Facebook

Was deine Facebook-Posts wirklich über dich aussagen

Was für eine Überraschung: Eine Studie hat festgestellt, dass Narzissten in den sozialen Medien gern prahlen, während introvertierte Menschen nach Bestätigung suchen.
25.8.16
Photo by Studio Firma via Stocksy

Eine Studie, die von der Brunel University London veröffentlicht wurde, hat bestätigt, was sich die meisten von uns schon seit Langem gedacht haben, wenn wir uns unsere Facebook-Startseite mal so angesehen haben: Menschen, die anderen ständig mitteilen müssen, was sie essen und wie viel sie trainieren gehen, sind mit hoher Wahrscheinlichkeit Narzissten. Leute, die regelmäßig Sachen über ihre bessere Hälfte posten, haben derweil in der Regel ein geringeres Selbstbewusstsein.

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An der Studie, die vergangenen Oktober publiziert wurde, haben mehr als 500 Facebook-Nutzer aus den USA teilgenommen. Psychologen sind dabei der Frage auf den Grund gegangen, warum Menschen das posten, was sie posten. Hierzu haben sie die Probanden gefragt, wie viel Zeit sie in den sozialen Medien verbringen, zu welchen Anlässen sie etwas posten und was für ein Feedback sie dafür normalerweise bekommen. 57 Prozent der Teilnehmer gaben an, dass sie täglich auf Facebook sind und durchschnittlich 107,95 Minuten pro Tag auf der Seite verbringen.

Für das weitere Verfahren der Studie haben die Forscher das Fünf-Faktoren-Modell (FFM) aus der Persönlichkeitspsychologie genutzt. Das FFM besagt, dass es fünf Hauptdimensionen der Persönlichkeit gibt, nach denen jeder Mensch eingeteilt werden kann: Offenheit für Erfahrungen, Gewissenhaftigkeit, Extraversion, Verträglichkeit und Neurotizismus. Nachdem die Forscher der Studie festgestellt haben, welche der fünf Merkmale die einzelnen Teilnehmer aufweisen, wurden die Probanden gefragt, über welche Themen sie normalerweise posten und wie oft.

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Die Ergebnisse waren wenig überraschend: Extrovertierte Menschen neigen dazu, mehr über ihre sozialen Aktivitäten und ihren Alltag zu posten, offenere Menschen schreiben eher über intellektuelle Themen und gewissenhaftere Menschen sprechen mehr über ihre Kinder.

Narzissten neigen dagegen eher dazu, anderen mitzuteilen, wie sie sich um ihre optische Erscheinung kümmern. Das tun sie allerdings vor allem, um zu zeigen, wie wichtig es ihnen ist und nicht unbedingt nur, um sich die Bestätigung der anderen zu holen, wie die Studie festgestellt hat. Außerdem haben sie kein Problem damit, mit ihren Erfolgen zu prahlen, was durch eine größere Zahl von Likes und Kommentaren zusätzlich verstärkt wird. Es gibt aber ein Problem an der ganze Sache, sagen die Forscher: „Leute kommentieren und liken die leistungsbezogenen Updates eines Freundes zwar, um ihre Unterstützung zu zeigen, haben insgeheim aber oft eine Abneigung gegen diese Form der Selbstdarstellung."

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Ein weiteres voraussehbares Ergebnis der Studie war, dass Menschen mit einem geringeren Selbstbewusstsein eher Sachen über ihre bessere Hälfte posten. Obwohl auch sie Facebook normalerweise als Form der Selbstdarstellung nutzen, verfolgen sie ein anderes kommunikatives Ziel damit, wenn sie über ihre Beziehung schreiben. „Wenn man bedenkt, dass Menschen mit einem geringeren Selbstbewusstsein dazu neigen, chronische Angst davor zu haben, ihren Partner zu verlieren und dass Menschen eher dann beziehungsrelevante Informationen teilen, wenn sie sich unsicher fühlen", merken die Autoren der Studie an, „dann kann man davon ausgehen, dass Menschen mit einem geringeren Selbstbewusstsein mehr über ihren Partner posten, um ihren Anspruch auf die Beziehung geltend zu machen, wenn diese in Gefahr zu sein scheint."

Regina Tuma ist Professorin im Fachbereich Medienpsychologie an der Fielding Graduate University in Santa Barbara, Kalifornien. Sie sagt gegenüber Broadly, dass sie die Ergebnisse der Studie wenig überraschen. „Was wir in den sozialen Medien beobachten können, ist ein Spiegelbild unseres täglichen Lebens sowie unserer zwischenmenschlichen Beziehungen und Mitteilungen", sagt sie. Es gibt Menschen, die sowohl online als auch offline narzisstisch sind und genauso gibt es auch Menschen, die das eben nicht sind. Darüber hinaus, sagt Tuma, bestätigt die Studie auch, dass wir die sozialen Medien in unser Leben integriert haben.

Letztendlich, schreiben die Autoren der Studie, ist es wichtig zu verstehen, warum wir posten, was wir posten, um zu verhindern, dass uns unsere Freunde dafür irgendwann hassen. „Wir müssen ein stärkeres Bewusstsein dafür entwickeln, wie unsere Statusmeldungen von Freunden aufgenommen werden könnten, um Themen zu meiden, die andere eher nerven als unterhalten", stellen sie abschließend fest.

Tuma stimmt dieser Schlussfolgerung zu und meint, dass die Leute „erwachsen werden sollten, was unsere Interaktionsformen in den sozialen Medien angeht." Sie empfiehlt Leuten, sich genauer zu überlegen, was sie alles auf ihre Seite schreiben. „Wenn wir angenehme Gesprächspartner sein und bedeutungsvolle Beziehungen führen wollen, dann muss uns klar sein, wer der andere ist und wie unsere Beziehung zu anderen gestaltet ist."


Foto: stokpic.com | CC0