FYI.

This story is over 5 years old.

Vice Blog

Eine Fusel-Brennerei in Brooklyn

20.8.10

Seit dem Beginn der Prohibition hat New York City seinen harten Alkohol aus anderen Landesteilen eingeführt. Dafür gab es wahrscheinlich keinen wirklichen Grund außer dem, dass niemand daran dachte hier eine Brennerei zu eröffnen. Jedenfalls ist es diese Art des faulen Outsourcings, das dieses Land dem finanziellen Abgrund näher gebracht hat, an dessen Rand wir nun mit unseren schlotterigen Beinen taumeln. Glücklicherweise bringen Colin und Dave, die zwei überraschend nüchternen Charaktere hinter der Kings County Distillery, Moonshine und Bourbon zurück in die Stadt.

Die Brennerei, die in einem alten Lagerhaus in Bushwick untergebracht ist, stellt den den ersten legalen new Yorker Alkohol seit neun Jahrzehnten her. Es ist ein kleiner, aber schnell wachsender Betrieb. Im letzten Monat hat sich ihre Tagesproduktion von vier Ladungen auf acht verdoppelt, und während der Bourbon noch ruht, kann man das andere Zeug bereits an ein paar Orten in Brooklyn und Manhattan erhalten.

Anzeige

Wie sich herausstellte, befindet sich dieser Betrieb nur ein paar Blocks von meiner Wohnung entfernt, also habe ich letzten Samstag dort einen Halt eingelegt, um einen kurzen Blick auf das Innenleben des Unternehmens zu werfen.

Das ist ein Haufen Mais. Das Zeug wird in einen großen Topf mit Wasser geworfen und genau bis zu dem Zeitpunkt erhitzt, wo es wie Pisse mit Kotzbrocken drinnen aussieht.

Ich persönlich habe Fässern noch nie viel Aufmerksamkeit geschenkt. Sie sind hölzern, sehen alt aus und wenn man sich jemals nackt in einem Comic wiederfindet, kann man statt Kleidung ein Fass überziehen. Ich dachte, dass jeder andere Anteil an meiner Anödung durch Fässer hätte, bis Colin mir erzählte, welch große Rolle die oval geschnittenen hölzernen Dinger in der Welt des Bourbons spielen. Der Alkohol bekommt seine verkohlt-eichene Farbe vom Fass her, der leicht süßliche Geschmack kommt vom Rückstand und mithilfe des im Fass enthaltenen Kohlenstoffs wird der Whisky gefiltert. Importiert werden sie aus Minnesota.

Als nächstes gingen wir in das Museums-Crystal-Meth-Labor.

Hier untersucht Colin gerade die Temperatur eines Bottichs voller Mais.

Was hab ich euch gesagt? Pisse und Kotze, stimmt's? Wenn euch dieses Zeug kalt lässt, dann werft noch Gerste rein.

So sieht Gerste aus. Die Gerste enthält Enzyme, die die Stärke und den Mais in Zucker umwandeln. Die Hefe verarbeitet die Scheiße und sie wird zu Alkohol.

Hier werfen wir einen Blick auf den Fermentierungsprozess.

Wenn man erstmal alles schön fermentiert hat, wird es gefiltert und in diese Destillierapparate geschüttet, die auf heißen Platten stehen. Über fünf Stunden hinweg kondensiert der Dampf des Branntweins in den Behältern auf dem Boden, dann wird der Inhalt dieser Behälter zusammengeschüttet und in einen weiteren Destillierapparat gegossen, wodurch der klare, zweifach destillierte Geschmack entsteht.

Wenn du so leicht zu beeindrucken bist wie ich, findest du wahrscheinlich, dass die Destillierapparate ziemlich schick aussehen. Doch als ich Colin erzählte, dass die nach High-Tech aussehen, erzählte er auf bescheidene Weise, dass es das selbe wäre, was sich auf deinem Vordach abspielt, nur fünf mal nebeneinander.

Das ist kein Chablis, sondern Gift. Und ein Stück von dem Wegwerf-Zeug, das bei den ersten Schritten des Brennens rauskommt. Sie behalten es zur Verwendung als Putzmittel.

Dieses Ding, das sehr nach Analprobe aussieht, misst den Alkoholgehalt. Um als Bourbon bezeichnet zu werden, darf dieser nicht mehr als 60% betragen. David und Collin sagen, dass "Bourbon" beim Whisky-Machen der mit den meisten Auflagen versehene Begriff ist. Es gibt Tonnen von alles betreffenden Gesetzen, vom gesamten Prozess über das Reifen bis hin zur Probe. Es ist ein byzantinisches Gottesgericht, welches Bourbonhersteller durchlaufen müssen, um ihr Produkt Bourbon nennen zu dürfen.

Hier ist der Fusel.

Da habt ihr's. Die erste Destillerie-Genehmigung , die in New York City seit der Prohibition erteilt wurde.

Nachdem ich ein wenig der Ware gekostet habe, war ich erledigt. Gegenüber Schwarzgebranntem war der echt gut. Ich meine, es hat etwas besser als Reinigungsalkohol geschmeckt, was ich über die anderen Schwarzgebrannten, die ich schon getrunken hatte, nicht sagen kann.

Der Bourbon reift noch in seinen schicken Fässern, und wird bis zum Winter nicht fertig, doch ihr könnt den Fusel in ein paar Läden in Brooklyn als auch in Manhattan kaufen. Klickt für mehr Info einfach auf den andersfarbigen Text hier unten.

kingscountydistillery.com