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„Es herrscht eine unglaubliche Doppelmoral“: wenn Pädophile keine Männer sind

Genau wie Männer begehen auch Frauen Sexualdelikte. Doch warum werden diese Verbrechen oft als weniger schlimm wahrgenommen?

von Mish Barber Way
06 April 2016, 7:30am

Image by Kat Aileen

Im Jahr 2004—nach unzähligen Telefonaten, heimlichen Blowjobs und Sex auf dem Rücksitz ihres Autos—wurde Debra Lafave, eine heute berühmt-berüchtigte Mittelschullehrerin aus Florida, festgenommen, weil sie Geschlechtsverkehr mit ihrem 14-jährigen Schüler hatte. Die Nachricht war schockierend, doch die Medien konzentrierten sich nicht auf die Einzelheiten ihres Verhältnisses. Stattdessen stand etwas anderes im Fokus: Lafaves Vergangenheit als Bikinimodell und das gute Aussehen des All-American-Girls. Während des Prozesses nutzte ihr Anwalt, John Fitzgibbons, die Faszination der Medien für ihre Schönheit zu seinem Vorteil: Er vertrat die Meinung, sie sei zu schön, um ins Gefängnis zu gehen.

„Eine Frau wie Debbie in ein Frauengefängnis zu sperren, diese attraktive, junge Frau in so ein Höllenloch, das wäre, als würde man ein Stück rohes Fleisch in einen Löwenkäfig werfen," sagt Fitzgibbons vor Gericht und später gegenüber dem amerikanischen Fernsehsender CNN.

Mehr oder weniger überraschend war es, dass seine Taktik aufging. Lafave wird als erste Triebtäterin in die Geschichte eingehen, die offenkundig aufgrund ihres Geschlechts und ihres Aussehens eine mildere Strafe bekam. Nach Verhandlungen einigte man sich darauf, Lafave zu sieben Jahren auf Bewährung und Hausarrest zu verurteilen.

2006 traf der NBC-Reporter Matt Lauer die registrierte Sexualstraftäterin zu einem Interview und befragte sie zu ihrer „Beziehung" zu dem 14-jährigen Jungen. Lafave erzählte ihm davon, wie sie als Teenager von ihrem Freund missbraucht wurde, vom Tod ihrer Schwester, von ihrer unglücklichen Ehe und von ihrer bipolaren Störung, aufgrund derer sie an Hypersexualität litt und die sie zugleich unfähig machte, diese zu kontrollieren—und auch ihre Urteilsfähigkeit während des Verhältnisses beeinträchtigte. Ungläubig fragte Lauer sie, wie sie auf dem Rücksitz ihres Autos Sex mit dem Schüler haben konnte, während einer seiner Freunde den Wagen fuhr und wie sie von zuhause aus rund 160 Kilometer nach Ocala, Florida fahren konnte, nur um Sex mit dem Jungen zu haben.

„Alle seine Freunde haben ihn angefeuert und meinten ‚Ja, Mann, die ist heiß...Bla bla bla'", sagte sie im amerikanischen Fernsehen. „Ich kann es nur so beschreiben, dass ich mich wie eine von ihnen gefühlt habe."

In den letzten fünf Jahren gab es jede Menge Nachrichten über erwachsene Frauen, die sexuelle Beziehungen zu Jugendlichen hatten, aber der Großteil der Geschichten handelt von pikanten Schüler-Lehrer-Beziehungen. Unklar bleibt jedoch, ob dieser Trend nur in Zusammenhang mit der Entwicklung der Massenmedien und unserem immer öffentlich gelebten Privatleben steht, oder ob es tatsächlich mehr weibliche Sexualstraftäter (bzw. eine bessere Betreuung für Opfer, die von sexuellen Übergriffen berichten) gibt. Ungeachtet dessen wird deutlich, wie sehr die Berichterstattung durch das Geschlecht des Täters beeinflusst wird. Sucht man bei Google nach weiblichen Sexualstraftätern stößt man auf Artikel wie „Sexy Lehrerin schläft mit Schüler" oder Berichte, die die Täter als „Sex-Lehrerinnen" betiteln.

„Es herrscht eine unglaubliche Doppelmoral", erklärte mir Christopher Anderson, leitender Direktor der Organisation MaleSurvivor in New York, am Telefon. Anderson, der in seiner Kindheit selbst von einem Nachbarn sexuell missbraucht worden war, begann vor fast zehn Jahren—nachdem er die Erfahrungen aus seiner eigenen Kindheit aufgearbeitet hatte—mit seiner Arbeit für die Organisation. „Immer wenn von einer Lehrerin und einem Schüler berichtet wird, taucht im Laufe des Textes das Wort ‚Beziehung' auf—auch wenn in der Überschrift das Wort ‚Missbrauch' verwendet wird. Wäre die Geschlechterverteilung umgekehrt, wäre das undenkbar. Das Wort ‚Beziehung' impliziert das gegenseitige Einverständnis. Selbst wenn man einen willigen 17-jähriger Schüler vor sich hat, kann man unmöglich von beidseitigem Einverständnis sprechen, wenn ihm ein Lehrer oder irgendeine andere Autoritätsperson gegenübersteht."

Wie zur Hölle sie sich dabei wohlfühlen konnte, den ersten Schritt zu machen, werde ich niemals verstehen.

Dr. Holly Richmond, eine ehemalige Journalistin, die Psychologin wurde, nachdem sie Kreatives Schreiben in einem Frauengefängnis in Südkalifornien unterrichtete, ist derselben Meinung: „Man muss die Machtdynamiken betrachten und sehen, ob die jüngere Person dazu aufgefordert wurde, die sexuelle Beziehung geheim zu halten", sagte sie mir. „Wenn dem so ist, dann ist das keine gleichberechtigte Beziehung."

Sexueller Missbrauch in öffentlichen Einrichtungen wie z.B. in Schulen, so Anderson, beraubt den Jugendlichen nicht nur seiner sexuellen Autonomie, es stellt auch „einen grundlegenden Verstoß gegen das Vertrauen der Öffentlichkeit" dar. Eltern schicken ihre Kinder zur Schule in der Annahme, dass ihre Kinder dort unterrichtet und zu gesunden Menschen erzogen werden. Lehrer mit einem sexuellen Interesse an einem der Schüler werden diesen bei den Hausaufgaben bevorteilen, ihn auch sonst bevorzugen oder—wie im Fall der 32-jährigen Danielle Watkins— ihm drohen, ihn durchfallen zu lassen, wenn sie nicht weiterhin Sex haben würden.

„Es existiert die Vorstellung, dass jede Art von sexueller Beziehung, die ein Mann hat, etwas Gutes ist", sagte Anderson. „Außer natürlich homosexuelle Erfahrungen, damit haben die Leute ein Problem. Wenn ein Junge Sex mit einer Frau hat, kann er darüber nicht negativ sprechen, ohne Gefahr zu laufen, seine Männlichkeit abgesprochen zu bekommen, besonders in den Augen von Gleichaltrigen." Anderson erwähnte einen Sketch, „Teacher Trial", der vor Kurzem von Saturday Night Life gezeigt wurde und der vollkommen nach hinten losging, wegen seiner stereotypischen Witze über weibliche Triebtäter. „Allein die Vorstellung, dass ein Junge in der Highschool oder im College sagt, dass er zum Sex gezwungen wurde, finden die Leute zum Lachen."

Richmond und Anderson betonen zudem, dass die meisten Opfer sexueller Gewalt, das Erlebte erst viel später im Leben verarbeiten und erst wenn, so Richmond, „die Probleme ans Tageslicht kommen" in Form von Alkoholismus, Depressionen, dem Üblichen. Noch komplizierter wird die Geschichte zudem, wenn „Opfer" ihre per Gesetz als „Sexualstraftäter" definierten Partner nicht als „Täter" sehen.

Nehmen wir zum Beispiel meinen Mann: Er hat seine Jungfräulichkeit als 14-jähriger Skate-Punk in Arkansas (USA) an eine 22 Jahre alte Mutter verloren.

„Es gab ungefähr zwanzig Punkfreaks wie mich in Booneville, Arkansas", erinnert er sich. „Sie machte mit uns Party. Eines Nachts, als wir alle bei irgendwem zuhause getrunken hatten, nahm sie mich mit ins Schlafzimmer und ... es war super." Er war danach weiter mit der Frau zusammen, fuhr mit seinem niedlichen, kleinen Skateboard zu ihr, um nach der Schule mit ihr und ihrem 3-jährigen Kind abzuhängen. Nach ungefähr einem Jahr machte sie Schluss, weil sie von einem älteren Punk schwanger war. (Anscheinend sind sie und der ältere Punk bis heute glücklich verheiratet mit einem ganzen Haufen Kinder.) Heute lacht mein Mann über die Beziehung und sieht sie als eine Art Mannwerdungsritual. Er denkt nicht, dass es sexueller Missbrauch war oder in irgendeiner Form moralisch verwerflich—ganz und gar nicht.

Ein andere Fall ist Claudia*. Mit 15 Jahren kam sie wegen selbstschädigendem Verhalten und psychischen Problemen in stationäre Behandlung in eine Einrichtung in Murray, Utah. Eine der Mitarbeiterinnen der Behandlungszentrums—sie absolvierte gerade ihr Studium zur klinischen Sozialarbeiterin—fing an ihr Komplimente zu machen, sie bevorzugt zu behandeln, schrieb ihr—und schließlich machte Claudia ihre ersten sexuellen Erfahrungen mit ihr. Die 27 Jahre alte Frau und Claudia waren zwei Jahre lang heimlich ein Paar.

„Ich betrachte das Ganze nicht zwangsläufig als sexuellen Missbrauch, aber ich bin auch nicht ganz sicher warum", erzählte mir Claudia, die heute 23 ist. „Auf der einen Seite sage ich mir, dass ich mit der Beziehung vollkommen einverstanden war und ihr grünes Licht gegeben habe und ich mir der Auswirkungen unserer Beziehung vollkommen bewusst war. Auf der anderen Seite war ich 15 Jahre alt, mental in einer ziemlich schlechten Verfassung und saß in einer Einrichtung fest, die mehr als 1000 Kilometer entfernt lag von dem einzigen Leben, das ich kannte. Sie war eine Betreuerin und 12 Jahre älter als ich. Wie zur Hölle sie sich dabei wohlfühlen konnte, den ersten Schritt zu machen, werde ich niemals verstehen. Erst vor zwei Jahren habe ich angefangen zu realisieren, dass sie eine Triebtäterin war."

Bis zum Jahr 2013 wurde Missbrauch in den USA vom FBI definiert als „Geschlechtsverkehr mit einer Frau, mit Gewalt erzwungen oder gegen ihren Willen". (Heute lautet die Definition: „Penetration, egal wie gering, der Vagina oder des Anus mit einem Körperteil oder Objekt, bzw. orale Penetration mit dem Genital einer anderen Person, ohne Einverständnis des Opfers.") Dennoch scheint die gesamte Vorstellung, dass Frauen Männer missbrauchen, unglaubwürdig, außer eine Frau vergewaltigt ein Kind, das außerhalb dieses männlichen Zwangs steht, jede sexuellen Begegnung bereitwillig annehmen zu müssen. Plausibel wirkt auch, wenn eine Frau genötigt wird, es ihrem Mann gleichzutun (zum Beispiel wenn man an die Serienkiller Karla Homolka und Paul Bernando denkt, ein frisch verheiratetes Paar, das gemeinsam drei Frauen missbraucht und ermordet hat—unter anderem auch Homolkas minderjährige Schwester.)

Ich betrachte das Ganze nicht zwangsläufig als sexuellen Missbrauch, aber ich bin auch nicht ganz sicher warum.

1994 erschien das kontrovers aufgefasste Werk Frauen als Täterinnen: Sexueller Missbrauch an Mädchen und Jungen von Michelle Elliott. Anfang der 90er hatte sie einen Vortrag über sexuelle Gewalttaten von Männern vor einem Luftwaffenstützpunkt gehalten. Im Anschluss an den Vortrag kam einer der Offiziere zu ihr und meinte „Es sind nicht nur die Männer, wissen Sie—mir wurde das von meiner Mutter angetan." Später griff sie das Thema Kindesmissbrauch durch Frauen im Rahmen einer lokalen Radiosendung auf und erhielt eine wahre Flut an Anrufen und Briefen von Leuten aus ganz Großbritannien, die ihr von Misshandlungen durch Mütter, Tanten, Lehrerinnen, Babysitter, Schwestern und Nonnen erzählten. In einer Studie stellte Elliott fest, dass sich der Großteil der Bevölkerung zu glauben weigerte, dass Frauen dazu fähig waren, zu Sexualstraftätern zu werden (auch wenn dies faktisch der Fall war)—besonders gegenüber Jugendlichen und Kindern. Die Vorstellung, dass Frauen Kinder sexuell missbrauchen könnten, „störte nicht nur die Vorstellung von der Beziehung zwischen Frauen und Kindern" (besonders in der Rolle der fürsorglichen Schutzperson gegenüber aggressiven Männern), sondern brachte Frauen in die Rolle des sexuellen Aggressors und zerstörte damit die Anschauung, eine Frau wäre weder moralisch noch körperlichen in der Lage jemanden zu vergewaltigen oder zu missbrauchen.

„Konservative Schätzungen ergaben dass 5% der Mädchen und 20% der Jungen, die angaben, missbraucht worden zu sein, von Frauen missbraucht wurden", schrieb Elliott 2009. „Nach meinen eigenen Untersuchungen—mir liegen bis zu 800 berichtete Fälle vor—komme ich zu der Annahme, dass es wahrscheinlicher ist, dass 20% aller Sexualdelikte von Frauen begangen werden."

1995 legten drei Forscher einen Bericht vor, wonach weibliche Sexualstraftäter in vier Kategorien unterteilt wurden. Die erste Kategorie hieß „intergenerationelle Prädisposition": eine alleinstehende weibliche Täterin mit einer inzestuösen Vorgeschichte mit mehr als einer Person. Die zweite Kategorie—in die auch der Fall von Homolka fällt—lautete „durch Männer erzwungen": Frauen, die im Auftrag ihres männlichen Partners zu Tätern werden. Die dritte Kategorie „Experimentell/Ausbeuter": eine alleinstehende Täterin, die sich ein junges männliches Kind im Rahmen der Kinderbetreuung als Opfer wählt. Inhalte der vierten und finalen Kategorie werden am häufigsten in sexistischen Berichten verarbeitet: „Lehrer/Liebhaber", eine alleinstehende Täterin, die sich in einen Jugendlichen verliebt.

Abgesehen von dieser Kategorisierung gibt es zahlreiche zentrale Unterschiede zwischen weiblichen und männlichen Sexualstraftätern. Frauen werden seltener mehrmals zum Täter, wenn sie allerdings wiederholt zum Täter werden, ist die Zahl der Opfern bei Männern jedoch deutlich höher. Nur in seltenen Fällen stalken oder attackieren Frauen zufällig ausgewählte Kinder und Jugendliche; vielmehr entwickeln sie häufig eine „Beziehung" zu ihren Opfern oder—bezogen auf Fälle innerhalb der Familie oder in Institutionen—zehren von ihnen und betrachten es als Liebe. Das führt letztendlich dazu, dass sie sich selbst in einer Beziehung auf Augenhöhe mit ihren Opfern sehen, ähnlich wie Lafave.

Es sind nicht nur die Männer, wissen Sie—mir wurde das von meiner Mutter angetan.

„Ein Pädophiler, der andere missbraucht, wurde mit 99 prozentiger Sicherheit selbst missbraucht", erklärte mir Dr. Richmond am Telefon. „Aber eine Person, die missbraucht wurde, muss nicht zwangsläufig selbst zum Täter werden. Sexualität ist in unserer Psyche verwurzelt. Unsere Vorstellungen davon, was wir sexy finden, orientieren sich alle an einer erotischen Vorlage. Danach ist unsere sexuelle Identität aufgebaut. Wird jemand missbraucht, geraten diese Vorstellungen aus der Bahn." Manche kommen nur zum Höhepunkt, wenn sie gewürgt werden oder wenn ihnen jemand mit den High-Heels in die Hoden tritt, doch sobald diese erotischen Vorstellungen die sexuelle Freiheit einer anderen Person einschränken, ist das falsch.

Anderson erklärt mit, dass viele Täter versucht haben, ihre Sexualdelikte mit neurologischen Erkrankungen zu entschuldigen. Der bekannteste Fall ist der von Nicole Default, einer Lehrerin aus New Jersey, deren Anwalt argumentierte, dass eine Hirn-Operation nach der Geburt ihres Kindes ursächlich war für den Eintritt eines Frontalhirnsyndroms, wodurch ihre Urteilsfähigkeit beeinträchtigt war, als sie fünf Schüler sexuell missbrauchte. Anderson erwähnte auch noch einen anderen Fall, bei dem eine Frau einen Gehirntumor hatte und begann, ihre Tochter sexuell zu missbrauchen. Als die Ärzte den Tumor entfernten, hörte der Missbrauch auf. Wuchs der Tumor wieder, begann auch der Missbrauch wieder.

Was Fälle von Erzieherinnen betrifft, die zu Triebtätern werden, stellte eine Studie von Carol Shakeshaft aus dem Jahr 2004 für das Bildungsministerium der Vereinigten Staaten fest, dass die sexuelle Orientierung der Opfer in 24% der Fällen mit gleichgeschlechtlichen Tätern nicht festgelegt wurde oder nicht übereinstimmte. Ich habe Claudia gefragt—die Frau, die eine Beziehung mit einer älteren Erzieherin in ihrem Behandlungszentrums hatte—ob sie denkt, dass sie ihre Beziehung mit der 27-jährigen Erzieherin heute anders sehen würde, wenn der Täter ein Mann gewesen wäre und Claudia heute nicht lesbisch wäre.

„Hundertprozentig", antwortet sie. „Es war einfach zu glauben, dass sie und ich eine emotionale Verbindung hatten, weil uns die Gesellschaft immer sagt, dass erwachsene Männer junge Frauen nur ausnutzen, aber das einzige, was wir von Frauen kennen, sind Geschichten über ‚verbotene Liebe'. Wir kriegen beigebracht, dass Männer ihre Emotionen immer unter Kontrolle haben, systematische Entscheidungen treffen und überlegt handeln. Im Gegensatz dazu wird von Frauen gesagt, dass sie gefühlsgesteuert sind, emotionale Entscheidungen treffen und reaktiv handeln. Frauen, die sich „nicht beherrschen können" sind ihren Gefühlen auf Gedeih und Verderb ausgeliefert, während Männer in derselben Situation ihren fleischlichen Trieben nachgehen und ihre Macht ausnutzen. Frauen können keinen Täter sein, weil sie sich selbst in der Rolle des Opfers sehen."

Die wahrscheinlich bekannteste Triebtäterin aus der Kategorie Lehrer/Liebhaber ist vermutlich Mary Kay Letourneau. Letourneau fing damals, als 34 Jahre alte, vierfache Mutter, eine sexuelle Beziehung mit ihrem 12-jährigen Schüler Vili Fualaau an. Während Letourneau ihre 7-jährige Haftstrafe wegen Kindesmissbrauch verbüßte, kamen ihre beiden gemeinsamen Kinder zur Welt (das erste wurde geboren, als Fualaau gerade 13 Jahre alt war). Anfang dieses Jahres, haben Letourneau und Fualaau, die heute verheiratet sind, ein Interview gegeben. Viele Leute waren schockiert, wie rosarot die Geschichte dargestellt wurde.

„Wen kümmert es, ob diese Kinder das Produkt einer Vergewaltigung sind", sagt Anderson, „sobald das Fernsehen den Weichzeichner über die Lise legt, ist klar, dass man einfach nur dasitzen und sich die Geschichte anhören kann. Fualaau meldete sich später zu Wort und sagte, dass er erkannt hat, dass er keine Kindheit hatte. Er hatte keine Chance, sein Leben so zu leben, wie er es wollte. Er hatte mit Alkoholproblemen und Depressionen zu kämpfen."

2004 in einem Interview mit Walters wurde Letourneau zu ihrer ersten Ehe mit Steve Letoruneau befragt. Walters fragte: „Als Sie auf dem College waren, wurden Sie schwanger und heirateten Steve Letourneau. Hätten Sie ihn geheiratet, wenn Sie nicht schwanger gewesen wären?"

„Das werde ich wohl nie erfahren", seufzt Letourneau. „Ich war nicht glücklich darüber, dass ich die Entscheidung zu heiraten treffen musste, als ich schwanger war. Ich habe deshalb viel gebetet."

„Wir denken, wir wissen wie ein Sexualstraftäter aussieht", erklärt mir Claudia und ich stimme zu. Ich stelle mir immer einen älteren Mann vor—der Lehrer, der Stiefvater, der Nachbar oder der Typ am Ende der Bar. Er beeindruckt jüngere Frauen durch seine Lebenserfahrung und lässt sie daran teilhaben, sodass auch sie sich etwas reifer fühlen. „Wir haben keine Kriterien zur Identifikation von weiblichen Sexualstraftätern. Und gerade weil wir uns unter einem Sexualstraftäter keine 1,60 Meter große und 40 Kilo schwere Sozialarbeitsstudentin vorstellen, haben Frauen die Möglichkeit, sich der Kontrolle zu entziehen und die Geschichte so weit zu manipulieren, bis sie sie sogar selbst glauben."

*Name wurde geändert.

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