Der 55-jährige Ex-Bundeswehrsoldat Rustem Cudî ist im Kampf gegen den IS gefallen

Noch im Dezember 2015 hatten wir den ehemaligen Bundeswehrsoldaten und Vater eines Sohnes an der Front zum Interview getroffen. Jetzt haben unsere Quellen in Syrien bestätigt, dass der Mann beim Kampf um die Stadt al-Shadadi ums Leben gekommen ist.

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24 Februar 2016, 4:33pm

Gestern hatte Reuters gemeldet, dass ein deutscher Staatsbürger im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) auf Seiten der kurdischen YPG-Miliz gestorben sei. Im Laufe des heutigen Tages konnte von mehreren Seiten bestätigt werden, dass es sich dabei um den 55-jährigen Deutschen handelt, der unter seinem Kampfnamen Rustem Cudî durch unser Doku Der Krieg der Anderen einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde. VICE-Journalist Sebastian Weis hatte den Ex-Bundeswehrsoldaten, der sich selbst als Vater seiner YPG-Einheit verstand, im Dezember 2015 an der nordsyrischen Front aufgespürt.

Unsere Doku „Der Krieg der Anderen": Das Gespräch mit Cudî beginnt bei Minute 08:50.

Ein der YPG nahestehender Kontakt in Kobane bestätigte gegenüber VICE, dass Cudî beim Kampf um die Stadt asch-Schaddadi in der nordöstlichen Provinz al-Hasaka ums Leben gekommen ist. „Er nahm an der Operation zur Befreiung der Stadt teil und ist dabei den Märtyrertod gestorben", erklärte die Quelle. „Es ist traurig. Er war ein echter Held, ich habe ihn zweimal getroffen. Ich war von seinem Mut sehr beeindruckt."

Im Interview mit VICE hatte der Vater eines Sohnes erzählt, warum er am Krieg gegen den IS teilnahm: „Ich kämpfe nicht für mich, oder für Deutschland oder irgendeinen Privatmann, ich kämpfe für das kurdische Volk." Er war überzeugt, dass der Gesellschaftsentwurf der marxistisch inspirierten kurdischen Milizen der richtige für die Region war. „Das neue System hier, mit der Räte-Struktur, die Kommunen-Struktur, das funktioniert wirklich."

„Ich war bereit, dort zu sterben" – Ein deutscher Linker im Kampf gegen den Islamischen Staat

Ob Cudîs Leiche geborgen werden konnte und eine Rückführung nach Deutschland möglich sein wird, ist derzeit nicht bekannt. Cudî ist nach Ivana Hoffmann und Kevin Joachim mindestens der dritte deutsche Staatsbürger, der auf Seiten der Kurden im Kampf gegen den Islamischen Staat gefallen ist.

Im Interview mit VICE hatte der 55-Jährige über seine jüngeren YPG-Kameraden erzählt: „Die wollen es mir so bequem wie möglich machen. Im Endeffekt benötigen sie mehr Schutz als ich—aber sie versuchen immer, mich zu beschützen. Manchmal nervt's."