FYI.

This story is over 5 years old.

Eine ganz normale Woche

Eine ganz normale Woche in Deutschland: Teenager treten schwangere Somalierin zusammen

Eine Woche „asylkritische" Demonstrationen, eine Woche Brandanschläge, eine Woche Gewalt.
Symbolfoto: imago/Steinach

Mittlerweile schaut noch kaum jemand hin, wenn alle zwei Wochen mal wieder gemeldet wird, dass die Gewalt gegen Flüchtlinge zugenommen hat. Zur Auffrischung: Das BKA hat gemeldet, dass es in den ersten drei Quartalen dieses Jahres bereits 461 Taten gegen Flüchtlingsunterkünfte gab, bei denen die Behörden von einem rechten Hintergrund ausgehen.

Die Statistik ist unheimlich, aber eben auch irgendwie eine abstrakte Statistik. Die nackte Überlebensangst, die Schmerzen und die Traumata der einzelnen Opfer tauchen darin nicht auf. Um sich vorstellen zu können, was in deutschen Städten gerade wirklich passiert, muss man die Einzelheiten kennen.

Anzeige

Deshalb haben wir uns vorgenommen, jeden Freitag einen Überblick über die Gewalttaten gegen Flüchtlinge in den letzten sieben Tagen zu geben. Nicht aufgenommen haben wir Brandanschläge auf noch nicht bewohnte Unterkünfte (davon gab es fünf) und Demonstrationen von „Asylkritikern" (dreizehn).

Letzte Woche gab es erschreckend viele Gewalttaten. Diese Woche sind es zwar deutlich weniger, dafür gab es in Brandenburg aber einen besonders brutalen Angriff auf eine Schwangere. Eine ganz normale Woche eben, vom 6.11. bis zum 13.11.:

BERLIN

Köpenick: In der Nacht zum Dienstag haben Unbekannte mit einer Luftrdruckwaffe auf die Fenster eines Flüchtlingsheims in der Salvador-Allende-Straße geschossen, die Kugeln konnten das Glas nicht durchbrechen.

BRANDENBURG

Bad Belzig: Eine im achten Monat schwangere Somalierin wurde am Mittwoch auf dem Rückweg vom Supermarkt zum Flüchtlingsheim angegriffen. Die Nachrichtenagentur AFP berichtet, es habe sich bei den Angreifern um zwei Jungen und ein Mädchen im Alter von 14 und 15 Jahren gehandelt, die die 21-Jährigen auf den Boden warfen und sie dann zusammentraten. Sie befindet sich immer noch im Krankenhaus, über den Gesundheitszustand der Frau oder den des ungeborenen Kindes ist bis jetzt noch nichts Näheres bekannt.

HESSEN

Fuldatal: Am frühen Mittwochmorgen wurde eine angesägte Gasleitung entdeckt, die offenbar einen Gastank in der Nähe einer geplanten und einer bereits bewohnten Flüchtlingsunterkunft hätte explodieren lassen können. Das Sicherheitspersonal entdeckte das Leck und alarmierte die Polizei, die die Leitung abschalten konnte, bevor es zur Explosion kam.

MECKLENBURG-VORPOMMERN

Kruckow: Unbekannte haben am Freitag vor einer Woche ein von syrischen Flüchtlingsfamilien bewohntes Haus mit Flaschen beworfen. Verletzt wurde niemand, ein Fenster ging zu Bruch.

SACHSEN

Crimmitschau: In einem von 70 Asylbewerbern bewohntes Haus in der Leipziger Straße wurde in der Nacht zum Donnerstag ein Brandsatz durchs Fenster geworfen. Der Brand erlosch von selbst, so dass niemand verletzt wurde. Die Täter, eine Gruppe von Jugendlichen und Erwachsenen, waren offenbar teilweise stark alkoholisiert, einige von ihnen konnten von der Polizei verhaftet werden.

Dresden: Am Mittwoch kam es vor einer Erstaufnahmeeinrichtung zu einer größeren Auseinandersetzung zwischen Wachmännern und Flüchtlingen, bei der mindestens ein Flüchtling von Sicherheitsleuten gejagt, getreten und geschlagen wurde. Von dem Vorfall gibt es ein Video, Grund war offenbar ein Streit um die Reinigung der Zimmer. In der Einrichtung gibt es aber schon länger Konflikte zwischen den Bewohnern und ihren Bewachern, denen vorgeworfen wird, Flüchtlinge beleidigt und bedroht zu haben. Zu dem Problem, dass immer wieder Rassisten und Rechtsradikale als Sicherheitsleute vor Flüchtlingsheimen landen, haben wir hier ein ausführliches Interview mit dem Chef einer Leipziger Security-Firma geführt.