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Sport

It's still real to me, damn it!

Wrestling und VICE - gut geölter Scheiß. Mit Teil 2 der Mugshots Matches!
3.7.12

Manche Kämpfe sind nicht ganz einfach. Weiß gegen Schwarz, Spanien gegen Italien (okay, das war einfach), ich gegen das Bedürfnis, jeden Tag ein halbes Nutellaglas leer zu löffeln oder Wrestler gegen ihre "inneren Dämonen". Und weil mir ersteres zu heiß, zweiteres zu wurscht und dritteres zu persönlich für eine Wrestling-Kolumne ist, bleibt passenderweise nur der Kampf meiner Spandex-behosten Lieblings-Ballerinas gegen diese "inneren Dämonen" übrig, wobei das im Wrestling das branchenübliche Codewort für alles ist, was zuerst für ein paar Jahre schön dicht macht und schließlich dazu führt, dass man irgendwann mit entblößten Rosinenhoden in einer Autowaschanlage zu sich kommt und den Entschluss fasst, sein Leben zu ändern.

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Das klingt an sich nach sehr viel Spaß und niemand, der auch nur halbwegs bei Verstand ist, würde wohl widersprechen, dass man sein Leben am besten genau so verbringen sollte, wenn da nicht diese Sache mit dem Broterwerb und der sozialen Interaktion wäre. Abseits aller Zwänge würde auch mein perfektes Leben aus nichts anderem bestehen als ganz viel Heroin und einer Endlosversion des Kätzchen-Streams, in den ich wie bei Inception immer noch eine Ebene tiefer eintauche, bis ich am Ende für immer in flauschigen Pixeln zergehe. Seien wir also dankbar für die Zwänge, die uns vor der EEG-Flatline bewahren und schauen wir uns heute an, wie der "Kurt Cobain Släsh Heath Ledger des Wrestling" Jeff Hardy mit der Balance zwischen künstlerischen Zwängen und der Freiheit des Kitty-Streams klarkommt (und mit Kitty-Stream meine ich Drogen).

Hier kommt also unser zweites Mugshort Match: Jeff Pardy Hardy vs. Ich-hüpf-noch-schnell-von-dieser-Leiter-Jeff. Ding, ding, ding!

Über die Drogenphase von Jeff Hardy habe ich bereits in der Ausgabe von It's still real to me, damn it! geschrieben, in der es um unsere 5. VICE Geburtstagsparty ging. Inzwischen haben wir uns wieder beruhigt, sind zu geregelten Umgangsformen zurückgekehrt und haben sogar ein kleines Video über die große Feier gemacht – aber was ich damals über Hardys Absturzmatches geschrieben habe, gilt immer noch und auch, wenn ihr sicher schon wieder soweit fit seid, dass ich euch nicht mehr mit ereignislosen Videoclips die Seele streicheln müsste, darf seine neunzigsekündige Bankrotterklärung hier einfach nicht fehlen. Ach, hier habt ihr auch gleich den Text dazu:

Wer Drogen oder Kunst mag, muss Jeff Hardy eigentlich lieben. Nicht, weil er mit einem von beiden besonders gut umgehen könnte, sondern eben, weil er es nicht kann. Seine vorrangig im Privatgarten und auf Fabvriksgeländen verstreuten Kunstwerke erinnern an Pappmaché-Versionen von HR-Giger-Sexpuppen mit aufgeschlitzten Bäuchen, die irgendein politisch aktivistischer Perversling über einem Skatepark abgeworfen hat, um den Jungen eine Lektion zu erteilen, weil er Ken Park und Kids gesehen und für bare Münze genommen hat. Seine Drogenexzesse hinterlassen lustigerweise in etwa dasselbe Bild in der Wrestling-Landschaft, auch wenn Hardy bei den ersten paar Vergehen noch sehr eifrig beteuerte, dass er lediglich hin und wieder Gras rauche und nur deshalb von allen Seiten angefeindet würde, weil er als Vertreter der Konterkultur nicht die anerkannten drugs of choice des Wrestling-Business (also: Steroide und sonstige Aufbaupräparate) als seinen Heiland akzeptierte. Take that, you dirty rasslin' corporation!

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Genauuu. Hier seht ihr noch mal das berüchtigste Match aus der Blütezeit seiner romantischen Rauschphase. Spoiler: Viel drumherum, nix drin.

Talking about EEG flatlining … Bekifftsein sieht dann doch anders aus. Und Wrestling übrigens auch. Das Fear and Loathing im Kopf macht zwar sicher Spaß, aber nur wenn man auf der richtigen Seite der Schädeldecke steckt. Aus meiner Perspektive sieht das alles eher aus, wie der athletische und künstlerische Untergang eines Typen, der für den Besitz von "262 Pillen Vicodin, 180 Soma-Pillen, 555 Milliliter anabolischer Steroide, einer Restmenge Kokain in Puderform und Drogenutensilien" verhaftet wurde und dafür nur diesen lausigen Mugshot bekommen hat. Und weil der eher traurig als tätowierenswert ist, geht dieses Match wie folgt aus:

Ich weiß natürlich, dass es immer etwas heuchlerisch daherkommt, wenn Fans einerseits Extremleistungen fordern und andererseits deren Ursprung verdammen (jeder, der denkt, dass Wrestler ohne Koks mit dem Rücken voran von sieben Meter hohen Leitern auf 10 Zentimeter dicke Turnmatten springen, hat wahrscheinlich selbst grade welches genommen), aber lasst euch gesagt sein: Das hier ist keiner dieser Fälle. Meinetwegen soll jeder in seinem Job so viel Technologie und Medizin benutzen, wie er will, so lange er mit dem Zeug umgehen und ganz einfach einen besseren Job machen kann. Wenn einen seine Pillen und Pulver aber zum Pensionisten machen, sollte man die Krücken vielleicht doch lieber ablegen und wieder mit den Gehübungen anfangen. Zum Beispiel in der Form von niedrigeren Leitern. Und dass besser dosierte Medizin auch bessere Matches macht, illustriert dieses Tribute-Video mit Jeff Hardy-Highlights und allerbester High School-Mucke. Mahalo!