und vor Hunderten Zuschauern geröchelt, geschrien und gegurgelt hat, während das Blut nur so spritzte. Und dann wurde er noch in Bergen, Norwegen, zum Schwulen des Jahres 2010 gewählt. Ah, der Typ!

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Heute ist Gaahl zurückhaltend, man möchte fast sagen geläutert. Vor Kurzem sah man ihn andächtig in der ersten Reihe einer Show eines Modelabels, an dem er beteiligt ist, sitzen, teuren italienischen Rotwein trinken und liebevoll zu seinem zu dem Zeitpunkt 19-jährigen Freund, Robin Jakobsen, aufschauen, der den Catwalk in bunten androgynen Kreationen zu einem Soundtrack aus funkigem Ibiza House herunterstolzierte. Diese Seite von Gaahl schien uns interessant, aber als wir ihn fragten, ob wir ihn für diese Ausgabe zum Thema Klamotten interviewen dürften, waren wir uns ziemlich unsicher, ob ihn das auch interessieren würde. Wir machten uns Sorgen, dass es ihn nerven könnte. Aber wir stellten fest, dass er die Menschwerdung von Balder, dem nordischen Gott des Glücks und der Perfektion, war. Bei drei Flaschen exquisiten Weins führten wir das folgende Gespräch. Vice: Du wirkst sehr entspannt oder sogar glücklich. Auf welche Weise kanalisierst du jetzt, da es Gorgoroth nicht mehr gibt, die extremeren Aspekte deiner Persönlichkeit?
Gaahl: Ich habe meine Methoden. Neunzig Prozent meines künstlerischen Ausdrucks sind äußerlich nicht wahrnehmbar. Was ist die Vision hinter Wynjo, dem Modelabel, dass du mit deinem damaligen Freund Dan DeVero gegründet hast?
Ich bin wirklich kein Designer. Es war Dans Idee und Dans Vision. Ich habe ein wenig mitgemacht und ihn unterstützt, aber nur auf rein finanzieller Ebene. Ich funktioniere eher als ein Kanal für andere. Es ist eine ganze Weile her, dass Dan und ich darüber gesprochen haben. Es ist nicht der Planet, auf dem ich mich in letzter Zeit aufhalte. Ich bin auch schon ewig nicht mehr auf einer Modenschau gewesen. Glaubst du an das Projekt?
Absolut. Es wird auf jeden Fall ein Erfolg, denn Dan ist ein pfiffiger Typ. Er ist kreativ, manchmal vielleicht sogar zu kreativ. Wo kommt der Name Wynjo her?
Es ist ein altnordisches Wort, das soviel bedeutet wie „der Weg zu Glück und Perfektion“. Man kann es nicht wirklich in die heutige Sprache übersetzen. Im Altnordischen sind Glück und Perfektion dasselbe Konzept. Macht das für dich Sinn?
Perfektion bringt einem Freude. Du hast einmal gesagt, dass „Kleider Leute machen“.
Wenn ich hässliche Leute sehe, bekomme ich furchtbar schlechte Laune. Von so was bin ich schnell genervt. Ästhetik ist mir sehr wichtig. Mit hässlich meinst du Leute, die hässliche Klamotten tragen?
Das Schlimmste ist, wenn die Leute in Trainingshosen rumlaufen. Wenn man Teil der Gesellschaft sein will, kann man sich wenigstens vernünftig anziehen. Hast du schon mal Leute in diesen OnePiece-Overalls gesehen?
Ich bin sicher, deren Erfinder lacht sich gerade halb tot. Ich nehme mal an, du magst es eher schlicht.
Wenn man die Dinge auf das Notwendigste reduziert, tritt ihre Aussage stärker hervor, sie wird klarer. Wenn man etwas mit zu vielen Details zukleistern muss, ist das ein Zeichen dafür, dass das Design nicht stimmt. Schlichtheit macht alles einfach sauberer und schöner. Reden wir immer noch nur von Mode?
Ich habe immer Kleider in einfachen Farben bevorzugt, und mich an einen strikten Stil gehalten. Schon als Kind habe ich immer nur einfarbige Pullover getragen.