Shandy Mandies befragen die Beach Fossils und umgekehrt

Gestern Abend spielten unsere Leipziger Freunde, die Shandy Mandies und Beach Fossils aus Brooklyn in Berlin.

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08 November 2010, 3:11pm

Gestern Abend spielten unsere Leipziger Freunde, die Shandy Mandies und Beach Fossils aus Brooklyn in Berlin. Wir hatten zufälligerweise ein Diktiergerät dabei und als wir versuchten zu entscheiden, welche der beiden Bands wir interviewen sollten, gerieten wir in einen Gewissenskonflikt und ließen sie sich einfach gegenseitig befragen.Gut, vielleicht waren wir auch einfach zu faul, mal wieder die immergleichen langweiligen Fragen abzuspulen. Im Nachhinein betrachtet, war es die beste Entscheidung. Wir hätten es garantiert nicht hinbekommen, in diesem Gespräch den Spannungsbogen von einem Cricket-Paddle, das die Shandy Mandies mit auf Tour hatten, über Blowjobs am Strand zu Massenvernichtungswaffen im Irak zu spannen. Am Gespräch beteiligt waren Tommy und John von den Beach Fossils und Olli und Patrick von den Shandy Mandies. Kann sein, dass an der einen oder anderen Stelle die Namen etwas durcheinander gekommen sind, was aber letztendlich auch egal ist.

Patrick: Habt ihr ne Ahnung, was das hier ist?

John: Das ist ein Cricket Paddle.

Patrick: Ein Paddel? Meinst, du man kann damit auch rudern?

John: Keine Ahnung, wie nennt ihr es denn? Bat?

Patrick: Ja, ein Cricket-Bat. Habt ihr schon mal Cricket gespielt?

Tommy & John: Nein.

Patrick: Das ist echt ne Schande.

Tommy: Hat jemand eine bessere Frage?

Olli: Na ich probier es mal. Ihr heißt Beach Fossils. Wenn ihr ein am Strand herumliegendes Fossil sein könntet, welches wäre das?

Tommy: Die schönste aller ägyptischen Prinzessinnen.

Patrick: Ich dachte, es geht hier eher um Tiere.

Olli: Nee, ich hab Fossil gesagt, das kann ja alles Mögliche sein. Ist ne super Antwort.

John: Ich wäre ein Stegosaurus.

Patrick: Habt ihr es schon mal an nem Strand getrieben?

John: Da waren schon verschiedene Plätze im Spiel, aber bislang noch kein Strand.

Patrick: Hm, schade. Strand ist echt toll. Stell dir vor, es ist Nacht, du hörst den Wind, die Sterne am Himmel, deine Freundin bläst dir einen ...

Tommy: Einen Pool hätte ich im Angebot. Einen Fluss. Einen See. Aber keinen Strand. Verschiedene Gewässer, aber noch nie am Ozean.

Olli: Auf die längstmögliche Weise, beschreib den Sound eurer Band.

John: Musik beschreiben ist echt behämmert.

Olli: Deswegen ja!

John: Ich bin echt nicht gut darin. Man sollte es sich einfach anhören.

Patrick: Wenn wir jetzt eure Musik anmachten, was würden wir hören?

John: Jeder hört was anderes. Dein Referenzspektrum der Sachen, die du bis zu dem Punkt gehört hast, grenzt ein, was du in uns siehst.

Tommy: Wir haben auf Blogs jede Menge Sachen gelesen, wie wir angeblich klingen, wovon wir nichts wirklich nachvollziehen können, also sollte sich einfach jeder selbst ein Bild machen. Jetzt mal ne Frage für euch. Wir Amis hören ja ständig von der Legende, Touren in Europa sei so viel besser als in den Staaten. Wie seht ihr das selber als europäische Band? Seid ihr zufrieden hier oder würdet ihr lieber in den Staaten touren?

Patrick: Ich finde es grundsätzlich cool, weg von zuhause zu sein. Egal wo, so lange es nicht der Ort ist, an dem du lebst. Aber ich war noch nie in den USA unterwegs, deswegen kann ich es nicht vergleichen.

Tommy: Ich habe schon oft in den USA gespielt und meine Einschätzung ist: da ist zehn Prozent mehr Menschlichkeit in Europa. Also was Clubbesitzer und das ganze Musikbusiness angeht. Also sie sagen nicht nur, dass sie dir was zu Essen bringen, sie tun es dann auch tatsächlich. Bei uns ist es eher so: „Ihr kriegt was zu essen.“ Und dann: „Fickt euch, es waren nur zehn Leute da!“

Patrick: Ich glaube der Vorteil an Europa ist, dass du alle paar hundert Kilometer an einer tollen Stadt vorbei kommst, wogegen du in Amerika gerne mal im Niemandsland versumpfen kannst. Europa hat mehr Kultur.

Tommy: Das stimmt, in den Staaten kannst du leicht irgendwo stecken bleiben.

Dustin von den Beach Fossils kommt dazu. Er wird gebeten, eine Frage zu formulieren.

Dustin: Was ist das da?

Patrick: Ein Cricket Bat. Wir hatten auf Tour ein paar Probleme mit Promotern, also dachten wir uns, wir klären die Gagenverhandlungen mit diesem Ding in der Hand. Das ist dann meistens sehr überzeugend.

Dustin: Ist es besser als ein Baseballschläger?

Patrick: Ja, denn du hast die flache Seite, die sich sehr gut zum Durchschwingen eignet. Dann hast du aber noch die harte Kante, mit der du noch mal einen drauflegen kannst.

Hier bricht die Aufnahme kurz ab. Als sie wieder beginnt, befinden wir uns beim Thema Gangs (Aus welchem Grund auch immer. Hat vermutlich irgendwas mit dem Cricket Paddle zu tun)

Patrick: Welche Ethnien sind da vertreten?

John: Alle möglichen. Es gibt weiße und schwarze Gangs, Hispanics, Asiaten. Laut unserem Tourmanager gibt es in London asiatische Gangs, die Schwerter mit sich herumtragen.

Patrick: Samurais?

John: Ja, kein Scheiß.

Patrick: Du bist aus Washington, richtig?

Tommy: Ja.

Patrick: Hast du gesehen, wie das Flugzeug im Pentagon gelandet ist?

Tommy: Ich hab’s nicht gesehen, aber ich war da als es passierte.

Patrick: Hast du Teile des Flugzeuges gesehen?

Tommy: Nein, aber das verrückte für mich war folgendes. Wir haben in den News gesehen, was in New York passiert ist, aber es gab auch viele Falschmeldungen in den Medien. Es hieß, es gäbe überall in der Stadt die Gefahr von Autobomben. Und das war sehr beängstigend.

Patrick: Meint ihr, das war gezielte Desinformation der Medien, um von den realen Ereignissen abzulenken?

Tommy: Es gab ja die Gerüchte, dass es nicht ein Flugzeug war, sondern eine Rakete.

Patrick: Das meine ich. Könnte es sein, dass das öffentliche Interesse von diesem Ereignis weggelenkt werden sollte?

Tommy: So weit würde ich nicht gehen. Ich bin da auch kein Experte bei diesen 9/11-Verschwörungstheorien. Ich habe ein bisschen darüber gelesen und es gibt schon einige Ungereimtheiten. Es interessiert mich, wie man in 50 Jahren der Angelegenheit gegenüber steht. Ich glaube nicht, dass die Bush-Regierung selber etwas damit zu tun hat, aber es ist schon glaubwürdig, dass sie es hätten stoppen können. Wer weiß. War ja nicht gerade die glaubwürdigste Regierung. (lacht)

Patrick: Das gleiche mit dem Irakkrieg. Erinnerst du dich an diese Aufnahmen, in denen Colin Powell dem UNO-Sicherheitsrat die Existenz von Massenvernichtungswaffen im Irak beweisen will?

Tommy: Ja klar.

Patrick: Niemand spricht mehr von diesen Waffen, oder? Weißt du was ich meine? Der ganze Krieg wurde deswegen in Gang gesetzt.

Tommy: Ja, als es dann rauskam, war es wie so ein großes „Oooops!“

Patrick: Slobodan Milosevic kam vors Tribunal wegen seiner Kriegsverbrechen. Warum nicht die US-Regierung? Wäre das nicht fair?

John: Sie sitzen am längeren Hebel.

Tommy: Ich bin gespannt, was mit China passiert. All die Jahrzehnte ging man davon aus, dass Kapitalismus ein demokratisches System voraussetzt, um wirklich funktionieren zu können und jetzt haben wir diese diktatorisch geführte kapitalistische Weltmacht. Ich bin gespannt, wie sich das entwickelt.

Patrick: Interessanterweise haben sie nicht diesen Hegemonialanspruch wie die Amis.

Tommy: Naja, das liegt auch daran, dass sie im eigenen Land genug Probleme haben, mit denen sie umgehen müssen. Da ist es ganz clever, sich nicht auch noch die eines anderen Landes aufzuhalsen.

Fotos des Abends könnt ihr euch hier ansehen.

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