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Das erste Sexspielzeug für Transmänner ist da

Der Buck-Off revolutioniert die Sexindustrie. Er hilft Transmännern, sich in ihren Körpern wohlzufühlen. Mit einer speziellen Form und Unterdruck.

von Neil McArthur
26 September 2016, 4:00am

Der Buck-OFF | Foto mit freundlicher Genehmigung von Buck Angel

In den letzten zehn Jahren ist die globale Sexspielzeug-Industrie explodiert und zu einem über 13 Milliarden Euro schwerem Markt herangewachsen. Branchenbeobachter prophezeien, dass sich die Umsätze bis 2020 noch mehr als verdreifachen könnten. Es gibt Spielzeuge für jede erdenkliche Vorliebe und jeden Fetisch. Das Tabu, mit dem das Thema vor einigen Jahren noch besetzt war, ist gefallen. In Anbetracht der Entwicklung klingt es fast schon unvorstellbar, dass der charismatische Trans-Aktivist und umtriebige Unternehmer Buck Angel sagt: "In der ganzen Geschichte der Sextoy-Industrie hat es noch kein einziges Spielzeug gegeben, das speziell auf Transmänner zugeschnitten ist."

Ein neues Gerät, das nun in die Läden kommt, ändert das: der Buck-OFF. Das Gerät ist eine Masturbationshilfe für Menschen, die den Übergang von Frau zu Mann vollzogen haben oder sich mittendrin befinden. Angel hat das Gerät erfunden; Perfect Fit, ein Hersteller von Sexspielzeugen für Männer, vertreibt es.Die Entwicklung dauerte fünf Jahre. Es gibt bislang nichts Vergleichbares in der Welt der Erwachsenenspielzeuge. Investoren und Hersteller werden zukünftig ihren Horizont weit über Strap-Ons und Liebesschaukeln erweitern müssen.

Der Buck-OFF ist für Menschen gedacht, die während des Übergangs Testosteron einnehmen. Das Hormon führt oftmals zu einer Vergrößerung der Genitalien. Auch wenn der Buck-OFF in seinem minimalistischen Design anderen sogenannten Masturbationshüllen ähnelt, unterscheidet er sich in zwei Punkten: Er ist kürzer und breiter als andere Geräte und kann außerdem Unterdruck erzeugen. Diese Eigenschaften erlauben es Transmännern, einfacher zu masturbieren und eventuelle Geschlechtsidentitätsstörungen zu minimieren, die bei die Benutzung anderer Sexspielzeuge aufkommen kann.

Viele Menschen, in ihrer Entwicklung von Frau zu Mann "möchten ihre Genitalien nicht anfassen", sagt Angel gegenüber VICE. "Sie haben nicht das Gefühlt, dass ihre Vagina ein Teil von ihnen ist. Sie ist für sie nicht maskulin. Wenn du die Transition machst, willst du einen Penis haben. Du willst dich wie ein Mann fühlen und dementsprechend nicht deine Vagina anfassen." Der Buck-OFF "erlaubt es dir, zu masturbieren ohne dabei deine Vagina zu berühren."

Aber warum hatte die Sexspielzeug-Industrie Transmänner bislang nicht als Zielgruppe gesehen? Alex Iantaffi aus Minneapolis ist Sextherapeut und –pädagoge. Er arbeitet viel mit der Transgemeinschaft arbeitet und ist der Meinung, dass das Problem in unserer kulturellen Sicht auf Transmenschen beruht. Iantaffi sagt, dass sie das Gefühl haben, Transkörper "würden für die cisgeschlechtliche Sichtweise existieren und darin eine Art Sonderfall darstellen"—anstatt sie als Menschen mit ihren eigenen sexuellen Bedürfnissen oder Rechten wahrzunehmen.

Aber nur weil es nun einen neuen Markt gibt, werden nicht alle Vorurteile beseitigt. Marina Adshade, Dozentin an der Vancouver School of Economics und Autorin eines Buches über Sex und Wirtschaft, verweist auf Studien, die besagen, dass Unternehmer bei Weitem nicht die rational-berechnenden Akteure sind, als die wir sie wahrnehmen. Stigmata können ihre Entscheidungen genau so beeinflussen wie das Profitstreben. "Wir wissen, dass Risikokapitalanleger diskriminierend sein können", sagt Adshade. "Studien haben gezeigt, dass sie zum Beispiel Unternehmerinnen unterfinanzieren. Und die Entwicklung von Sexspielzeug ist kostspielig. Deswegen gibt es auch so viele Kickstarter-Projekte in dem Bereich. Vielleicht sind [Investoren] auch davon ausgegangen, dass der Markt zu klein sei. Risikokapitalanleger wollen den größtmöglichen Ertrag für ihre Investition."

Angel versteht die Vorsicht der Investoren. "Am Ende geht es immer ums Geld. Niemand will der erste sein", sagt er. Er findet allerdings auch, dass der Markt unterschätzt wurde. "Es ist in gewisser Weise so wie beim ersten kommerziellen Computer. Du musst die Menschen davon überzeugen: Das wird funktionieren, Freunde."

Wyatt Riot arbeitet in einem Sexshop, der sich auf frauen-, queer- und transfreundliche Produkte spezialisiert hat. Er sagt, er werde den Buck-OFF in sein Sortiment nehmen: "Es gibt definitiv einen Markt für Produkte wie dieses. Wir hatten bereits Kunden, die nach etwas Ähnlichem gefragt haben", sagt er. Er fände es auch gut, wenn noch mehr solche Spielzeuge in die Regale kommen. "Transmenschen müssen Spielzeuge oftmals modifizieren, damit sie auch für ihre Körper funktionieren." Er erzählt vom Bro Sleeve, einer Masturbationshülle, die einige Transmänner so modifiziert haben, dass sie sie benutzen können. Allerdings fallen die Meinungen eher gemischt aus.

Iantaffi lobt die Anerkennung der sexuellen Bedürfnisse von Transmenschen. Er sagt, es sei ungemein wichtig, dass Menschen Zugang zu Sexhelfern haben, die ihren Bedürfnissen entsprechen. Diese "können auch unersetzlich dabei sein, den eigenen Körper und die eigene Sexualität zu erkunden." Allerdings äußert er auch Bedenken darüber, wie Geräte wie der Buck-OFF vermarktet werden. "Die Vermarktung und der Verkauf von Sexhilfen für Transmenschen ist eine weitere Art, unsere Körper zu monetarisieren", sagt er. "Ich bin der Meinung, dass der Verkauf solcher Geräte in Sexshops den Diskurs wieder verstärken wird, dass Transmenschen anders als die 'Norm' sind, mit der Cismenschen und Ciskörper impliziert sind. Ich würde lieber Spielzeuge sehen, die anhand ihrer Funktion und ihres Zwecks vermarktet werden als anhand von Geschlecht. Letzten Endes ist die Trans/Cis-Dualität immer noch eine Dualität, die im Grunde Cisgeschlechtlichkeit reproduziert, auch wenn sie für die Anerkennung von Transidentitäten kämpft."

Angel glaubt, dass sein Produkt dabei helfen kann, die Identitäten von Transmännern zu bestärken. Er wünscht sich, dass das Gerät Unterrichtsmaterial für Therapeuten und Aufklärer wird, und es Transmännern dabei hilft, sich mit ihren Körpern wohlzufühlen. Obwohl das Gerät erst eine Woche auf dem Markt ist, sind die Reaktionen von Verkäufern und Kunden auf den Buck-OFF enthusiastisch ausgefallen.

"Ich habe wirklich alles ausprobiert, um mich beim Masturbieren wohlzufühlen. Jetzt fühle ich mich dabei endlich wie der Mann, der ich bin. Alles dank dir", heißt es in einer der ersten Reviews zu dem Produkt auf der Perfect Fit-Website. "Ich liebe dich von ganzem Herzen, Buck. Du gibst mir jeden Tag die Kraft, mein bestmögliches Ich zu sein!!!"

Neil McArthur ist Direktor des Centre for Professional and Applied Ethics an der University of Mantiboa. Seine Schwerpunkte sind Sexualethik und Sexualphilosophie.

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