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Technologie

Es ist da: Das erste Auto, das mit Whisky fährt

Wer hat's erfunden?

von Jelisa Castrodale
11 Juli 2017, 2:40pm

Foto: Iain Watson | Flickr | CC BY 2.0

Wenn du raten müsstest, welches Land als erstes ein mit Whisky betriebenes Auto entwickelt, würdest du auf Schottland tippen, oder? Natürlich – und natürlich haben die Schotten es getan. Letzte Woche absolvierte ein Ford Focus, der mit Abfällen aus der Whiskyproduktion angetrieben wird, seine erste erfolgreiche Testfahrt. Der neu entwickelte (und fast schon klischeehaft schottische) Treibstoff ist ein Biobutanol und wird aus einer Mischung aus Treber (den Malzresten nach der Gärung) und sogenanntem "Pot Ale", ein Restprodukt nach Ende der ersten Destillation, hergestellt.

"Ich habe fest die Daumen gedrückt, das muss ich gestehen", meint Martin Tangney, Gründer und Vorsitzender von Celtic Renewables, gegenüber dem Telegraph. "Wir haben quasi eine Flasche Butanol in das Auto gegossen. Das könnte riesige Auswirkungen haben."

Der Biotreibstoff aus Whiskyabfällen wurde von Celtic Renewables entwickelt, einem Startup, das an der Edinburgh Napier University gegründet wurde. Die Rohstoffe dafür wurden von der Tullibardine Brennerei zur Verfügung gestellt. Wie Celtic Renewables schreibt, sind nur zehn Prozent der Endprodukte einer Brennerei auch tatsächlich Whisky. Sie hoffen mit ihrer Methode, den Treber und das Pot Ale in Biotreibstoff umwandeln zu können. Dadurch würden nicht nur CO₂-Emissionen reduziert (einigen Schätzungen zufolge gibt es so 85 Prozent weniger Treibhausgasemissionen als bei Benzin), der Treibstoff könnte auch als alternative Energiequelle für abgelegene Orte in Schottland dienen, wo es wenige Tankstellen und dafür umso mehr Brennereien gibt.


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Celtic Renewables schätzt, dass die schottische Whiskyindustrie jedes Jahr zwei Milliarden Liter Pot Ale produziert und 500.000 Tonnen Treber. Außer Biotreibstoff macht das Unternehmen aus Teilen dieser Reste auch Tierfutter.

"Wir haben einen Prozess entwickelt, um die Feststoffe mit der Flüssigkeit zu kombinieren und wir haben eine andere, traditionelle Gärmethode gewählt, den A.B.E.-Prozess [Aceton-Butanol-Gärung]. Dabei entsteht sogenanntes Biobutanol", erklärte Tangney gegenüber der BBC. "Damit kann Benzin sofort ersetzt werden." Und damit hat er Recht: Der Motor oder die Kraftstoffanlage des Fords mussten nicht umgebaut werden, damit er auch mit Biobutanol läuft.

Auch wenn sich der Prozess ziemlich modern anhört, wurde er ursprünglich Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelt, um Aceton für Explosivstoffe im Ersten Weltkrieg herzustellen. Trotz der Vorteile – und Ähnlichkeiten mit Benzin –, wurde die Produktion in den 1960ern eingestellt, vor allem weil sie vergleichsweise kostenintensiv war. Celtic Renewables versucht seit zwei Jahren, die Herstellung von Biobutanol wiederzubeleben, und hat die Rezeptur etwas verändert, indem sie sich an Whiskyabfallstoffen bedienen. Das Unternehmen hat bereits umgerechnet über 10 Millionen Euro von der schottischen Regierung erhalten und hofft, mit diesen und weiteren Fördergeldern eine Versuchsanlage zu bauen und die Kapazitäten zu erweitern.

Zumindest wissen wir jetzt, wem wir danken müssen, wenn wir bei der Polizeikontrolle irgendwann sagen können: "Nein, ich habe nichts getrunken, aber mein Auto schon."

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