Die Reaktionen nach dem Tod des Polizisten durch einen “Reichsbürger”

Am Donnerstagmorgen herrscht traurige Gewissheit. Nach den Schüssen eines “Reichsbürgers” auf mehrere SEK-Beamte hat einer der verletzten Polizisten seine Verletzungen nicht überlebt. “Er ist jetzt tatsächlich verstorben”, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Mittelfrankens.

Der 49-jährige Täter Wolfgang P. hatte sich im mittelfränkischen Georgensgmünd verschanzt, als die SEK-Beamten zu einer Razzia zu seiner Wohnung kamen. Der Grund: P. besaß rund 30 legale Waffen, die ihm jedoch entzogen werden sollten, nachdem die Behörden ihn für unzuverlässig erklärt hatten. Der getötete Polizist war 32 Jahre alt. Ein weiterer Beamter wurde bei dem Einsatz schwer und zwei Polizisten leicht verletzt. Der Täter konnte festgenommen werden und soll heute einem Ermittlungsrichter zur Klärung der Haftfrage vorgeführt werden.

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Nach dem Tod des Polizisten herrscht Entrüstung—und es stellen sich jede Menge Fragen. Die Reaktionen auf den Fall rund um den ominösen “Reichsbürger” in neun Tweets:

Wer sind diese „Reichsbürger”?

Trotz diverser Interviews, Dokumentationen und Berichte ist vielen Menschen immer noch nicht klar, wer diese ominösen “Reichsbürger” überhaupt sind.

Zur Erklärung: Reichsbürger erkennen die Rechtmäßigkeit der Bundesrepublik nicht an, stattdessen glauben sie an eine riesige Verschwörung, die das Fortbestehen des deutschen Reiches vertuschen soll. Viele Reichsbürger haben Verbindungen zur rechtsextremen Ideologie, in Bayern beobachtet der Verfassungsschutz die Bewegung. Da sie den Staat nicht anerkennen, sehen sie auch keinen Grund, dessen Organe ernst zu nehmen. Auch in Österreich sind in der Steiermark bereits sogenannte “Souveräne Bewegungen” aufgetaucht, die den Staat nicht anerkennen.

Die Waffenfrage

Ausgang für die Razzia war die riesige Waffensammlung des Täters. Wolfgang P. ist Jäger und Sportschütze und besitzt laut Polizei rund 30 Waffen ganz legal. Eine reicht ja nicht.

Im Mai wollten Mitarbeiter des Landratsamts die Waffen kontrollieren, doch P. verwehrte ihnen damals und auch noch später im Sommer den Zutritt zu seiner Wohnung. Anfang August erhielt P. ein Anhörungsschreiben. Seine Antwort “Ich bin Reichsbürger.” Er müsse daher nicht mit den staatlichen Behörden kooperieren.

Die erweiterte Waffenfrage

Ein Hobbyschütze hat ganze 30 Waffen. Schlimm genug. Aber ein behördenbekannter “Reichsbürger”? Erst durch die Unzuverlässigkeitserklärung kam es zur Razzia. War das viel zu spät?

Was sagt VIP-“Reichsbürger” Xavier Naidoo dazu?

Immer, wenn es um die “Reichsbürger” geht, taucht der Name von Xavier Naidoo auf. Der Musiker leugnete beispielsweise 2011 im ARD-Morgenmagazin die Souveränität der Bundesrepublik Deutschland. Er trat auch mal am Tag der Deutschen Einheit vor Anhängern der Bewegung auf und sprach über die von den USA besetzte Bundesrepublik. Zudem rief er zum Widerstand auf. Wolfgang P. postete auf seiner Facebook-Seite Artikel über den Sänger. Mit der Überschrift “Der BRD-Schwindel”.

Sind “Reichsbürger” nur Spinner?

Die Reichsbürger und ihre kruden Theorien sorgen immer wieder für Gelächter. Für einige Kommentatoren gibt es daher nur eine Erklärung:

Oder sind sie mehr als das?

Die Antwort folgte prompt.

Wie gefährlich die Ideologie sein kann, zeigt auch ein anderer Fall. Die Schießerei in Bayern ist nämlich nicht das erste Mal, dass ein Reichsbürger versucht, sich mit Waffengewalt gegen die angebliche Willkür der Polizei zu wehren. Erst im August schoss der ehemalige Mr. Germany, Adrian Ursache, einen SEK-Beamten an, als die Polizei die Zwangsräumung seines Hauses in Sachsen-Anhalt durchsetzen wollte. Adrian Ursache hatte zuvor auf seinem Gelände den souveränen Staat “Ur” ausgerufen. In einem Video, das der ehemalige Schönheitskönig bei einem früheren Polizeibesuch selbst gedreht hatte, bezeichnete er die Beamten wiederholt als “irgendwelche Kriminelle mit der Wortmarke ‘Polizei’”.

Welchen Name können wir der Tat also geben?

Die “Reichsbürger” rechtfertigen solch eine Tat als “Selbstverteidigung”. Das sehen nicht alle so:

Das Problem mit den Parallelgesellschaften

Die “Reichsbürger” spalten sich seit Jahren ab, leben in ihrer eigenen Welt. Es gibt eigene Regeln, Institutionen und sogar einen eigenen Ausweis. Wurde das Problem nicht ernst genug genommen?

“Denkt bitte auch an die anderen Terroristen”

Dass nun von Terrorismus die Rede ist und einem großen Teil der “Reichsbürger” ein “rechtsradikaler Hintergrund” nachgesagt wird, stört wohl einige Menschen. Die antworten mit dem “Klassiker”:

Wir sehen das anders. Wir finden: Über Terror allgemein kann nicht oft genug gesprochen werden. Wie nötig das ist, belegen die Fakten.

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