Video: So kommen prügelnde Polizisten davon

Ein Beamter erzählt: "Oft richtet sich die Schikane gegen Ausländer und Menschen mit Migrationshintergrund."
21.11.17

Geschichten werden nicht wahrer, nur weil besonders viele Menschen sie glauben. Siehe Bibel, Weihnachtsmann, Donald Trumps Twitter-Account – und die deutsche Polizei. Einer Studie zufolge haben mehr als vier Fünftel der Deutschen großes Vertrauen in Polizisten und Polizistinnen. Und wenn vor deutschen Gerichten Fälle von Polizeigewalt verhandelt würden, kritisiert Amnesty International, glaubten die Richter fast immer den Beamten und nur sehr selten den Klägern. Zu Unrecht, wie ein anonymer Polizist jetzt in einem Video berichtet.

"Auf jeder Dienststelle gibt es Kollegen, die durch ihr extrem aggressives Verhalten auffallen", sagt Robert dem Magazin Jäger & Sammler von Funk, dem Online-Jugendkanal von ARD und ZDF. "Widerstandsbeamte" nenne man diese aggressiven Polizisten intern. Robert ist selbst Polizist und heißt eigentlich anders. Zwar hat er sich Anfang des Jahres entschlossen, Interviews zu Missständen bei der Polizei zu geben. Er bereue, sich nicht schon früher gegen Polizeigewalt geäußert zu haben. Er bleibt dabei aber anonym, weil er sich und seine Familie schützen will. In seinen zehn Jahren bei der Polizei habe er oft miterlebt, wie Kollegen Situationen bewusst hätten eskalieren lassen und Menschen von Beamten schikaniert worden seien, sagt Robert: "Oft richtet sich [die Schikane] gegen Ausländer, gegen Menschen mit Migrationshintergrund."

In den meisten Fällen müssen prügelnde Polizisten nicht einmal Konsequenzen fürchten: Nach Zahlen des Statistischen Bundesamts kam es bei Polizeiübergriffen 2016 überhaupt nur in 0,79 Prozent aller Fälle zu einer Anklage. Nur selten erstatteten Betroffene Anzeige, sagt Robert, Kollegen schützten die gewalttätigen Polizisten. Würden sie doch angezeigt, reagierten viele der Beamten mit einer Gegenanzeige, so Philipp Krüger von Amnesty International.

Selbst der UN-Menschenrechtsrat kritisierte Deutschland 2013 dafür, zu wenige Vergehen der eigenen Polizei aufzuklären, und empfahl eine Kennzeichnung Beamter im Einsatz. Auch Robert findet: Um Polizeiübergriffe zu stoppen, brauche es eine unabhängige Instanz, die die Fälle prüfe. Aber seht selbst:

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