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Reisen

Was es bedeutet, ein Baumpflanzer zu sein

Lass dich vom Bäumepflanzen nicht täuschen. Es ist härter, als du dir vorstellen kannst.
30.11.10

Lass dich vom Bäumepflanzen nicht täuschen. Es ist härter als du dir vorstellen kannst, man wird mit Peitschen angetrieben und du arbeitest in einem endlosen Zyklus von Pflanzen und Demütigungen, bis man nur noch gebückt laufen kann, wie ein Sack Knochen, vernarbt und ohne Lebenswillen. Das ist auch der Grund warum das Bäumepflanzen in einem Gefängnis in Neuseeland eingeführt wurde – es ist einfach richtig harte Scheiße. Aber was ist denn nun so hart am Bäumepflanzen? Versuch mal 3.000 dieser Dinger am Tag zu pflanzen, in einer Eiskälte, mit nassen Füßen, den Berg hinauf und knietief in Ästen und Dornen. Oh und richtig schön schlammig ist es auch noch. Die Arbeit beginnt um sechs Uhr morgens und als Kirsche auf der Torte wirst du auch noch von Wespen, und allem anderen was einen Stachel hat, gestochen. Es wird dich prägen, in deinem Hirn wird sich die Erinnerung an diese Knochenarbeit einnisten. Und nicht in dem albernen, nostalgischen Teil. Wenn du eine Weile Bäume gepflanzt hast, wirst du auf deine Freunde, die alle nur Mädchenarbeit machen, richtig scheißen. Denn du gehst durch die Hölle.

Auf einer Party unterhielt ich mich mit so einem Kerl über seinen Job. Er hatte wachsame Augen, ein buschigen Pferdeschwanz und war um die 20. Ich traf ihn im Badezimmer und ich war mehr als überrascht, dass er seit zwei Jahren ein Baumpflanzer ist. Weniger überrascht war ich jedoch, als er mir erzählte das er in der Scheiß-Provinz für ein fieses Unternehmen arbeitet.

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Bäumepflanzen ist wie ein Sommer-Ferienlager für junge Erwachsene, mit schwerer körperlicher Arbeit. Man bezahlt, damit die jungen Dinger mal was ordentliches in ihrem Leben machen. Man wird in Gruppen eingeteilt (zwischen 6 – 12 Leute) und in Hütten untergebracht, man muss sich einem Anführer unterordnen. Das Camp hat einen Haufen solcher Crews und alle werden von einen allmächtigen Vorgesetzten verwaltet. Die Geldgier motiviert die Veranstalter, dem ganzen Aufenthalt eine „gute Zeit“ Stimmung aufzuhauchen.

DIE TEUFLISCHE HOLZVERARBEITUNGSINDUSTRIE

Kanada ist ein natürliches Brachland. Abgeholzte Straßen bilden endlose Labyrinthe mitten im Nirgendwo, unfruchtbare Böden soweit das Auge reicht, kleine und größere Hügel charakterisieren die Landschaft. Die Holzindustrie sieht im Bäumepflanzen ihr großes Imperium. Viele Forstarbeiter, wie Holzfäller, bekommen ein gutes Unterhaltsgeld pro Tag für ihre Arbeit in entlegenen Gebieten. Aber die Baumpflanzer, die sind dumm genug und bezahlen ihren Aufenthalt auch noch selber ($ 25 pro Tag). Sie sind bei weiten lukrativer als Baumpflanzmaschinen.

Das Missverständnis, welches am meisten verbreitet ist, Baumpflanzer seien ein Haufen schmutziger Hippies. Der Teil mit dem verdreckt sein stimmt schon, aber jeder wirkliche Hippie würde sofort anfangen zu weinen, wenn er das hier sehen würde. Diese kleine Bäume werden nur gepflanzt und hoch gezüchtet, damit sie dann wieder von der bösen Industrie gefällt werden können. Zusätzlich wird hier für Holzindustrie auch eine Unmenge an Benzin verschwendet. Was hier verbraucht wird, könnte ganz Afrika bis zur Apokalypse mit Kraftstoff versorgen. Liebe Hippies und Umweltschützer, kommt nicht hierher, sonst könnt ihr nie wieder ruhig einschlafen.

DER STREITWAGEN ZUM RUHM

Es gibt viele Transportmöglichkeiten um jeden durch dieses verfluchte Areal zu führen. Die meisten täuschen ein Gefühl von Wichtigkeit und Macht vor.

Crummies: Diese Dinger sollten verboten werden. Eine riesengroße Metallbox liegt hinten auf der Haube des Trucks. Da drin fühlst du dich wie ein Gefangener. Zwischen Fahrer und den Gefangenen gibt es Null Kommunikation. Diese Dinger sind bekanntlich die Hölle der Pflanzer. Einmal bin ich in diesem Ding mitgefahren, die Tür dieser Kiste wird nur mit einem Stück Seil zugehalten. Auf den holprigen Forststraßen löste sich ein Rücksitz und es war ein Loch über dem Hinterrad, da kam die ganze Zeit Staub und Wasser herein. Natürliche lag die Elektrik der Wagens offen.

Schulbus: Du weist, dass deine Crew mal so richtig beschissen ist. Das hast du gemerkt, sobald du mit ihnen arbeiten warst. Und dann auch noch der Schulbus, doch aus irgendeinem Grund sind diese Bastarde gut auf den Nebenstraßen. In ihnen hasst man sein Leben nicht ganz so sehr, man zittert nur auf den quietschenden Kunstledersitzen.

FISTs: Jede Pflanz-Company braucht eine Haufen von denen. Das ist ein regulärer sechs Personen Truck mit einem Riesen Kühler auf der Rückseite. Damit bleiben die Babys aka Bäume auch schön kühl. FIST steht für irgendetwas, aber wer zum Teufel weiß für was.

Vans/Excursions: Wenn nicht gerade stecken bleiben, sind das echte Luxusschlitten. Hallo Heizung, Radio und kleine Nickerchen. Manchmal gibt es sogar Sitzheizungen. Oh man!

Helikopter: Auch kleine, arme Baumpflanzer können sich mal wie Helden fühlen, vor allem wenn sie Gebiete betreten, die schon seit Jahren kein Mensch mehr erschlossen hat. Am beste geht das mit dem Helikopter, vor allem wenn man ein paar Tricks macht, scheißen sich manche ein vor Angst. Die Vorfreude verfliegt schnell, wenn man merkt das die Heli-Piloten nur die Hälfte an Tageslohn bekommen.

Rolligons: Dieses Ding ist ein Monstertruck, hier passt eine komplette Zwergenfamilie rein. Das ist ein Gefährt für die richtige Hardcore-Crew, mit einem Käfig hinten drauf. So bekommt man das richtige KZ-Feeling. Das Ding kann nicht wirklich schnell über Felsen fahren, die Mensch die in der Mitte sitzen bekommen unweigerlich ein Gefühl wie in Where The Wild Things Are. Es wird benutzt wenn der Zugang selbst zu Fuß, zu grausam ist.

Quad: Ich werde den Anblick nie vergessen, als sich fünf ausgewachsene Männer auf so einem Mini-Quad platzierten. Damit werden meistens die Bäume geliefert und wenn man Glück hat, muss man gar nicht mehr laufen, sondern kann den ganzen Tag mit diesem Ding rumfahren. Die Crewbosse dödeln stundenlang auf den Mistdingern herum.