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Hangover-News, 23. Mai 2016

Die extrem knappe Bundespräsidentenwahl in Österreich zeigt die starke Spaltung des Landes, die Facebook-Seite Anonymous.Kollektiv ist abgeschaltet, der Taliban-Chef wurde angeblich bei einem Drohnen-Angriff getötet und ein Amokläufer erschüttert ein...
23.5.16
Stehen für ein gespaltenes Land: Präsidentschaftskandidaten Norbert Hofer (links, Schenkelklopfer) und Alexander Van der Bellen | Foto: imago | Eibner Europa

Während du das Wochenende am See und Sonnenschirm über dem Kopf verbracht hast, hat sich nicht nur etwas in deinen WhatsApp-Gruppen getan. Willkommen bei den Hangover-News.

Österreich ist ein gespaltenes Land

Stehen für ein gespaltenes Land: Die Präsidentschaftskandidaten Norbert Hofer (links, Schenkelklopfer) und Alexander Van der Bellen | Foto: imago | Eibner Europa

Österreich hat am Sonntag einen neuen Bundespräsidenten gewählt. Wir wissen nur noch nicht, welchen. Bislang sind die knapp 900.000 Briefwahlstimmen noch nicht ausgezählt, und diese scheinen wichtiger denn je. Denn bis jetzt verlautet die aktuelle Hochrechnung des Innenministeriums 51,9 Prozent für Norbert Hofer und 48,1 Prozent für Alexander Van der Bellen. Erst nach der Auszählung der fehlenden Briefwahlstimmen wird heute Abend ab 17 Uhr klar werden, wer das Land fortan repräsentieren wird. Der ORF rechnet schon Schätzungen zur Briefwahl in seine Prognosen mit ein und kommt so auf 50 % für Hofer und 50 % für Van der Bellen.

Diese vorläufigen Ergebnisse zeigen nicht nur, dass wir bald von einem Mann repräsentiert werden könnten, der von einer "Invasion der Muslime" spricht, sondern auch, dass der zukünftige Bundespräsident ein politisch frustriertes Land zusammenhalten muss. Alle weiteren Informationen zum gestrigen Wahlabend findet ihr in unserem Live-Ticker.

Das Anonymous.Kollektiv ist offline

Die fast zwei Millionen Likes starke [Facebook-Seite Anonymous.Kollektiv](http://www.vice.com/de/read/das-grosse-asylgegner-abc-665
) ist aus bisher unbekannten Gründen offline gegangen. Erst kürzlich noch durch die Bewerbung eines 'Migrantenschreck'-Waffenshop mal wieder in den Mittelpunkt der Medien gerückt (MOTHERBOARD berichtete), findet sich stattdessen heute keine Hetze verbreitende Seite mehr auf Facebook. Für die, die es nicht mitbekommen haben: Bei dem Facebook-Pendant handelte es sich nicht um eine Plattform des weltweiten Hacker-Kollektivs, sondern um eine hassbringende Seite, die Flüchtlinge gerne mal als "Müll" bezeichnete und bekannt dafür war, Verschwörungstheorien um Chemtrails, die geheime Herrschaft der Rothschild-Juden über die Welt und die BRD GmbH zu verbreiten.

Nach kurzer Zeit ist jedoch eine weitere Anonymous-Facebook-Seite online gegangen, wie das eingebettete Posting oben zeigt. Diese hat jedoch bis zum jetzigen Zeitpunkt erst knapp 900 Fans, wettert aber weiter gegen die Lügenpresse und erhält zum Teil schon jetzt bis zu 13.000 Likes für einzelne Postings. In einem ihrer ersten Posts vom 21. Mai schreibt der Betreiber: "Wir lassen uns von der Lügenpresse oder von Dittfurths und Kahanes bezahlten Trollen nicht beeindrucken. Wer antideutschen Mist hinterlassen oder einfach hetzen will, wird gelöscht! Es hat sich nichts geändert." Na spitze, na dann mal viel Erfolg.

Ist Taliban-Chef Mullah Achtar Mansur tot?

Das von der Drohne vollkommen zerstörte Auto, in dem Mansur gesessen haben soll. | Foto: imago | Xinhua

Bei einem Angriff der US-Armee in Pakistan wurde das Oberhaupt der islamistischen Taliban Mullah Achtar Mansur getötet—das vermelden zumindest der afghanische Geheimdienst und die Taliban selbst. Von Seiten des Pentagon soll es noch einige Tage dauern, bis man den Tod offiziell bestätigen könne. Mansur hatte die Führung der Terror-Miliz im vergangenen Juli übernommen, nachdem der Gründer Mullah Omar gestorben war.

Die Taliban, die von 1996 bis zum Oktober 2001 große Teile Afghanistans beherrschten, formierten sich zuletzt in Pakistan neu und waren laut Angaben der UN in den vergangenen Jahren für drei Viertel der zivilen Todesopfer in Afghanistan verantwortlich.

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Der Drohnen-Einsatz ist allerdings kritisch zu sehen: Wie das Außenministerium Pakistans vermeldete, war der durch Obama persönlich angeordnete Angriff nicht abgesprochen und gilt somit als eine Verletzung der Souveränität Pakistans. Eigentlich hatten sich USA und Afghanistan Mitte Mai für eine stringent politische und damit waffenfreie Lösung ausgesprochen, um in Afghanistan wieder Frieden zu schaffen.

Frauke Petry hetzt noch ein bisschen, bevor sie sich mit dem Zentralrat der Muslime trifft

Foto: imago | Mauersberger

Die AfD-Vorsitzende Frauke Petry trifft sich mit weiteren Partei-Vertretern am heutigen Montag mit dem Zentralrat der Muslime. Dieser hatte sie zu einem Gespräch eingeladen, nachdem die AfD verlautete, der Islam gehöre nicht zu Deutschland. Das Thema des Gesprächs: Islamfeindlichkeit und die Flüchtlingskrise. In der aktuellen Bild am Sonntag wetterte Petry weiterhin vor Zuwanderung von Muslimen: "Wir sehen wesentliche Errungenschaften der Aufklärung in Gefahr, wenn wir diesen Weg der ungeregelten Migration, verbunden mit dem Import eines religiösen Radikalismus, weitergehen", so Petry. Weitere, schon oft gehörte Sätze gefällig? "Wenn mehr als die Hälfte der Muslime im Zweifel der Scharia den Vorrang vor dem jeweiligen Landesrecht geben, braut sich etwas zusammen, was nicht mehr kontrollierbar ist." Zudem missfällt Petry auch das Kopftuch muslimischer Frauen: "Wir haben in der Tat ein Problem damit", so die AfD-Chefin.

Die Fronten zwischen dem Zentralrat und der AfD sind extrem verhärtet. Vor gut einem Monat noch sprach der Zentralratsvorsitzende Aiman Mazyek bei Tagesschau 24 von der Nähe der AfD zur NSDAP: "Seit Hitler haben wir wieder eine Partei in Deutschland, die sich programmatisch voll und ganz auf einen Kurs gegen eine gesamte Religionsgemeinschaft einstellt und sie existenziell bedroht." Was jetzt schon klar ist: Das auf anderthalb Stunden angelegte Gespräch in einem Berliner Luxushotel wird einige Diskussionen auslösen.

Amokläufer in Vorarlberg tötet zwei Personen auf einem Konzert

Die 6000 Einwohner-Stadt Nenzing in Vorarlberg, Österreich | Foto: Wikipedia | Welleschik | CC BY-SA 3.0

Auf der dreißigsten Ausgabe des Festivals der Bikergang Lords, das als einer der größten Rocker-Treffpunkte seiner Art in Österreich gilt, spielten sich am Wochenende extreme Szenen ab. Nach einem Streit mit seiner Freundin holte ein aus der Region Vorarlberg stammender 27-jähriger Mann gegen drei Uhr morgens eine Schusswaffe aus dem Kofferraum seines Autos und schoss nach Augenzeugenberichten wahllos auf die 150 Teilnehmer des Nenzinger Bikerfestivals. Dabei tötete er zwei Personen und verletzte weitere elf—eine Person schwebt noch in Lebensgefahr. Anschließend beging der Mann Suizid, seine Freundin hingegen blieb vollkommen unverletzt. Während die Schüsse fielen, flohen die Besucher in den umliegenden Wald und auf die angrenzende Autobahn, die anschließend gesperrt und von der Polizei abgesucht wurde.

Eine unbewilligte Party in Bern endet in Ausschreitungen mit der Polizei

Mehrere hundert Personen feierten gemäss dem Bundam Samstagabend auf der Brache des Warmbächli-Areals eine unbewilligte Party. Vor Ort erwarteten die Besucher Konzerte, verschiedene Bars und ein grosses Lagerfeuer. Gäste sprachen von einer friedlichen, lauten und ausgelassenen Party. Die Veranstalter kommunizierten im Vorfeld, die Erlöse des Abends würden Flüchtlingen in Griechenland zugute kommen. Nach Mitternacht formierte sich ein von Sound-Mobilen angeführter Demonstrationszug in Richtung Innenstadt. Eine Stunde nach Beginn erreichte der Zug eine der von der Polizei errichteten Sperren. Die Polizei setzte einen Wasserwerfer und Gummischrot ein—es flogen Steine auf Polizisten und Feuerwehrleute. Der Demonstrationszug löste sich in der Folge auf. Der Berner Polizeidirektor Reto Nause fordert als Konsequenz, es seien "alle Fahndungsmethoden zuzulassen, die es gibt und braucht, um die Täter überführen zu können". Er spricht etwa von der Überwachung von Telefonen und E-Mails sowie DNA-Tests.