Gerichtsprozess

Er war ein Vorbild von Massenmörder Breivik, nun wurde der "Lasermann" verurteilt

Vor 25 Jahren schoss der Schwede John Ausonius monatelang auf Ausländer. Seine letzte Untat wurde erst jetzt bestraft.

von VICE Staff
21 Februar 2018, 3:53pm

Foto: imago | Jan Huebner

Es ist nicht vielen Menschen vergönnt, andere nachhaltig zu inspirieren. Dem Schweden John Ausonius, genannt "Lasermann", ist das gelungen – allerdings auf die schlimmste erdenkliche Art und Weise. Ausonius inspirierte rechtsradikale Massenmörder wie Anders Breivik, der 2011 in Norwegen 77 Menschen umbrachte und sich im anschließenden Prozess auf den "Lasermann" bezog. Die rechtsradikale Organisation "Blood & Honor" heroisierte ihn und bezeichnete ihn als Vorbild für den "führerlosen Widerstand".

Deutsche Sicherheitsbehörden hielten seine Taten auch für eine "Blaupause" für den NSU, der bis 2007 zehn Menschen ermordet hatte, neun von ihnen mit Migrationshintergrund. Ob Ausonius den NSU wirklich inspiriert hat, ist nicht zweifelsfrei belegt, ohne Zweifel aber steht sein Name auf der Liste rassistischer Serientäter. Anfang der 90er Jahre schoss Ausonius in Schweden über Monate auf Ausländer, tötete einen von ihnen und verletzte zehn schwer. Teilweise benutzte er ein Laservisier, weshalb ihm schwedische Medien seinen Spitzennamen "Lasermannen" verpassten.

Zu Ausonius’ Geschichte ist am Mittwoch, dem 21. Februar, ein Vierteljahrhundert nach seinen Taten, ein weiteres Kapitel hinzugekommen. Er wurde in Deutschland vom Landgericht Frankfurt am Main zu einer lebenslangen Haftstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Diese Strafe bekam er für den Mord an der Garderobenfrau Blanka Zmigrod. Sie war Jüdin und zum Zeitpunkt ihres Todes 68 Jahre alt. Ausonius tötete sie 1992 in Frankfurt per Kopfschuss, wohl weil er sie verdächtigte, ein elektronisches Notizbuch von ihm geklaut zu haben.

Der Mordfall Blanka Zmigrod wurde von deutschen Ermittlern wieder aufgerollt, als sie nach dem Auffliegen des NSU ungeklärte Mordfälle durchgingen.


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In Deutschland befand sich Ausonius damals, weil er nach seinen zehn Anschlägen auf insgesamt elf Personen sowie einer Reihe von Banküberfällen in Schweden vom Frankfurter Flughafen nach Südafrika fliegen und so fliehen wollte.

Für den Serientäter, der wegen all seiner Verbrechen bereits seit 1994 in Schweden lebenslänglich im Gefängnis saß und für den Prozess an Deutschland ausgeliefert wurde, hat diese Verurteilung aber nicht etwa nur "symbolischen" Wert. Denn in Schweden hatte er nach vielen Jahren hinter Gittern zahlreiche Hafterleichterungen bekommen. Er hatte etwa Ausgang in Begleitung von Polizisten und durfte regelmäßig Anträge stellen, aus der Haft entlassen zu werden, auch wenn diese bisher nicht bewilligt worden waren. Dazu wird es jetzt auch nicht mehr kommen. Ausonius wird seine Strafe in Deutschland absitzen müssen, wegen der verhängten Sicherungsverwahrung wohl für immer. Er ist 64 Jahre alt.

Beide Elternteile von Ausonius waren in Schweden Einwanderer. Sein Vater war aus der Schweiz ins Land gekommen, seine Mutter aus Deutschland. Er wuchs als Wolfgang Alexander John Zaugg auf und änderte später seinen Namen.

Zahlreiche Medienberichte, aber auch Ausonius selbst, schildern seine Geschichte als die eines zunächst erfolgreichen Menschen, der finanziell auf die schiefe Bahn geriet und dann einen tiefen Hass gegen Ausländer entwickelte. Dass Ausonius nicht nur mordete, sondern auch Banken überfiel, ist eine der viele Parallelen zum deutschen NSU. Das Geld soll er in Casinos verspielt haben.

In einem Interview mit der Berliner Zeitung erklärte Ausonius 2015, die Anschläge auf Ausländer überhaupt erst begonnen zu haben, um die Aufmerksamkeit der schwedischen Polizei von seiner Bankraub-Serie abzulenken. So krude diese Erklärung klingt, so abstoßend ist auch seine Argumentation, wonach er zwar aus Ausländerhass gehandelt hätte, aber sich trotzdem von all den Tätern unterscheide, die sich auf ihn beziehen: "Ich bin kein Neonazi, kein politischer Mensch, das bin ich nie gewesen", sagte er, und fügte im Bezug auf seine Nachahmer hinzu: "All diese Mörder waren Idealisten."

Außerdem beteuerte er in dem Gespräch, wie leid ihm alles tue und dass er sich heute nicht mehr als Mörder betrachte, da er einen inneren Prozess durchgemacht habe und nun nicht mehr morden könnte. Zu seinen Taten aus den frühen 90ern bekannte sich Ausonius erst sechs Jahren nach seiner Verurteilung, im Jahr 2000. Den Mord an Blanka Zmigrod, für den er nun verurteilt wurde, streitet er weiterhin ab.

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