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Super Schlusswort

Darum können Lazios Ultras Totti einfach nicht hassen

Am Wochenende haben Lazios Irriducibili dem Kapitän des Erzfeindes ihren Respekt erwiesen. Grund dafür ist ein tragischer Vorfall aus dem Jahr 2007, bei dem Totti über sich hinauswuchs.

von Markus Hofmann
22 Mai 2017, 1:40pm

Foto: imago

Fällt der Name AS Rom, wird in der Regel fast im selben Atemzug der Name Francesco Totti genannt. Der ewige Capitano ist das unumstrittene Aushängeschild des dreimaligen italienischen Meisters und hat schon jetzt – seiner altmodisch gewordenen Vereinstreue sei Dank – Kult-Status. Ende dieser Saison ist Schluss bei der Roma, und mitten in seine Abschiedstournee platzt ein an Totti gerichtetes Lazio-Banner beim Spiel gegen Inter. Mit einer überraschenden Botschaft.

Wer jetzt denkt, die Laziali würden Totti bestimmt ordentlich abwatschen, hat weit gefehlt, das Gegenteil ist der Fall: Die Lazio-Ultras erweisen der Ikone des abgrundtief verhassten Stadtrivalen ihren Respekt und bereiten Totti einen mehr als versöhnlichen Abschied. "I nemici di una vita salutano Francesco Totti! Irriducibili", stand auf dem Plakat in der Curva Nord. Übersetzt heißt das: "Die lebenslangen Feinde verabschieden Francesco Totti! Irriducibili".

Dabei kommt der Gruß der Lazio-Ultras nur teilweise überraschend. Denn so sehr sich die Biancocelesti am AS Rom und dessen Leader Totti gerieben haben, ihre Achtung vor ihm haben sie nicht verloren. Zumindest nicht seit einem tragischen Vorfall im Jahr 2007. Der Wendepunkt in der Beziehung war nämlich der Tod des Lazio-Ultras Gabriele Sandri, der auf einer Autobahnraststätte auf dem Weg zu einem Auswärtsspiel bei Inter Mailand von einem Polizisten ohne Not erschossen wurde. Im Anschluss solidarisierten sich Ultra-Gruppen anderer Vereine mit den Lazio-Fans, darunter auch die Ultras vom AS Rom – und eben Francesco Totti. Als Sandri beerdigt wurde, war auch Totti zugegen, "fernab der Kameras, aber der Familie Sandri sehr nah", wie die Gazzetta dello Sport schrieb. Das haben ihm die Lazio-Fans nicht vergessen. Genauso wenig wie seine Geste ein paar Monate später beim Römer Derby, als er zusammen mit Lazio-Kapitän Tommaso Rocchi zur Curva Nord lief, wo ein riesiges Fan-Gemälde von Sandri gezeigt wurde.

Totti mögen wird man als Biancoceleste natürlich nie, zumal der in den letzten Jahren die ein oder andere Spitze gegen Lazio abgefeuert hat. Doch das Banner zeigt, dass Menschlichkeit stärker als blinder Derby-Hass sein kann. Und dann ist da noch der Punkt, dass so ein Typ wie Totti bei Fußballfans einfach gut ankommt, nicht nur bei denen in Rom. Denn auch Anhänger der Serie-A-Rivalen Milan, Chievo und Juve haben Totti in den letzten Wochen respektvoll verabschiedet.

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