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"Polizeirazzia wäre zu empfehlen" – Deutsche Clubs in Google-Bewertungen

Ob Berghain in Berlin, das IFZ in Leipzig, das Travolta in Frankfurt oder das Crux in München: Auf Google bekommen sie alle die Wut unzufriedener Party-Gänger zu spüren.

von Juri Sternburg
04 Oktober 2017, 10:41am

Foto: imago | 7aktuell

Hoch die Hände, Wochenende! Die Arbeitswoche im Großraumbüro ist gerade um, man will einfach nur gepflegt sein Geld in einem der unzähligen Vergnügungstempeln Deutschlands lassen, hat sich die beste Seidenbluse angezogen, die man im Schrank hatte, die Tanzschuhe geputzt, die Haare gefönt und ist bereit, endlich mal wieder so richtig die Sau rauszulassen. Also so wie letztes Wochenende halt. Alles ist minutiös vorbereitet, rein in den Club, ran an die Bar und alle: Schalalalalalaaaa!

Alles könnte so perfekt sein: Nach ein paar perfekten Dancemoves hat man dann die Aufmerksamkeit des anderen oder gleichen Geschlechts auf sich gezogen, knallt sich ordentlich ein paar exquisite Mojitos zu humanen Preisen vor den Latz und einem Abend voller wildem Afterhour-Sex steht quasi nichts mehr im Wege. Kraft tanken für die nächste Woche und so.

Wenn da nicht diese verfluchten Türsteher, DJ's und Barkeeper wären, die es einem einfach unmöglich machen, auch nur eines der geplanten Vorhaben in die Tat umzusetzen. Von Leipzig bis München scheitern regelmäßig Partywillige bereits an der Tür und machen alles und jeden für ihr nicht wirklich zufriedenstellendes Ausgehwochenende verantwortlich. Nur nicht sich selbst.

Und was tut man, wenn man generell der Meinung ist, dass immer die anderen Schuld haben, frustriert mit dem Smartphone vor einem Club steht und der Welt mitteilen möchte, wie ungerecht das alles ist? Richtig, man geht ins Internet und schreibt eine Kritik, die sich so richtig gewaschen hat. Da werden sich die Besitzer aber umgucken, wenn sie das lesen! Wir haben uns mal dazugestellt und mitgelesen, was da so in die Google-Bewertungen der beliebtesten Clubs des Landes getippt wird. Natürlich nicht ohne das Ganze süffisant von der Seite abermals zu kommentieren. Was man eben so im Vollsuff tut.

Hamburg

Übel und Gefährlich

Alle Screenshots via Google

Potzblitz! Da zieht man seinen zweitbesten Pullover an (der "Keine Liebe"-Sweater war leider bei Mutti in der Wäsche), auf dem eine übergewichtige, nackte Frau abgebildet ist, geht in einen tendenziell linksradikalen und feministischen Club und wird einfach blöd vom Türsteher angemacht. Ich fühle deinen Schmerz. Lass uns 'ne Flasche Korn an irgendeiner Tankstelle in Brandenburg exen und dabei Trailerpark hören, um dieses Trauma zu verdrängen. Also geh schon mal vor, ich komme nach.

Endlich mal eine in sich schlüssige Begründung für die schlechte Bewertung eines Clubs. Der Typ hat danach übrigens noch den Griechen an der Ecke bewertet: "Die Tischdeko war schön anzusehen, leider mag ich kein Zaziki und trinke ungern Ouzo, daher nur ein Stern." Wir mussten dann auch die Rechnung beim Griechen übernehmen und sind schon ziemlich geschröpft, deswegen schnell nach Leipzig, da kann man angeblich mit Bananen zahlen.

Leipzig

IFZ (Institut für Zukunft)

Wusst ich's doch, hier bekommt man noch was für sein Geld. Nicht jede Kritik muss negativ sein, Leute, konstruktive bzw positive Kritik ist meist zielführender. In diesem Fall spricht gar etwas Dankbarkeit aus dem Besucher. Warum im IFZ, das gerne auch mal als "Berghain Leipzigs" bezeichnet wird, so grandiose Zustände herrschen, kann vielleicht der nächste Gast erklären.

Ich habe den Beitrag jetzt genau vier mal gelesen. Und noch immer verstehe ich nur: "Noch kein Club gesehen, in dem mehr Drogen konsumiert werden als hier. Mimimi. Blablabla. Keiner hat mich lieb. Ich studiere moderne Literaturwissenschaften." Heul leise. Die gute Nachricht: Im IFZ wird offenbar auch morgens um 11 Uhr noch was los sein, wir können also erst mal weiter ziehen und später wieder herkommen. Geil!

L1

Für uns auch. Ganz klar. Sehen und gesehen werden ist ja noch erträglich, aber dann doch bitte so sturzbetrunken, dass man die unsäglichen Fressen der anderen Möchtegerns auch ertragen kann. Apropos Möchtegern. Vielleicht mietet man einfach den ganzen Club, dann hat man den Laden wenigstens für sich. Oder?

Ah, OK. Den Club mieten ist auch keine Option, schade. Da wollte der Freund der jungen Frau also einfach nur bei einer Prügelei mit den Türstehern mitmischen und bekommt dafür auch noch was auf den Kopf. Für uns ebenso unverständlich wie einen Junggesellenabschied im L1 zu feiern, aber nun gut. Vielleicht gibt es ja andere Vorteile, zum Beispiel eine gratis Animation oder ein reichhaltiges Wurst-Buffet.

Mist. Warum sind wir überhaupt noch hier?

OK, Martin. Gesagt, getan. Ab in den Bus und auf nach Berlin. Wir haben zwar theoretisch kein Geld mehr, weil wir unsere letzten 10 Euro ja für den Bus ausgegeben haben, aber in Berlin sind ja alle etwas lockerer, das wird schon. Party on!

Berlin

Watergate

Wer kennt das nicht. Da reist man mehrere hundert Kilometer, um einen bestimmten Club zu besuchen, zahlt eine Übernachtung in einer fremden Stadt und weiß zufällig nicht, wer an dem Abend in besagtem Club spielt. Typisch arrogante Piefkes. Dann lieber nach nebenan ins Matrix, da ist die Welt noch in Ordnung. Auf dem Weg dorthin noch schnell 7.000 Pfandflaschen gesammelt und im Späti abgegeben, die Kriegskasse ist also wieder gefüllt.

Matrix

Na also. Geht doch. Das Matrix, deutschlandweit bekannt für seine Exklusivität, macht seinem guten Ruf mal wieder alle Ehre. Hier werden wir wahrscheinlich nicht genügend Beschwerden sammeln können, also schnell auf ins sagenumwobene Berghain, wo die wilden Kerle wohnen.

Berghain

Nie wieder Krieg! Nie wieder Faschismus! Nie wieder Berghain! Dieser Gast hat die eigenen Unzulänglichkeiten zwar vollkommen richtig analysiert, aber leider vergessen, dann auch entsprechend zu handeln. Weder auf Drogen, noch homosexuell, hätte er einfach nur das Gegenteil von dem anziehen müssen, was er auf der Weihnachtsfeier seines BWL-Kurses trug. Soweit reichte die Selbstreflektion dann aber doch nicht. Der nächste Clubbesucher hatte da mehr "Glück".

OK, wir wissen natürlich jetzt nicht genau, was hier passiert ist, gehen aber mal davon aus, dass "vergewaltigen" nicht wörtlich gemeint ist. Aber Glückwunsch, Bruder. Warum trifft man eigentlich bei den Google-Bewertungen ähnlich wenig Frauen wie im Darkroom? Egal, offenbar warst du aber noch in der Lage, eine Bewertung bei Google zu schreiben. Der nächste Gast hatte es da deutlich schwieriger.

Ein klarer Fall für Galileo Mystery. Wie um alles in der Welt konnte Eric dann diese Nachricht schreiben? Und warum konnte er überhaupt sein Smartphone im Berghain benutzen ohne gevierteilt zu werden? Handelt es sich hier etwa um eine lang angelegte Verschwörung? Sind die Illuminaten und Rothschilds darin verwickelt? Es gibt nur einen Ort wo man das klären kann: Mainhattan aka Frankfurt am Main.

Frankfurt

Gibson

Helge Schneider, Meister des subtilen Humors, formulierte es einst so: "Drei Männer in einem Raum? Da ist schlecht Fotze lecken!" Das ist leider auch schon das Ende der Geschichte, deal with it. Betretenes Schweigen. Keiner lacht. Bloß weg.

Hier hat endlich mal jemand verstanden, warum man überhaupt in Clubs geht. Nämlich um sich von den anderen mittels einer Kordel zu separieren und an einem kleinen Tisch überteuerte Alkoholika zu genießen. Natürlich könnte man auch zuhause bleiben, in der eigenen Küche, um an dem weitaus größeren Tisch mit seinen Freunden, wesentlich günstiger und separierter besoffen zu werden. Aber dann sehen die anderen ja nicht, wie wenig Bock man auf sie hat. Insofern: Weitermachen, aber für uns ist hier leider kein Platz mehr.

Adlib

Wenn man kein Geld zahlt und nach 15 Minuten wieder raus geschmissen wird, ist das ja schon eine Schande. Aber das hier ist wirklich die Höhe. Wir wissen nicht, was "ohne Grund" in diesem Fall bedeutet, vermuten aber dass es sich um eine stabile 2-Promille-Schräglage mit akuter Kotzeritis handelte. Oha, die 15 Minuten sind um, wir müssen gehen. Irgendjemand 'nen Tip?

Kurzer Check hat ergeben: Haare am Sack sind vorhanden. Also auf ins Travolta, das klingt jetzt schon so richtig geil. Wenn ich da mit meinen "Staying Alive"-Moves kein Aufsehen errege, weiß ich auch nicht.

Travolta

Die Diskrimierung haben wir leider auch erlebt. Nach kurzem Augenzwinkern und einem 'secret handshake' mit dem Türsteher, haben wir jedoch blitzschnell reagiert und flink unseren Reichsbürgerausweis vorgezeigt, ab da lief alles glatt. Sogar unser selbst gedrucktes Geld aus Germania wurde akzeptiert. An der Bar dann auch gleich die erste Bekanntschaft. Und, wie findest du's hier?

Ach so. Na gut. Dann halt nicht. Also auf zu unserer letzten Hoffnung. Da wo das Gras immer grüner ist, die CSU stabile 40 Prozent holt und der eigene Stammbaum noch ein Kreis ist. Spaß, nicht aufregen, ihr könnt ja Geschwister bleiben, auch nach dem ihr euch getrennt habt. Will sagen: Hallo Bayern!

München

Crux

Das ist wirklich deletantisch, Jörn. FAIL. Sagenhaft deletantisch. FAIL FAIL. Aber starke Leistung, dass du dann trotzdem von draußen noch die Musik beurteilen kannst. Respekt dafür. LOL.

War das vielleicht einer mit Cowboyhut? Ja! Warum?

Ist auch unser Fazit des Abends. Unfreundliche Türsteher sind kacke. Cowboyhüte sind scheiße. Aber unfreundliche Türsteher mit Coxwboyhüten gehen einfach gaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaar nicht. Ansonsten ist es bisher aber ganz erträglich, München halt. Heißt: Wir sind nach fünf Minuten schon 200 Euro ärmer, der Club schließt vor Mitternacht und irgendwelche mit Lederhosen verkleideten Typen beschimpfen uns in einer Fantasiesprache, die wohl bayrisch sein soll. Bis später, Jungs.

Rote Sonne

Wir haben jetzt wirklich schon viel erlebt im Laufe des Abends, aber das setzt dem Ganzen die Krone auf. 50 Cent für das checken meiner Jacke! Wenn ich den dem arbeitsscheuen Garderobenpack schon einen Euro für das Aufbewahren meines Hermelins zahle, dann möchte ich diesen gefälligst gebügelt und gemangelt wieder haben. Und wenn du schon dabei bist, kannst du auch gleich mal die Schuhe wienern, Prolet! Und warum ist die Kundschaft hier überhaupt halbtot?

Das erklärt einiges. Diese verdammten Drogen-Zombies in den Techno-Clubs. Ein paar ordentliche Watschen, ein Wasserwerfer und eine Flutlichtanlage würden dem Club gut tun. Dann fühlt man sich hier endlich wieder wie zuhause. Apropos zuhause. Ich bin schon wieder pleite. Ich hau ab, bis nächstes Wochenende. War super, lass uns das öfter machen.

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