Drogen

In Kanada verstauben Hunderttausende Kilo Cannabis

Gleichzeitig hat Deutschland letztes Jahr nur 3.700 Kilo Gras importiert.
06 Dezember 2019, 12:48pm
Eine legale Cannabis-Plantage
Symbolfoto: imago | ZUMA Press 

An einem Ort gestapelt würde all das Weed wohl einem Waldhügel ähneln: In Kanada lagert eine riesige Menge Cannabis und niemand will es haben. Offizielle Zahlen der kanadischen Regierung zeigen, dass das Land viel mehr Cannabis produziert, als es verbraucht und verkauft.

Im August 2019 lagerten in Kanada laut Regierung legal 389.059 Kilo Cannabis. Davon wurden im selben Monat jedoch nur 12.917 Kilogramm verkauft. Irgendwo setzten also alleine aus diesem Monat 376.142 Kilo Marihuana Staub an – und der Produktionsüberschuss wird größer und größer. Bei Cannabis-Öl sieht es ähnlich aus. Obwohl man angesichts des anhaltenden Hypes glauben könnte, die Leute benutzen es zum Kochen, produziert Kanada, in dem Cannabis seit über einem Jahr legal ist, auch hier einen riesigen Überschuss. 155.128 Liter im August, von denen nur 11.705 verkauft wurden. Was ist da los?


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Offenbar ist der weltweite legale Markt für Cannabis momentan doch wesentlich kleiner, als viele kanadischen Unternehmen und Investoren gehofft haben. Das zeigt sich an den Aktien der großen kanadischen Cannabis-Unternehmen Aphria Inc., Aurora Cannabis und Canopy Growth. Seit Monaten fallen ihre Kurse. Und es zeigt sich am Inventar der Unternehmen, das wiederum stetig wächst. Müsste Kanada also einfach noch mehr in andere Länder exportieren? Das ist momentan schwierig.

Auch wenn viele deutsche Konsumierende sich freuen würden: Deutschland kann nicht einfach ein paar Dutzend Transportflugzeuge nach Kanada schicken und das ganze Gras abholen. Gemessen an den Mengen in kanadischen Lagern, sind die deutschen Importe winzig. 3.722 Kilo Cannabis durften für medizinische Zwecke 2018 nach Deutschland geliefert werden, im ersten Halbjahr 2019 waren es schon 2.498 Kilo. Zwar gibt es dennoch Berichte von Lieferengpässen in deutschen Apotheken. Solange aber die Bundesopiumstelle nicht signifikant mehr Importe genehmigt, werden Einfuhren nach Deutschland den kanadischen Überschuss kaum reduzieren.

Die gute Nachricht der wild wuchernden Marihuana-Branche: Unter idealen Bedingungen kann man Cannabis mehrere Jahre lagern, auch wenn der THC-Gehalt nach und nach sinkt. Der Überschuss dürfte also noch länger bestehen – was auf lange Sicht niedrigere Preise bedeuten könnte.

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