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Drogen

Die italienische Armee baut jetzt Cannabis für Kranke an

Damit italienische Patienten nicht mehr teuer importiertes Cannabis aus Holland benutzen müssen, hat das Gesundheitsministerium die Armee um Hilfe gebeten.

Ein „Grenadier Sardiniens“ | © Marie-Lan Nguyen | Wikimedia Commons | CC-BY 2.5 | Fotomontage: VICE Media

Die italienische Armee wird ab sofort anfangen, Cannabis zu medizinischen Zwecken anzubauen. Das ist das Ergebnis eines Abkommens zwischen der Gesundheitsministerin Beatrice Lorenzin und der Verteidigungsministerin Roberta Pinotti. „Es handelt sich um eine Maßnahme ausschließlich zum Wohl der Kranken“, erklärte die Gesundheitsministerin den ungewöhnlichen Schritt.

Aus dem Cannabis sollen nämlich Medikamente hergestellt werden, die in Italien schon seit 2007 legal sind. Allerdings mussten die bis jetzt noch teuer aus Holland importiert werden, so dass 2013 nur ein paar Dutzend Patienten davon Gebrauch machen konnten. Die Gesundheitsministerin ist entschlossen, dem ein Ende zu machen und „alle kulturellen und ideologischen Mythen“ über den medizinischen Gebrauch bestimmter Drogen zu entlarven. „Wir erlauben jetzt schon die Nutzung von Opiat- und Kokain-Derivaten in der Medizin, und jetzt werden wir Cannabis benutzen.“

Was hat das alles mit der Armee zu tun? Ganz einfach: die italienische Armee stellt jetzt schon Medikamente her—zum Beispiel solche, die zwar in seltenen Fällen nötig sind, von den Pharmakonzernen aber nicht mehr hergestellt werden—und verfügt über gut gesicherte Laboratorien. Das erste italienische Staats-Cannabis soll schon 2015 auf den Markt kommen. Die Verteidigungsministerin Pinotti erklärte dazu: „Die Kapazitäten der Armeewelt sind oft unbekannt oder werden unterschätzt.“ Damit geht die italienische Regierung einen anderen Weg als Deutschland, wo den ersten beiden Cannabis-Patienten vor Kurzem der Privatanbau erlaubt wurde.

Die Entscheidung wirft einige Fragen auf: Wird der plötzliche Pragmatismus der Italiener Auswirkungen auf die dämliche Prohibitionspolitik in Deutschland haben? Ist die Tatsache, dass beide Minister Frauen sind, ein Beweis dafür, dass Frauen unideologischere, pragmatischer, einfach bessere Politiker sind? Sollten wir vielleicht mal ausprobieren, ein paar Jahre lang nur weibliche Politiker zu wählen? Und zuletzt: Sollte Angela Merkel mehr Weed rauchen?