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Musik

Musikreviews

Hier sind unsere Reviews zu Pyramids, Sea+Air, Wintersleep und Seapony.
13.10.12

PYRAMIDS
Otherworldly
Disco B

Ihre drei, zwischen 1972 und 1977 veröffentlichten Alben sind neben ein paar Sachen von Alice Coltrane die einsamen Höhepunkte einer Art von Musik, der grundsätzlich mit Misstrauen zu begegnen ist: Cosmic Jazz. Es mag daran liegen, dass die Pyramids einst als erstes afroamerikanisches „Kollektive” nach Afrika gereist sind, um die dortige Musik und Kultur in sich aufzunehmen. Das Ergebnis ist zumindest immer noch in der Lage, Jazz-Snobs das Hirn aus den Ohren zu blasen. Davon kann dieses 2011 in den Faust-Studios eingespielte Doppelalbum eine eher schwache Ahnung vermitteln.

JOCKEL BERENTZEN

SEA+AIR
My Heart’s Sick Chord
Sea+Air

Ein außerweltliches Album. Allein deswegen, weil für diesen ätherischen, Träume fangenden und wie durch barocke Säulenbauten hallenden Indie-Zauber das Ehepaar Eleni und Daniel Benjamin (sie und er – got it?) verantwortlich zu machen ist. Jeder weiß, dass die Interaktion von Eheleuten in der echten Welt darin besteht, sich anzuschweigen, keinen Sex zu haben und sich wieder scheiden zu lassen. In Elenis und Daniels Welt ist alles anders, da scheint es noch nicht mal morgendlichen Mundgeruch zu geben. Es ist wie ein kleines Wunder.

PETER FRUSTIG

WINTERSLEEP
Hello Hum
Affairs Of The Heart / Indigo

Über elf Songs lang so zu klingen, als hätte man Potential, als würde es gleich losgehen, als läge da irgendwo eine riesiggroße kompositorische Idee am Horizont, eine Ahnung von Dramaturgie geradezu, als wäre man ganz kurz vor dem Meisterwerk, als würde man die Energie, die Auflösung, die Enttarnung sich aber doch verkneifen (wollen), als hätte man entweder keinen Bock oder keine Inspiration für das endgültige, das einem eigentlich gut zu Gesicht stehen würde: so, ungefähr, stelle ich mir die Sache mit tantrischem Sex ja auch vor. Also vielleicht nicht mit exakt 11 Songs, aber .. ja, du weißt, was ich meine.

SEPP TIM

SEAPONY
Falling
Hardly Art / Cargo

Als braver Hipster habe ich mich sofort in das Mädchen auf dem Cover verliebt. Es hat rote Haare, man sieht ihr Gesicht kaum, aber der Oberbekleidung nach zu urteilen, scheint das Bild im Spätsommer aufgenommen und durch einen oder mehrere Instagram-Filter gejagt worden zu sein. Außerdem ist (singt) sie in einer Band. Das sind, grob überschlagen, 27 Gründe, ihr sofort einen Heiratsantrag zu machen. Der achtundzwanzigste ist der erste Track der Platte, der wie Beach House plus Twee klingt, oder wie Best Coast minus vier Fünftel der Gitarrenverzerrer. Der Rest der Platte ist dann immerhin noch wie ein Strand-Sonnenuntergang ohne Kitsch: irgendwie konsens-super, aber haarscharf gerade noch eben so, dass es einem nicht peinlich sein muss.

FRITZ ARMISEN