Porno-Stars erzählen von ihren Nebenjobs

"Um von Pornos leben zu können, braucht man viel Talent und einen großen Schwanz. Ansonsten muss man nebenher Burger braten."

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28 Juni 2017, 3:45am

Alle Fotos: bereitgestellt von den Interviewten

Letzte Woche hat die italienische Porno-Branche ihre Stars geehrt. Bei den Italian Porn Awards in Mailand ging es ganz schön glamourös zu, aber die Arbeit im Porno-Gewerbe ist tatsächlich nicht mehr das, was sie mal war.

Weil das Internet jederzeit so einen Überfluss an Pornos liefert, können sich professionelle Produktionsfirmen in aller Welt nur schwer über Wasser halten. Immer weniger Filme werden professionell produziert und immer mehr Amateure versuchen sich im Gewerbe. Die meisten Darstellerinnen und Darsteller hören nach ein paar Monaten wieder auf, und wer weitermacht, braucht oft einen Nebenjob.

Wir haben ein paar italienische Porno-Darsteller gefragt, was sie außerdem noch machen, um die Rechnungen zu bezahlen.

Luca Ferrero

VICE: Wie hast du dich entschieden, Pornos zu machen?
Luca Ferrero: 2013 hatte ich eine schwere Zeit, weil die Baufirma meines Vaters pleite ging. Ich jobbte dann als Kellner. Als ich in Budapest Urlaub machte, traf ich den Porno-Produzenten Mario Selier. Er bot mir eine Rolle an. Ich hatte vorher nie darüber nachgedacht, aber mein Casting lief gut und dann war ich dabei.

Aber du hast weiter andere Sachen gemacht?
Ja, die Pornos haben nicht so viel eingebracht und ich hatte nur wenig Erfahrung. In manchen Fällen musste ich sogar umsonst arbeiten. Ich weiß sogar von vielen Typen, die dafür zahlen, in Pornos mitspielen zu dürfen. Ich kellnerte weiter und half meinen Eltern in ihrem neuen Supermarkt. Um von Pornos leben zu können, braucht man viel Talent und einen großen Schwanz. Ansonsten muss man nebenher Burger braten.


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Wussten deine Kollegen, was du nebenher machst?
Ja, nach meinem Casting wussten es fast sofort alle in meiner Stadt. Alle waren neugierig, aber respektvoll. Frauen haben mich schon erkannt, aber es ist nie was passiert – ich war schon verheiratet, bevor ich mit den Pornos angefangen habe. Die meisten, die mir unmoralische Angebote machen, sind übrigens Männer, und zwar online.

Cristina Miller

VICE: Welchen Job machst du sonst?
Cristina Miller: Ich bin seit acht Jahren in der Qualitätssicherung einer Firma tätig, die Kunststoff herstellt. Es macht mir wirklich Spaß.

Und wie bist du bei den Pornos gelandet?
Ich war früher Model. Irgendwann fragte mich mein Mann, ob ich nicht Pornos machen will, weil mein Aussehen so gut dazu passt. Bald hatte ich dann schon meine erste Szene gefilmt. Inzwischen habe ich auch Kontakt mit einer amerikanischen Produktionsfirma.

Wissen deine Kollegen in der Kunststofffabrik von deiner anderen Arbeit?
Nicht wirklich, nur zwei gute Freunde dort. Die folgen mir auf Facebook und so, aber anderen erzähle ich davon nicht.

Heidi Cassini

VICE: Du bist jetzt schon eine ganze Weile im Porno-Geschäft unterwegs. Früher hatte das Internet noch keinen so großen Einfluss auf die Industrie. Hattest du damals einen Nebenjob?
Heidi Cassini: Damals war alles anders. Pornos warfen mehr Geld ab als jetzt, es gab weniger Darstellerinnen. Ich landete im Porno-Geschäft, nachdem ich schon viele Jahre in der Theater-, TV- und Filmindustrie gearbeitet hatte. Ich schaffte es aber, beide Karrieren parallel laufen zu lassen.

Wie ging das? Haben dich deine Kollegen außerhalb der Porno-Industrie nicht schief angeschaut?
Nein, mit so etwas musste ich mich nie auseinandersetzen. Zum Glück hatte ich es immer mit intelligenten Menschen zu tun, die meine Fähigkeiten als Moderatorin oder Schauspielerin nicht in Frage stellten, nur weil ich auch Pornos drehte.

Du hast die Italian Porn Awards mitorganisiert. Wie schwer haben es die Darsteller und Darstellerinnen heutzutage?
Nur wenige Leute, die in der Porno-Branche tätig sind, können davon auch leben. Die meisten Darsteller geben nach nicht mal einem Jahr wieder auf. Die Darstellerinnen können nebenher als Stripperinnen arbeiten und sich so zum Glück recht einfach etwas dazuverdienen. Viele Amateurdarsteller halten das Ganze für eine einfach Möglichkeit, Geld zu machen. Wenn es dann allerdings nicht so läuft, wie sie sich das vorstellen, verlieren sie schnell die Lust. Früher drehten die Leute Pornos, weil es ihr Wunsch war. Das Geld war damals nur ein Bonus.

Sebastian Bonometti

VICE: Welchen Jobs gehst du abseits der Porno-Branche nach?
Sebastian Bonometti: Ich arbeite als Personal Trainer und mache hier und da noch andere Gelegenheitsjobs. 2002 fing ich mit dem Strippen an. Mein Erfolg dabei hat mich irgendwann in die Porno-Industrie geführt.

Erkennen dich die Leute im Fitnessstudio?
Ja. Sie sehen mich dann direkt mit anderen Augen. Manche wollen ganz verzweifelt meine Freunde werden. Andere boten mir auch schon Geld an, damit ich mit ihnen schlafe. Männer sind immer total freundlich. Frauen machen hingegen immer auf abgeschreckt, sind dann aber ganz anders drauf, wenn ich privat mit ihnen über dieses Thema rede.

Marika Vitale

VICE: Du bist erst seit Kurzem Porno-Darstellerin. Was hast du davor gemacht?
Marika Vitale: Total unterschiedlich. Ich habe beispielsweise als Frisörin oder Verkäuferin in einem Spielzeugladen gearbeitet. Alles ganz normale Jobs. Aber ganz ehrlich, ich wollte schon immer in die Porno-Industrie. Jenna Jameson war mein Vorbild. Irgendwann fing ich als Tänzerin in einer Lapdance-Bar an und ein paar Jahre später bot sich mir die Gelegenheit, einen Porno zu drehen.

Braucht man als Porno-Darstellerin heutzutage einen Nebenjob?
Mit großer Wahrscheinlichkeit schon. Zwar könnte man versuchen, irgendwo im Ausland Fuß zu fassen, aber hier in Italien ist es definitiv nicht leicht. Früher gab es noch viele große italienische Produktionsfirmen, aber die Zeiten sind vorbei. Und von den wenigen Filmen, die noch gedreht werden, kann man kaum leben.

Hast du das erwartet, als du in die Porno-Industrie eingestiegen bist?
Ich habe mir schon vorgestellt, dass es lukrativer und einfacher sei. Die Fans glauben immer, dass dieser Job total einfach ist und viel Geld bringt. Das ist aber nicht der Fall. Ich weiß nicht, wie lange ich in dieser Branche arbeiten kann. Denn egal wie viel Spaß es mir auch macht, ich muss ja irgendwie über die Runden kommen. Hoffentlich kann ich nach meinem Ausstieg irgendetwas ganz Anderes machen.

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