SENEGAL

Die Geschichte eines Wrestlers im Senegal

Der Surf-Film 'Beyond' feiert in Graz und Wien Premiere. Wir zeigen exklusiv eine selbstständige Story, die dem Schnitt zum Opfer fiel.

Was tut man, wenn man einen Surf-Film machen will? Man fährt zuerst mal in die Wüste. "Es klingt vielleicht ironisch", sagt der Produzent Andreas Jaritz. "Aber wir wollten die Wüste kennenlernen, um den Kontrast zum Meer besser zu verstehen. Und das Interessante daran war, dass wir auf die Art herausgefunden haben, wie ähnlich die Leute über beides reden."

Was auf den ersten Blick wie Gegensätze wirkt, sind am Ende oft eben doch nur zwei Seiten derselben Sache. Das ist jedenfalls eine der Erkenntnisse von Beyond, einem österreichischen Surf-Film von Mario Hainzl, der in Westafrika gedreht wurde – genauer gesagt in Marokko, Westsahara, Mauretanien, im Senegal und in Gambia.

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Wie viele Länder die Crew dabei genau besucht hat, ist Definitionssache: Je nachdem, ob man die Vereinten Nationen oder das Königreich Marokko als Maßstab nimmt, waren es entweder vier oder fünf. Marokko erkennt die Westsahara nämlich nicht als eigenständigen Staat an. "Als wir bei der Botschaft von Marokko um eine Drehgenehmigung angesucht haben, war das auch ganz praktisch ein Thema", erinnert sich Jaritz. "Wir mussten die Westsahara noch schnell aus unseren Unterlagen löschen, um die Autoritäten nicht zu verärgern."

Am Spannendsten wurde es für Andreas Jaritz dann im Senegal, dem dichtest besiedelten Ort von Westafrika. "Die vorherrschende Religion ist eine Mischung aus Islam und Rastafari. Im Gegensatz zum marokkanischen Teil gibt es hier plötzlich wieder Party. Und es gibt Dakar, wo die Menschen alle mit Handys rumlaufen und Celine Dion hören, weil sie denken, dass das bei uns in Europa cool ist."

Hier entstand auch noch ganz nebenbei die Wrestler-Story, die aus Zeitgründen dem Schnitt zum Opfer fiel und wie ein selbstständiger Kurzfilm wirkt. Das sogenannte "Gambische Wrestling", eine spezielle Art des Ringens, hat in Westafrika eine lange Tradition, die bis ins 11. Jahrhundert zurückreicht. Gambisches Wrestling ist dabei eine Hybridform aus dem modernen Showsport und dem klassischen Ringen. Wie der Kurzfilm zeigt, entscheiden die Wettbewerbe nicht selten über den sozialen Status des Einzelnen – und das Wohl seiner Region, für die der Wrestler den Sieg (und das Preisgeld) holen will.

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"Beim Dreh sind wir übrigens mit der Kamera direkt neben einem Fotografen gestanden, der denselben Bildausschnitt gewählt hat wie wir – und dafür einen World Press Photo-Award gewonnen hat", erzählt Jaritz.

"Wer versucht, nur das Exotischste zu finden, wird sicher enttäuscht werden. Das Exotische ist eben auch nur ein Konstrukt, das es in Wirklichkeit nirgends gibt."

Ob er angehende Filmemacher zu so einem Projekt ermutigen oder ihnen eher abraten würde? "Unseren ersten Film haben wir selbst produziert und richtig Scheiße gefressen. Diesmal hatten wir es wesentlich besser, vor allem durch die Unterstützung von Blue Tomato, GRAWE sidebyside, Freitag Taschen und earwear.me, aber auch dank unserer Förderer wie dem ORF, dem österreichischen Filminstitut und dem Land Steiermark." Einfach war es für die Filmcrew trotzdem nicht; immerhin dauerte die Drehreise volle 90 Tage, was Jaritz im Nachhinein als "Fehlentscheidung der Produktion" bezeichnet. "Die Leute hatten zwar auch Urlaub, aber du kannst dich nie richtig erholen", sagt er.

Ausgezahlt hat es sich trotzdem. "Es ist alles eine Perspektivenfrage", meint Jaritz. "Also auch die Frage: Was will man daraus mitnehmen und ab wann ist etwas ein Erfolg? Ich mochte zum Beispiel unsere Herangehensweise. Wir haben teilweise vorab recherchiert, aber uns auch teilweise spontan auf die Erlebnisse während der Reise eingelassen. Wichtig ist, dass man flexibel bleibt. Wer versucht, nur das Exotischste zu finden, wird sicher enttäuscht werden. Das Exotische ist eben auch nur ein Konstrukt, das es in Wirklichkeit nirgends gibt. Aber wenn du dich darauf einlässt, ist es extrem spannend."

Nach über drei Jahren Vorbereitungszeit – von der Planung über den Dreh bis zur Ausarbeitung der Charaktere im Schnitt und der Post-Produktion – liegt jetzt das Ergebnis vor. Beyond ist ab sofort auf Tour durch ausgewählte Kinos in Österreich, Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden.


Die ersten Stationen des Surf-Films sind Graz am 5. 10., Wien am 11. Oktober und Linz am 12. Oktober. Weitere Terminen im Oktober und November folgen. Alle Infos findet ihr auf der offiziellen Website.