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Interviews

"Eeew … Es ist pink!" – Portugal. The Man haben österreichische Politiker bewertet

Portugal. The Man haben die FPÖ, die neue ÖVP, die Liste Pilz, die NEOS und andere Parteien anhand von Fotos bewertet und haben ihren Job gar nicht mal so übel gemacht.

von Philipp Pankraz
27 September 2017, 3:15pm

Header: Phillipp Pankraz

Die wunderbaren Jungs von Portugal. The Man waren endlich wieder einmal in Österreich zu Gast. Ich traf Zach und Erik vor ihrem Gig im Wiener Gasometer bei bester Laune und zu einem Gespräch über die neue Platte, weirde Visuals und ein bisschen österreichische Politik. Wahlempfehlung darf man sich keine erwarten, aber ein ausgesprochen lustiges Ratespiel und eine Sebastian-Kurz-Analyse.

Noisey: Hey Jungs, danke, dass ihr euch die Zeit genommen habt, um mit uns zu sprechen. Es ist aber auch schon eine zeitlang her, dass ihr hier wart.
Zach: Das stimmt, aber wir waren bereits etliche Male davor hier, da wir um 2006 herum doch relativ schnell bekannt wurden. Wir kamen damals sicher zweimal im Jahr nach Österreich, was immer super war, da ich es wirklich mag. Es erinnert mich einfach sehr an Alaska und außerdem sind die Jungs von den Steaming Satellites inzwischen wirklich gute Freunde geworden.
Erik: Super Jungs.
Zach: Die sind ja auch aus Salzburg. Dort feierte ich nämlich meinen 30. Geburtstag! Ich hoffe, ich bringe die Jungs damit nicht in Schwierigkeiten, aber zwei von ihnen arbeiteten damals in einer Salzmine und so kam es, dass wir anlässlich meines Geburtstags mit ein paar Freunden einfach ins Bergwerk fuhren und dort unten mit Bier und Torte feierten. Das war wirklich cool. Ein super lustiges Erlebnis.
Foto: Nicola Silva Felsberger
Klingt nach einem lustigen Trip. Apropos: Mein Mitbewohner war gestern auf eurem Konzert in Linz, der meinte, ihr wart live super trippig. Nämlich auch visuell. Ist das eine Richtung, die ihr mit dem neuen Album zunehmend verfolgt?
Zach: Ah, cool. Naja, wir haben schon immer auch auf die visuelle Komponente unserer Show geachtet, inzwischen machen wir aber, worauf auch immer wir Lust haben. Für die neuen Shows verwenden wir in erster Linie Fotografien von Künstlern und Kollektiven, die wir cool finden und toben uns aus.
Erik: Da ist ein Haufen komisches Sex-Zeug dabei. Aber wir dachten uns: "Warum nicht?"
Zach:

Ist schon lustig: Hin und wieder blickst du dann in die Menge und siehst ein paar Gesichter, die komplett perplex sind. Ich mag sowas.
Erik: Es ist ein bisschen so, als würdest du einen Hund anpfeifen, der daraufhin seinen Kopf seitlich bewegt: "Ist das ein Dildo?"
Zach: Wir müssen uns schließlich auch selbst unterhalten, hehe.

"Ich bin 36, hab einen leichten Wohlstandsbauch, bin aus einer Stadt in Alaska und irgendwie ein Satanist – bitte was mache ich da oben in den Charts mit Justin Bieber und Selena Gomez? Es ist wirklich schräg!"

Wie kam nun eigentlich diese Entwicklung zu dem neuen Sound, der sich vor allem in der Produktion der Platte niederschlägt? War das eine bewusste Entscheidung?
Zach: Es ist lustig, aber wir konnten uns schon von mehreren Seiten sowas anhören wie: "Ihr wart doch so progressiv und cool, jetzt seid ihr doch irgendwie Mainstream geworden." Es ist aber komisch, weil bei Progressive-Rock hast du teilweise keine Ahnung, was du tust und die Leute meinen dann sowas wie: "Oh wow, ihr wechselt da plötzlich die Tonart und den Takt, das ist super schräg." Ich fand das immer etwas komisch. Wir waren nicht gewollt schräg, das Zeug war einfach super leicht zu spielen, es ist ja nur ein bisschen Mathe und es lag sicher eher daran, dass wir nicht wussten, wie man einen ordentlichen Song mit zusammengehörigen Teilen schreibt, oder wie man eine Geschichte richtig erzählt. Und klar, auch hinsichtlich der Produktion hat sich einiges getan, da wir die ersten beiden Alben im Grunde im Keller selbst aufnahmen. Inzwischen waren wir aber in ein paar ziemlich coolen Studios, muss ich sagen.

Ich kann mir gut vorstellen, dass es schwieriger ist, die Essenz eines guten Songs zu destillieren, als einfach mal zu schauen, was passiert. Die neue Platte klingt wirklich gut, und ich denke, der Erfolg spricht für sich?
Zach: Danke, ja es ist schon schräg. Wir dachten uns: "OK, die Single wird im Alternative Radio schon ganz gut funktionieren." Niemals hätten wir damit gerechnet, dass auch das Pop-Radio aufspringt. Wir sind jetzt quasi in einem Taylor-Swift-Sandwich: Da ist ein Swift-Song über uns, dann unsere Single, dann nochmal Taylor Swift. Ich meine, was geht ab? Ich bin 36, hab' einen leichten Wohlstandsbauch, bin aus einer Stadt in Alaska und irgendwie ein Satanist – bitte was mache ich da oben in den Charts mit Justin Bieber und Selena Gomez? Es ist wirklich schräg!

Also war es auch eine bewusste Entscheidung, in diese Richtung zu gehen?
Zach: Ich denke schon. Unser Ziel war es, den Mainstream etwas cooler zu machen. Es wäre schon schön zu sehen, wenn es im Pop wieder mehr Gitarrenbands geben könnte. Ich meine, "Smells Like Teen Spirit" war auch ein #1-Hit in den Charts. Als Grunge aufkam, sprach es einfach viele Leute an und wer weiß, vielleicht erleben wir sowas ja wieder mal. Wir haben auch nie verheimlicht, wo wir unsere Inspirationen her haben. Oft verwenden wir beim Schreiben einfach alte Beatles- oder Motown-Lyrics, oder -Songs als Ausgangspunkt und beginnen von da an unseren Sound zu machen. Ich meine "Feel It Still" ist eins zu eins "Mr. Postman" von den Marvellettes. Wir haben es nicht geklaut, wir haben eine Menge Kohle dafür gezahlt, dass wir es verwenden dürfen, aber sowas ist doch cool. Stell' dir vor, ein 15-jähriger Teenager hört unseren Song und denkt sich: "Cool, das gefällt mir, ich höre mir auch mal das Original an" und ist weggeblasen. Vielleicht entdeckt er so seine eigene Welt der Musik und wird der nächste Kurt Cobain, wer weiß das schon?

Auf Woodstock bewegt ihr euch zwischen verschiedenen Genres. Wir sprachen bereits vom Rock zum Pop und über alten Soul via The Marvellettes. Ihr habt aber auch einen starken HipHop-Einfluss auf der Platte, nicht zuletzt auch, weil sie von Danger Mouse produziert wurde, nehme ich an?
Zach: Oh ja, absolut. Die Idee von Woodstock war es, eine Platte wie ein Musikfestival zu machen: Auf der einen Bühne hast du alte Motown-Bands, auf der anderen vielleicht ein bisschen HipHop, und so weiter. Wir wollten aber nicht große Sprünge machen, wie einen Country-Song zu schreiben und als nächstes in den Pop springen. Für mich ist es irgendwie so, als würden wir Musik für unser Jugend-Ich machen, falls das Sinn ergibt? "Hey 17-jähriger Zach, du hast keine Ahnung von der Welt, aber ich zeig' dir jetzt ein paar coole Sachen, die du in der Zukunft machen wirst. Du wirst mit Mike D von den Beastie Boys arbeiten, mit Danger Mouse, den du jetzt noch nicht kennst, aber glaub' mir, es wird super." Haha.

Woodstock ist auch irgendwie politisch konnotiert und es ist wohl schwer in Zeiten wie diesen, unpolitisch zu sein, aber seht ihr es auch als politische Reflexion über den Zeitgeist?
Zach: Oh, absolut, da hast du Recht. Ich denke, es ist immer eine Spiegelung dessen, was passiert, es ist aber kein in-your-face-Album wie Rage Against The Machine oder sowas.
Erik: Es ist schon eine Zurkenntnisnahme dessen, was da passiert.
Zach: Ich glaube, es geht eher darum, für die eigenen Werte einzustehen und sich einfach nicht wie ein Arschloch zu verhalten, aber wir verfolgen da keine politische Agenda oder sowas. Wir maßen es uns nicht an, etwas zu predigen. Wir singen da eigentlich immer von uns selbst. Es geht auch nie um ein Mädchen oder sonst was. Eher um John, unseren Sänger und mich und darum, dass wir uns gegenseitig die Köpfe einschlagen wollen, haha. Aber jeder kann das auffassen, wie er will, und das ist ja auch das Schöne daran.

Ich weiß nicht, ob euch die Jungs von den Steaming Satellites aufklärten, aber wir haben hier selbst bald wieder Wahlen und ich habe eine Kleinigkeit vorbereitet: Ich würde euch gerne die antretenden Parteien zeigen und euch raten lassen, ob sie links oder rechts, sympathisch, unsympathisch oder was auch immer sind. Was auch immer euch dazu einfällt.
Erik: Klar, das klingt super!

FPÖ

Beide: Eew …
Erik: Fairness, huh? Das Haar, Mann …
Zach: Fairness für wen? Reiche Leute? Das ist immer so was Komisches mit dem zurückgegelten Haar …
Erik: Irgendwie hat jeder 80er-Filmbösewicht genau diese Frisur …
Zach: Oder auch Alec Baldwin! Haha!
Er könnte ihn sicher spielen!

Erik: Ich weiß nicht, ich sehe irgendwas in seinen Augen. Denke, der Typ ist rechts.
Zach: Ja, glaube ich auch …
Korrekt.
Erik: Was steht da genau?
Die Islamisierung gehört gestoppt.
Erik: Oooookay, alles klar.

Grüne

Beide: Links.
Erik: Fast ein bisschen Comic Sans.
Zach: Sie könnte meine Nachbarin in Portland sein, haha.

KPÖ

Zach: OK. Die Jacke über der Schulter macht mich ein bisschen unsicher. Moderat, eher links?
Eric: Ja, denke ich auch. Was ist's?
Die kommunistische Partei Österreichs.
Beide: Hahaha.

Liste Pilz

Foto via Facebook.

Zach: Ah, ich weiß nicht, ich glaube, ich mag die.
Eric: Das ist auch das, was sie dich glauben machen wollen, haha.
Zach: Haha, keine Ahnung, die anderen waren einfach so klar böse, das ist hier nicht der Fall. Ich meine, da sind sehr viele Leute auf dem Foto, das ist schon ein breites Spektrum. Der da sieht zum Beispiel ganz nett aus, aber der andere wieder etwas komisch.

Eric: Die sind halt auch alle ziemlich weiß, haha.
Zach: Ich glaube, die sind links.
Der Typ in der Mitte war früher bei den Grünen.
Eric: Ah, das ist ein super lustiges Spiel!
Zach: Das ist das Interessanteste, das ich seit langem in einem Interview gemacht habe!

NEOS

Beide: Eeew … Es ist pink!
Eric: Ich sage rechts.
Zach: Hm. Ich weiß nicht so recht, da ist irgendwas an dem Pink.
Eric: Ich traue ihm nicht, bleibe bei rechts.
Zach: Da ist irgendwas mit den Augen. Er erinnert mich an den Typen von Lost, ich mochte den nicht, haha. Aber ich sage links.
Nicht schlecht. Die NEOS nennen es "vorne", aber man kann sie teilweise sicher auf beiden Seiten zuordnen.
Eric: Also sind wir zusammen absolut richtig gelegen.
Zach: Fuck, wir sind gut darin! (Schlagen ein und lachen.)

ÖVP Liste Kurz

Eric: Rechts. Irgendwie rechts.
Zach: Ja, irgendwie glaube ich das auch.
Eric: Da ist was an diesem Typen mit aufgeknöpftem Hemd. Sieht ein bisschen wie ein Rechts-Bubi aus.


Zach: Ja, Sebastian. Der Typ wirkt einfach so, als wäre er schon mal auf einer Yacht gewesen, der weiß, wie man segelt. Haha.
Eric: Und er wirkt auch einfach so, als wäre er noch nie verprügelt worden.
Zach: Aber so viele Leute wollen ihm ins Gesicht schlagen, haha.
Ich bin mir sicher, davon gibt es vermutlich einige, auch wenn er ganz gute Umfragewerte hat…
Beide: Wirklich? (Beide etwas angewidert.)

FLÖ

Eric: Die Brille …Wirkt ein bisschen korrupt. Ich gehe mit rechts.
Zach: Hm, ich weiß, das ist vielleicht ein komischer Grund, aber irgendwie wirkt sie wie meine Unterstufenlehrerin, die ich nicht mochte. Also ja, rechts.
Haha.
Zach: Ich meine, wir sprechen kein Deutsch oder können das sonst irgendwie herleiten. Wir beurteilen Bücher anhand des Umschlags und ich mag solchen Scheiß. (Schlägt die Hände zusammen und lacht) So kaufte ich früher auch meine Platten!

SPÖ

Eric: Hm. Da ist so ein dubios aussehender Ethik-Typ am Rand, also das ist sicher kein rechter Hardliner.
Zach: Christian Kern … Keine Ahnung, was der Slogan da sagt … Ich glaube links…
Eric: Ja, links.

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