Berliner Muslime sind überzeugt, dass die Mevlana-Moschee angezündet wurde

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Berliner Muslime sind überzeugt, dass die Mevlana-Moschee angezündet wurde

Noch ist nicht sicher, ob es sich wirklich um Brandstiftung handelte. Aber die Gemeindemitglieder haben Angst.
18.8.14

Nicht nur für die muslimische Gemeinde in Berlin war es ein großer Schock, als am vergangen Montagabend der Anbau der Mevlana-Moschee in Flammen stand. Im Hinterhof der Moschee war auf Holzplatten gelagertes Baumaterial in Flammen geraten, welche schnell auf die Folien vor den Fenstern des Gebäudes übergriffen.

In der muslimischen Gemeinde geht nun die Angst um, dass es sich um einen Anschlag gehandelt haben könnte. Am Freitag erhärtete sich dieser Verdacht, als in den Überresten des Gebäudes Brandbeschleuniger gefunden wurde. Die Berliner Polizei hat bereits eine Sonderkommission gebildet und laut Polizeisprecher Redlich begonnen, Zeugen zu vernehmen.

Neben dem erheblichen Sachschaden am Gebäude hinterlässt der Brand auch eine traumatisierte Gemeinde. Islamophobie und Fremdenfeindlichkeit scheinen in Deutschland auf dem Vormarsch zu sein. In einer Studie des Bielefelder Sozialpsychologen Andreas Zick, die in acht europäischen Ländern durchgeführt wurde, gaben von 8000 Befragten mehr als 44 Prozent an, dass sie der Meinung seien, es gäbe zu viele Muslime in ihrem Land—eine erschreckende Entwicklung.

Am vergangen Freitag fanden sich Hunderte Muslime zum Freitagsgebet unter offenem Himmel auf der Skalitzer Straße ein. Wir gingen hin, um mit den Gemeindemitgliedern über ihre Sicht der Dinge zu sprechen.

Adem, Gemeindemitglied

Fotos im Artikel: Jermain Raffington; Fotos in der Galerie: Björn Kietzmann

VICE: Macht dir der Brand der Moschee Angst?
Adem: Es ist sehr schlimm, was hier passiert ist. Ich habe den Brand am Montag gesehen. Es hat fürchterlich gestunken. Mir ist nicht klar, welcher Mensch so etwas machen kann.

Hat das Freitagsgebet dir Hoffnung gegeben?
Das heutige Freitagsgebet ist gut für die Gemeinschaft. Es war aber eine einmalige Sache. Jetzt werden sich die Leute auf die verschiedenen Moscheen in der Umgebung verteilen. Gebäude wie diese Moschee sollten mit Kameras überwacht werden, dann würde so etwas nicht passieren.

Kadir, Gemeindemitglied

VICE: Was bedeutet dieses demonstrative Freitagsgebet für die Gemeinde? 
Kadir: Das so viele Menschen auf der Straße das Freitagsgebet besucht haben, setzt schon ein Zeichen. Es zeigt, dass die Menschen herausfinden möchten, was passiert ist, wer dafür verantwortlich ist und dass diese Personen auch zur Rechenschaft gezogen werden. Aktionen wie dieser Brand führen aber auch dazu, dass die Menschen mehr auseinandergehen, anstatt zusammenzuwachsen. Sie beginnen, ein radikaleres Bild voneinander zu bekommen.

Hakan Taş, Abgeordneter der Linken

VICE: Herr Taş, glauben Sie an eine Brandstiftung?
Hakan Taş: Heute haben wir die traurige Mitteilung bekommen, dass ein Brandbeschleuniger gefunden wurde. Ich rufe alle Berliner zur Besonnenheit auf und hoffe, dass die Berliner Polizei in Kürze Antworten auf alle offenen Fragen liefern wird. Ich habe zudem den Antrag für meine Fraktion gestellt, in der Innenausschusssitzung am 15. September weitere Fragen zu klären.

Würde eine Brandstiftung auf einen Anstieg von Islamophobie hinweisen?
Man sollte abwarten, was die Ergebnisse bringen. Sicher werden alle Berliner zustimmen, dass wir eine multireligiöse, multiethnische Stadt sind, was insbesondere in Kreuzberg gelebt wird. Es darf nicht dazu kommen, dass Menschen sich untereinander diesbezüglich auseinandersetzen. Selahuddin Ayubi (nicht sein echter Name), Gemeindemitglied

Der Selahuddin Ayubi, nachdem er sich benannt hat, ist bei uns besser als Saladin bekannt. Saladin kämpfte gegen die Kreuzritter und eroberte 1187 Jerusalem. Mein Interviewpartner, der sich als großer Fan der ISIS herausstellen sollte, wusste vielleicht nicht, dass Saladin Kurde war.

VICE: Was sind deine Gedanken nach diesem Vorfall?
Selahuddin: Wie würdest du dich fühlen, wenn jemand dein Haus abbrennen würde? Unser Gebetshaus ist angezündet, das ist ein großer Schaden. Aber wenn Angela Merkel wollen würde, hätte sie schon herausgefunden, wer das war. Meiner Meinung nach möchte sie das aber nicht. Ich denke, sie ist eine Freimaurerin—das sieht man doch schon alleine an ihrer Gestik, wenn sie redet.

Aha. A propos Freimaurer: was hältst du eigentlich vom Islamischen Staat?
Ich denke, der Islamische Staat wäre gut für das muslimische Leben. Es wäre doch gut, wenn Obama und der Westen einen Ansprechpartner für alle islamischen Länder hätte!

Die Medien betreiben Hetze gegen Muslime. Jeder Muslim, der einen Bart trägt, wird gleich zu einem Radikalen gemacht—auch wenn er nur seine Religion praktiziert und auch darüber redet. Ich akzeptiere den Koran als Gesetzbuch—und danach leben auch die Leute von ISIS.

Außenansicht auf das Ausgebrannten GebäudeBjörn Kietzmann

Innenaufnahmen der MoscheeBjörn Kietzmann

Zahlreiche Muslime versammeln sich am 15.08. auf der Skalitzer Straße zu einem Freitagsgebet vor der ausgebrannten Mevlana-Moschee.Björn Kietzmann

Freitagsgebet auf der Skalitzer StraßeBjörn Kietzmann

Björn Kietzmann

Im Anschluss an das Freitagsgebet wurden vor der ausgebrannten Mevlana-Moschee Erklärungen abgegeben. Unter anderem von Imam Fazli Altin.Björn Kietzmann